Verschiedene Siegel für fairen Handel, Gepa und Fairtrade (Foto: dpa Bildfunk, +++(c) dpa - Bildfunk+++)

Fairtrade bei Lebensmitteln Wo Logos für fairen Handel helfen – und wo nicht

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Immer mehr Deutsche kaufen fair gehandelte Waren und hoffen, damit die Welt ein bisschen besser zu machen. Trotz 27 fairer Siegel – bei einem Produkt klappt das noch nicht.

Die Nachfrage nach Produkten aus fairem Handel steigt in Deutschland weiter. Laut dem Forum Fairer Handel verzeichnete die Branche 2018 im Vergleich zum Vorjahr einen Zuwachs um 15 Prozent. Innerhalb der letzten fünf Jahre hat sich der Umsatz mehr als verdoppelt.

1,7 Milliarden Euro – so viel gaben die Verbraucher in Deutschland 2018 für faire Lebensmittel, aber auch für faire Textilien und Handwerksprodukte wie Körbe, Keramik und Schmuck aus. Das macht durchschnittlich 20,50 Euro pro Kopf. Jede zwanzigste Tasse Kaffee, die in Deutschland getrunken wird, stammt aus fairem Handel – genauso wie jede siebte Banane.

„Diese positive Entwicklung darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass weiterhin geschätzte 99 Prozent des Handels nicht fair sind.“

Manuel Blendin, Geschäftsführer des Forums Fairer Handel

Fairer Handel auch für den Norden wichtig

Das gehe noch viel zu häufig zu Lasten von Mensch und Umwelt – nicht nur im Globalen Süden, sondern auch bei uns, so Blendin. Angesichts des Preisdrucks durch die großen Einzelhandelskonzerne kämpften auch hierzulande kleine und mittlere Betriebe etwa in der Landwirtschaft um ihre Existenz. Eine Alternative sei zum Beispiel fair gehandelte Milch.

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Orientierung für Verbraucher im Siegel-Dschungel

Viele, die bewusst einkaufen, stellen sich die Frage: Ist der Kaffee, Tee oder Schokoriegel denn tatsächlich fair gehandelt? Haben die Menschen in den Produktionsländern auch wirklich etwas davon?

Auf den ersten Blick ist es ein totaler Wirrwarr: Allein 27 verschiedene Label zeichnen in Deutschland fair gehandelte Produkte aus. Oder besser gesagt: Vermeintlich fair gehandelte Produkte – denn im Gegensatz zu „bio“ ist „fair“ kein geschützter Begriff. Das heißt: Jeder darf darunter etwas Anderes verstehen und schreibt eigene Regeln vor.

Die Verlässlichen

Laut Stiftung Warentest sind etliche Siegel – etwa das weit verbreitete fairtrade, aber auch kleinere wie GEPA oder Hand in Hand von Rapunzel – zuverlässig. Sie haben festgelegte Standards, die auch regelmäßig überprüft werden. Dazu gehören klar geregelte Arbeitsbedingungen, angemessene Bezahlung, und Kinder dürfen nur dann mitarbeiten, wenn auch der Schulbesuch gesichert ist.

Die Eigenlogos

Viele Handelsketten, vor allem Discounter, haben eigene Logos entwickelt, in denen in irgendeiner Weise das Wort fair oder eine Umschreibung davon vorkommt. Die müssen nicht schlecht sein, allerdings definiert jede Kette selbst, was sie unter fair versteht. Und da sind die Anforderungen nicht immer besonders streng.

Prangt neben dem eigenen auch noch ein fairtrade-Logo, dann kann man allerdings davon ausgehen, dass die Regeln dieser Organisationen auch eingehalten werden.

Der Problemfall

Gibt es fair gehandelten Kaffee, Kakao, Bananen oder auch Blumen mittlerweile ziemlich flächendeckend, ist fair gehandelter Tee allerdings noch eine Ausnahme. Gerade einmal fünf Prozent der weltweit geernteten Tees werden unter fairen Bedingungen produziert. Gerade erst kam eine Studie der Rosa-Luxemburg-Stiftung heraus, die belegt, dass gerade im ostindischen Darjeeling die Arbeitsbedingungen für die Teepflückerinnen so schlecht sind, dass sie auf staatliche Lebensmittelhilfe angewiesen sind. Gerade einmal rund zwei Prozent des Preises, der hier bei uns für den Tee bezahlt wird, kommt bei Ihnen an.

Auch fairtrade steht hier in der Kritik, weil gerade für Darjeeling Ausnahmeregeln gelten. Die Organisation erklärt dazu, die Standards würden derzeit überarbeitet.

Teepflücker auf einer Teeplantage im Darjeeling District Indien (Foto: dpa Bildfunk, Stringer/dpa +(c) dpa - Bildfunk)
Teepflücker auf einer Teeplantage im Darjeeling District, Indien: Fairer Handel ist noch ein Problem. Stringer/dpa +(c) dpa - Bildfunk

Fairtrade bei Mischprodukten

Mischprodukte – also etwa Fertiggerichte oder auch Schokolade – dürfen das fairtrade-Siegel auch dann tragen, wenn nur 20 Prozent der Inhaltsstoffe aus fairem Handel kommen. Denn nicht alle Rohstoffe werden in ausreichender Menge fair gehandelt. Andere, kleinere Label sind da strenger. Transfair, der Verein, der das fairtrade-Siegel vergibt, betont aber, dass der fair gehandelte Anteil bei den allermeisten Mischprodukten de facto mittlerweile bei deutlich über 50 Prozent liege.

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