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Fake-Bewertungen im Netz Haften Onlinehändler für den Inhalt von Kundenbewertungen?

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Der Bundesgerichtshof Karlsruhe und das Landgericht München entscheiden über die Verantwortung für Produktbewertungen im Internet. Wir haben Tipps, wie man Fälschungen selbst erkennt.

Gleich zwei Mal sind jetzt Kundenbewertungen im Internet ein Thema vor Gericht. Der Bundesgerichtshof in Karlsruhe verhandelt die Frage, wer verantwortlich ist für solche Bewertungen. Sind das die Händler? Und das Landgericht München entscheidet im Fall einer Firma, die gute Internet-Bewertungen verkauft hat.

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So kann man Fake-Bewertungen erkennen

Gefälschte Kundenbewertungen sind inzwischen nicht mehr so einfach zu erkennen wie noch vor ein paar Jahren – weil es richtige Profis gibt, die ihre Sache gut machen. Worauf sollte ich deshalb achten?

  • Viele positive Bewertungen in einem kurzen Zeitraum

Es ist sehr unwahrscheinlich, dass an einem Tag plötzlich 50 Menschen ihren Traumurlaub bewerten oder die neue Kaffeemaschine, wenn es davor und danach nur einzelne Bewertungen gibt.

  • Ganz wichtig: die Sprache

Geschliffene, blumige Formulierungen, die eher an einen Werbetext erinnern, deuten auf Fake hin. So spricht einfach kein normaler Kunde. Anders herum: Viele Bewertungen für ein Produkt mit Schreib- oder Grammatikfehlern. Manchmal werden extra Fehler eingebaut, weil eine Bewertung so vermeintlich echter aussieht. Oder, die andere Möglichkeit: Viele Fake-Bewertungen kommen aus China und sind durch einen Online-Übersetzer gelaufen. Deshalb sind da viele Fehler drin.

  • Verweise auf Freunde oder Bekannte

Auch von Verbraucherschützern häufig beobachtet: Sätze wie etwa „Die ganze Familie ist begeistert, auch meine Nachbarn wollen sich Produkt XY anschaffen.“ Auch da sind Zweifel angebracht. Es gibt inzwischen Suchmaschinen im Internet, die sich auf das Erkennen von gefälschten Bewertungen spezialisiert haben. Man kann den Link der Bewertung dort einfügen, und dann untersucht ein Algorithmus diese Bewertung auf Fake-Hinweise.

  • Verbraucherschützer raten grundsätzlich von Kundenbewertungen ab

Experten warnen davor, die eigene Kaufentscheidung von subjektiven Bewertungen anderer Nutzer abhängig zu machen – selbst dann, wenn die Bewertungen echt sind. Denn diese Kundenbewertungen beruhen überwiegend auf Gefühlen, und gerade bei komplexen technischen Geräten haben die wenigsten Nutzer die Kompetenz, zum Beispiel eine Digitalkamera mit all ihren Funktionen umfassend zu beurteilen. Besser ist es, unabhängige Testberichte zu lesen – die kosten allerdings manchmal Geld.

Der Fall vor dem Bundesgerichtshof

Der Verband Sozialer Wettbewerb hat einen Anbieter von Kinesiologie-Tapes verklagt. Dieser hatte sich gegenüber dem Verein verpflichtet, nicht mehr damit zu werben, dass die Produkte zur Schmerzbehandlung geeignet seien. Auf Amazon steht in mehreren Rezensionen, der Schmerz habe nachgelassen. Der Anbieter soll deshalb eine Vertragsstrafe zahlen. (Az. I ZR 193/18)

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