Feuer richtig löschen Vorsicht, Teelichter entzünden sich wie Öl

Gegen ein stimmungsvolles Teelicht in der gemütlichen Winterzeit ist nichts einzuwenden. Ein großes Arrangement aus vielen Teelichtern kann allerdings brandgefährlich werden.

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Sendedatum
Sendezeit
20:15 Uhr
Sender
SWR Fernsehen

Im Brandlabor der Universität Wuppertal wird gezeigt was das Tückische an Teelichtern ist. Ein großer Teelicht-Stern beispielsweise ist nicht ohne: Die Masse macht die Brandgefahr.

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Flächenbrand mit Teelichtern

Die Aluschälchen von Teelichtern mit dem Paraffin werden sehr schnell sehr warm. Von anfangs 60 Grad steigt die Temperatur – vor allem im Zentrum des Sterns – rasend schnell an. In wenigen Sekunden sind 250 Grad Celsius erreicht – der Siedepunkt des Wachses.  Nach und nach vereinen sich die Flammen von der Mitte aus zu einem immer größer werdenden Feuer.

Die Wissenschaftler stellen fest: „Das Wachs in der Mitte kocht jetzt langsam.“ Nach kurzer Zeit: Flächenbrand! Wer hätte das den unscheinbaren Teelichtern zugetraut?

Auspusten oder noch mehr Luft – keine Chance

Die Hersteller wissen um die Gefahr und warnen auch davor: Drei Zentimeter Mindestabstand werden zwischen zwei Teelichtern empfohlen. Denn was hinter der Laborscheibe spektakulär aussieht, kann daheim ein komplettes Haus ruinieren. Pusten hilft da keinesfalls mehr. Mit mehr Luft fliegt das brennende Wachs umher. Der Luftstrom macht alles noch schlimmer. Zuhause würde das brennende Öl jetzt möglicherweise das Sofa treffen oder einen Zeitschriftenstapel.

Gefährlich: Auf keinen Fall mit Wasser löschen

Professor Roland Goertz erklärt, was beim Löschen mit Wasser passiert. „Das Gleiche wie mit einer brennenden Pfanne oder mit Öl gefüllten Fritteuse: Das Wasser sinkt nach unten, expandiert auf das 1.600-fache Volumen und dann spritzt überall brennendes Wachs umher.“

Was auch nicht taugt: die nächstbeste Wohnzimmerdecke

Die meisten Decken sind mittlerweile aus Kunststoff und heizen das Feuer zusätzlich an.

Das Teelicht-Feuer löschen funktioniert nur mit einem speziellen Feuerlöschspray für Fettbrände. Das gibt es im Baumarkt für knapp 25 Euro.

Die gängige Sofadecke besteht aus Kunstfaser und kann keinen Brand löschen. (Foto: SWR)
Die gängige Sofadecke besteht aus Kunstfaser und kann keinen Brand löschen.

Noch mehr brennend wichtige Fragen: Wer haftet bei Brandschäden?

Nach einem Wohnungsbrand muss oft renoviert und die gesamte Wohnungseinrichtung neu gekauft werden. Für Hauseigentümer ist eine Gebäudeversicherung empfehlenswert. Sie haftet für die Schäden an der Bausubstanz. Schäden an der Einrichtung übernimmt die Hausratversicherung. Es gibt Policen, bei denen der Versicherer auf die "Einrede der groben Fahrlässigkeit" verzichtet. Das bedeutet: Selbst, wenn ich die Kerzen allein gelassen habe, zahlt die Hausratversicherung. Ansonsten kann die Versicherung ihre Leistungen je nach Umfang der Fahrlässigkeit reduzieren.

Übrigens: Auch wenn der Mieter einen Brand leicht fahrlässig verursacht, muss der Vermieter für die Renovierung der Wohnung sorgen. Andernfalls kann der Mieter die Miete mindern (BGH, Urteil v. 19.11.2014, VIII ZR 191/13).

Sind echte Kerzen am Weihnachtsbaum grob fahrlässig?

Die grobe Fahrlässigkeit richtet sich immer nach den Umständen im Einzelfall. Echte Kerzen am Weihnachtsbaum sind für sich keine grobe Fahrlässigkeit. Man darf auch den Baum einige Minuten unbeaufsichtigt lassen. Aber sicherer ist es, brennende Kerzen immer zu beaufsichtigen und sie auf jeden Fall zu löschen, wenn man das Zimmer für längere Zeit verlässt.

Was ist, wenn Kinder ein Feuer verursachen?

Kinder unter zehn Jahren müssen die Eltern sehr sorgfältig beaufsichtigen und alles ihnen Mögliche unternehmen, damit die Kleinen nicht selbstständig Kerzen anzünden. Wer seine Kinder mit brennenden Kerzen allein lässt, handelt meist grob fahrlässig. Auch Tiere darf man mit brennenden Kerzen nicht allein lassen.

Was ist, wenn ich bei Kerzenlicht einschlafe?

Auch Einschlafen bei Kerzenlicht ist in der Regel grobe Fahrlässigkeit. Wer sich bei brennendem Kerzenlicht auf das Sofa legt, muss damit rechnen, dass er einschläft und handelt grob fahrlässig. Besonders streng sind die Gerichte, wenn Alkohol getrunken wird. Wer ein Gläschen mehr trinken will, sollte vorher die Kerzen löschen.

Wer zahlt für den Feuerwehreinsatz?

Bei den meisten Einsätzen stellen die Gemeinden keine Rechnungen. Kosten für Einsätze, bei denen es um die Rettung von Menschenleben geht, werden von der Allgemeinheit getragen. Nur bei grober Fahrlässigkeit versuchen manche Gemeinden den Verursacher für die Feuerwehrkosten haftbar zu machen. Eine Hausratversicherung deckt solche Kosten unter Umständen ab.

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