Edel-Bio im Discounter Hohe Standards für wenig Geld?

Bio-Label mit höheren Standards finden immer häufiger ihren Weg in die Regale von Supermärkten und Discountern. Doch wie günstig sind diese Lebensmittel wirklich?

Dauer

Bio ist in. Mittlerweile bieten auch Discounter Edel-Bio-Produkte an, die strengere Biozertifikate haben als die EU für normale Bio-Produkte vorschreibt. Seit vergangenen November verkauft Lidl Produkte des Premium-Erzeugers Bioland. Die Supermarktkette Rewe hat schon länger Produkte des Premium-Siegels Naturland im Sortiment. Auch der Konkurrent Kaufland ist auf den Bio-Zug aufgesprungen, vertreibt seit Februar Waren des Ökolabels Demeter. Die Werbung verspricht beste Bio-Qualität aus heimischer Erzeugung zum günstigen Preis.

Bio im Discounter ist günstiger als im Bio-Laden

Wir wollen nachprüfen, ob das stimmt und kaufen ein: Milch, Butter, Mehl, Joghurt, Äpfel - insgesamt acht Produkte, jeweils aus dem neuen Edel-Bio Sortiment.

Mehrere Bioprodukte liegen wild durcheinander. Möhren, Butter, Hackfleisch, Tomaten, Kartoffeln, etc. (Foto: SWR, SWR -)
Die Preise von Edel-Bioprodukten unterscheiden sich je nach Geschäft deutlich. SWR -

Bei Lidl kosten unsere Bioland-Produkte insgesamt 9,82 Euro. Bei Rewe kosten vergleichbare Produkte, hauptsächlich von Naturland, 12,32 Euro. Der Einkauf bei Kaufland ist am teuersten: Wir zahlen 15,02 Euro. Das liegt vor allem daran, dass es hier nur Markenprodukte wie Demeter gibt, die eine höhere Biozertifizierung haben. Rewe und Lidl haben auch zertifizierte Eigenmarken. Zum Vergleich kaufen wir auch im Bio-Supermarkt Alnatura ein. Preis hier: 12,74 Euro.

Edel-Bio ist im Discounter also deutlich günstiger als im Bio-Supermarkt. "Die großen Händler, Rewe, Edeka, Lidl und Kaufland haben aufgrund ihrer Größe ganz andere Kostenstrukturen und können deshalb Produkte günstiger anbieten, selbst wenn sie den selben Einkaufspreis hätten wie der Naturkostladen. Vor allem die konventionellen Händler verkaufen sehr stark über den Preis und der kleine Naturkosthändler kann sich diese aggressiven Preise einfach nicht leisten", sagt Professor Stephan Rüschen, Handelsexperte von der Dualen Hochschule Heilbronn.

Bio beschert dem Lebensmittel-Großhandel schon länger gute Umsätze. Ein Drittel der knapp sechs Milliarden Euro, die Verbraucher im vergangenen Jahr für Bio-Lebensmittel ausgaben, landeten in den Kassen von Aldi, Lidl und Co. Jetzt nehmen die Großen das Geschäft mit der Edel-Bioware ins Visier, das früher dem Bio-Fachhandel vorbehalten war.

Edel-Bio strenger als EU-Bio

Auf einer Tabelle sind die Unterschiede zwischen dem Bioland-Label und EU-Bio dargestellt. Bioland fordert zum Beispiel 100% Zutaten nach biologischer Erzeugung, die EU nur 95%. (Foto: SWR, SWR -)
Das Bioland-Label ist strenger als EU-Bio. SWR -

Edel-Bio-Produkte erfüllen ökologisch deutlich strengere Richtlinien als die Mindeststandards, die die EU-Verordnung verlangt. Das Label Bioland schreibt bei verarbeiteten Produkten vor, dass 100 Prozent der Zutaten von verarbeiteten Produkten biologischer Herkunft sein müssen, beim EU Siegel sind es nur 95 Prozent. Bei Edel-Bio sind Tiertransporte nur bis maximal vier Stunden gestattet, während das EU Siegel das Doppelte erlaubt. Bei Bioland dürfen maximal 280 Masthühner pro Hektar gehalten werden, beim EU Siegel sind es 580 Tiere je Hektar. Bei der EU-Verordnung ist es erlaubt, Tier- und Knochenmehl als Düngemittel zu verwenden, bei Bioland ist es tabu.

Handelsexperten warnen, dass die hochwertigen Produkte durch die Partnerschaften mit Lidl und Co. drohen, zur Ramschware zu werden. Zudem könnten Erzeuger durch den neuen Wettbewerb stark unter Druck geraten. "Wenn die Konventionellen vor allen Dingen über den Preis verkaufen, dann wird bei den Bio-Produkten, und auch bei den Marken wie Demeter und Bioland, ein Preiswettbewerb entstehen", sagt Professor Stephan Rüschen, Handelsexperte der Dualen Hochschule Heilbronn. Zunächst würde dieser Wettbewerb auf der Verkaufspreisseite gegenüber dem Kunden stattfinden. "Wenn dort das Preisniveau runter geht, ist der Reflex im Handel, dass ich auf die Einkaufsseite gehe und versuche, meine Einkaufspreise auch senken zu können". Dadurch entstehe dann Druck auf die Erzeuger.

Bio Risiko für Landwirte und Discounter

Katharina Mayer ist seit Jahrzehnten Bio-Landwirtin. (Foto: SWR, SWR -)
Katharina Mayer ist seit Jahrzehnten Bio-Landwirtin. SWR -

Die Landwirte müssten sich den Bedingungen des Marktes stellen, um nicht den Anschluss zu verlieren, findet Bio-Landwirtin Katharina Mayer. "Es ist natürlich so, dass ein ganz großer Teil der Menschen im Discounter einkaufen. Wir können uns nicht in dieser Blase befinden, wo wir sagen, das ist unsere kleine private Biowelt, die gehört nur uns, sondern es ist ein gutes Ziel und ein guter Ansatz, dass man raus geht und sagt: wir bringen die Waren in den Discounter und schaffen Zugänge zu anderen Zielgruppen. Das finde ich sehr, sehr gut."

Bio-Landbau habe größere Risiken als konventionelle Landwirtschaft. Das Risiko ist auf Erzeuger- als auch auf Handelsseite höher.

Sinken die Erzeugerpreise, sinkt die Qualität

Obst und Gemüse im Supermarkt (Foto: Getty Images, Getty Images -)
Getty Images -

"Wenn die Erzeugerpreise nach unten gehen würden, könnten wir die hohe Bioland-Qualität nicht gewährleisten, dann würde das nicht funktionieren. Ich erwarte aber, dass das nicht passiert. So haben wir das auch vereinbart", sagt Jan Plagge von Bioland, der den Deal mit den Discountern mit eingefädelt hat. Vereinbart ist, dass Lidl neben langfristigen Verträgen den Bauern auch stabile Preise zugesichert hat. Darauf basiere das neue Fair Play. Sollte es anders kommen, könnten die Erzeugerpreise und damit auch die Qualität unter Druck geraten.

Fazit

Die Verbraucher werden von besserer Qualität zum günstigeren Preis erst einmal profizieren. Allerdings könnte die Qualität des Edel-Bios langfristig leiden.

Der Text gibt den Stand zum Sendungsdatum wieder.

Filmautor: Thorsten Link | Online: Thomas Oberfranz
© SWR Marktcheck

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