Flugverlegung Wenn die Erstattung auf sich warten lässt

Marktcheck mischt sich ein

Der Flug wird um einen halben Tag nach vorne und der Abflugort von Stuttgart nach Zürich verlegt. Auf den Mehrkosten bleiben die Reisenden sitzen. Ein Fall für Axel Sonneborn.

Dauer

Sonne, Strand, Meer und gutes Essen: Lena Bachmann und Alexander Probst aus Vogtsburg im Kaiserstuhl planen im vergangenen Jahr ihren Sommerurlaub. Bei 1-2-Fly finden sie ein passendes Angebot. Sie buchen eine Pauschalreise auf die spanische Insel La Gomera.

Abflugort und -Zeit drei Tage vor Reisebeginn verlegt

Sie buchen Flug und Unterkunft für knapp 1.500 Euro über das TUI-Unternehmen 1-2-Fly. Der Abflugort soll Stuttgart sein. Als Abflugzeit wählt das Paar extra den Nachmittag aus. Doch daraus wird nichts: "Ich hab drei Tage vor der Reise eine E-Mail bekommen. Man hat uns drei Tage vorher von Stuttgart auf Zürich umgebucht und statt abends um 17:00 Uhr, ging der Flug morgens um 6:20 Uhr", sagt Lena Bachmann. Sie wenden sich an TUI, doch schnell wird klar, es besteht keine Möglichkeit, diese Umbuchung noch einmal zu ändern. Es gebe nur zwei Optionen, heißt es vom Reiseveranstalter: Entweder das Paar fliegt zu den geänderten Flugzeiten und ab Zürich - oder sie stornieren die Reise.

Das Paar reist auf eigene Kosten in die Schweiz, Autobahnvigniette und Parkgebühren von rund 250 Franken (rund 220 Euro) mussten sie zusätzlich zahlen. Sie wollen das Geld von TUI wieder haben: "Man hat uns anfangs versprochen, dass man uns für die anfallenden Parkkosten 180 Euro erstatten könnte. Das war natürlich nur ein Teil der Parkkosten, komplett wollten sie uns das nicht erstatten. Uns wurde einfach nie geantwortet oder das Versprochene nicht eingehalten", sagt Bachmann. TUI reagiert trotz zahlreicher Briefe und E-Mails nicht mehr auf die Schadenersatzforderungen des Paares.

TUI muss für Reisemangel aufkommen

"Hier lag ohne Zweifel ein Reisemangel vor, und damit sind dann alle Kosten, die im Zusammenhang mit diesem Reisemangel entstanden sind, also die Kosten für die Anreise, die nutzlosen Kosten für die Ticketreservierungen und eventuelle Übernachtungskosten, das muss der Reiseveranstalter alles erstatten. Man könnte auch noch daran denken, weil diese Reise ja noch unbequemer geworden ist, eine Minderung des Reisespaßes hier geltend zu machen - in Höhe von etwa 50 Prozent des Tagesreisepreises", sagt Holger Hopperdietzel, Fachanwalt für Reiserecht.

Beispiel: Kostet die Reise in der Summe 1.500 Euro und dauert 15 Tage, liegt der Tagespreis bei 100 Euro, das heißt, dem Reisenden würden noch einmal rund 50 Euro zustehen. Denn es gilt, ein "Reisemangel ist immer das, was letztendlich nicht mehr vom Vertrag gedeckt ist, also eine Änderung des Flughafens oder auch eine abweichende Hotelunterbringung, um ein anderes Beispiel zu nennen", sagt Hopperdietzel.

Hat das Unternehmen möglicherweise darauf spekuliert, dass die Sache irgendwann im Sande verläuft und die Kunden entnervt aufgeben? Axel Sonneborn kontaktiert TUI 1-2-Fly und schildert nochmal den gesamten Vorgang. Endlich reagiert TUI. Ein Interview vor der Kamera will man uns nicht geben, aber das Unternehmen entschuldigt sich für die lange Bearbeitungsdauer und verspricht, die Kosten zu ersetzen. TUI möchte nicht nur für die Unkosten aufkommen, sondern packt noch einmal etwas Geld drauf, als Entschuldigung für den entstandenen Ärger - insgesamt wird das Paar 450 Euro erhalten.

Axel Sonneborns Fazit

"Die Reiseveranstalter sind eigentlich verpflichtet, wenn bei einer Pauschalreise ein Flug verlegt wird, die dadurch entstehenden Mehrkosten zu bezahlen. Wenn sie sich quer stellen, so wie TUI in diesem Fall, dann sollte man hartnäckig bleiben und das ganze auch schriftlich einfordern, am besten per Einschreiben. Wenn das alles nichts hilft, dann muss man zur Not eben auch klagen."

Diese Rechte haben Fluggäste

Hat der Flug Verspätung, so muss die Airline Ihnen Verpflegung und notfalls auch eine Unterkunft bereitstellen. Zudem dürfen Sie, auf Kosten der Fluggesellschaft, zwei Mal telefonieren, mailen oder faxen. Dies gilt ab einer Verspätung von zwei bis vier Stunden, je nachdem, wie weit Ihre Flugdistanz ist. Ab einer Verspätung von fünf Stunden können Reisende die vollständige Erstattung des Flugpreises verlangen.

Wer mehr als drei Stunden verspätet am Zielflughafen landet, hat Anspruch auf eine Entschädigung. Je nach Flugdistanz und der Dauer der Verspätung sind dies zwischen 150 und 600 Euro. Flugreisende erhalten auch dann Entschädigungen, wenn sie in einer niedrigeren Klasse als gebucht fliegen, oder wenn sie wegen Überbuchung zwangsausgecheckt werden. Bei höherer Gewalt wie Unwettern, Terrordrohungen oder Streiks müssen Fluggesellschaften allerdings keine Entschädigung leisten.

Auf der Infotafel eines Flughafens ist "Flug Verlegt" zu lesen. (Foto: Gettyimages - SWR Montage)
Flugreisende haben bei Flugverlegungen einen Anspruch auf Entschädigung. Gettyimages - SWR Montage

Die Verbraucherzentrale listet hier die Fluggastrechte für verschiedene Fälle auf. Sollten Sie eine Entschädigung geltend machen wollen, zeigt Ihnen Stiftung Warentest hier den Weg bis zur Entschädigung auf. Sollte sich eine Airline querstellen, können sich Flugreisende auch an die Schlichtungsstelle werden. In der Regel ist dies die Schlichtungsstelle für den Öffentlichen Personenverkehr (söp). Aber nicht alle Airlines haben sich dieser Schlichtungsstelle angeschlossen. Welche für Ihren Flug zuständig ist, können Sie hier einsehen.

Mängel bei Pauschalreisen: Diese Rechte haben Sie

Treten bei einer Pauschalreise Mängel auf, sollten Sie diese umgehend melden. Solange ein gemeldeter Mangel besteht, können Sie den Reisepreis mindern oder einen Teilbetrag zurückfordern. Ist der Mangel erheblich und wird nicht behoben, können Sie den Reisevertrag kündigen. Mängelansprüche sollten allerdings bis spätestens einen Monat nach dem Ende der Reise beim Reiseveranstalter geltend gemacht werden. Weitere Informationen finden Sie hier - auf der Seite des Verbraucherschutzministeriums.

Der Text gibt den Stand zum Sendungsdatum wieder

Filmautor Axel Sonneborn | Online: Thomas Oberfranz
© SWR Marktcheck

STAND