Currywurst mit Pommes - gibt es seit 70 Jahren (Foto: Colourbox, Kzenon)

Deutsches Streetfood feiert Jubiläum 70 Jahre Currywurst – das macht ihren Reiz aus

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Nur die Berliner Nachkriegs-Currywurst hat ein Patent. Hier sind die besten Tipps von SWR-Koch Martin Gehrlein für eine hausgemachte Currysoße mit frischen Tomaten und exotischem Kick.

Die Currywurst ist ein Nachkriegskind – die deutsche Antwort auf das amerikanische Steak mit Ketchup. Um den Geburtsort der Currywurst wird seit Jahren gestritten. Aber nur die Berliner Currywurst ist die mit dem belegbaren Patent. Das hat Herta Heuwer angemeldet. Die Imbissbudenbesitzerin langweilte sich vor genau 70 Jahren, am 4. September 1949. Damals regnete es und die Kunden blieben aus. Da mischte Herta aus Langeweile die geschmacksintensive Currysoße das erste Mal zusammen. Heute gehört die Currywurst quasi zum Kulturgut, von dem jeder eine Vorstellung hat.

Berlin: Die Gedenktafel, die an Herta Heuwer, die Erfinderin der Currywurst erinnert. (Foto: dpa Bildfunk, Alina Novopashina/dpa +++ dpa-Bildfunk)
Berlin: Die Gedenktafel, die an Herta Heuwer, die Erfinderin der Currywurst erinnert. Alina Novopashina/dpa +++ dpa-Bildfunk

Wichtige Grundlage: Gebrühte, feine Bratwurst

Die einen legen mehr Wert auf die würzig, scharfe Soße, die anderen auf die leckere Bratwurst. Ob nach Thüringer, Nürnberger oder Pfälzer Art – wie die Wurst gewürzt ist, bleibt Geschmackssache. Wichtiger ist jedoch, dass es eine vorgebrühte, feine Bratwurst ist. Grobe, rohe Bratwürste sind nicht die richtige Grundlage für Currywurst.

Currywurst auf der Speisekarte im Restaurant

Das meint auch SWR-Koch Martin Gehrlein. Der Südpfälzer hat in seinem Restaurant in Neupotz Currywurst auf der Karte. Er macht sowohl Wurst als auch Soße selbst. „Das ist genau das Tolle an diesem Essen, dass ich es in einem breiten Spektrum servieren kann, mit ganz wenig Arbeit – ich aber auch unglaublich viel Arbeit reinstecken und etwas unglaublich Wertvolles daraus machen kann.“

Martin Gehrlein begeistert, dass Currysoße viele verschiedene Geschmäcker bedient. Kinder lieben sie meist mild-fruchtig. Erwachsene mögen die Soße schärfer, gern mal mit einer extravaganten Ingwernote.

Koch Martin Gehrlein, SWR Kaffee oder Tee (Foto: SWR, SWR)
Koch Martin Gehrlein, SWR Kaffee oder Tee SWR

Tipps von Martin Gehrlein: Reife Tomaten, Currypaste, Maracuja und Ananas

Wer eine richtig gute Soße will, dem rät der Koch vom einfachen Standard-Currypulver ab. „Man kann aber in die Soße auch Pasten mit einfließen lassen, die die Curryschärfe geben. Und das Pulver nur noch zum Abrunden verwenden.“ Also Currypaste in die Soße und ein ausgewogenes Currypulver vor dem Servieren darüberstreuen, ganz klassisch.

Dem echten Currywurst-Liebhaber rät Martin Gehrlein, jetzt Soße auf Vorrat zu kochen. Dazu nimmt er reichlich extrem reife Tomaten, zieht deren Haut ab und schwitzt sie mit Zwiebeln an. „Man löscht mit Maracujasaft ab, kocht eine Ananas mit, mixt die ganze Sache, schmeckt mit Salz, Pfeffer und einer leicht scharfen Currypaste ab, gibt das in ein Glas und kocht es ein wie Marmelade.“

Currywurst mit selbstgemachter Soße (Foto: Colourbox, Darius Dzinnik)
Hausgemachte Soße für die Currywurst mit exotisch-fruchtigem Kick – auch Einkochen ist möglich. Darius Dzinnik

SWR-Moderator Martin Seidler rät: Röstaromen von der Wurst

Damit ist man bis zur nächsten Tomatensaison gut versorgt. Die Wurst sollte übrigens richtig kross gebraten werden. Die Röstaromen unterstützen nämlich den scharf-fruchtigen Soßengeschmack, erklärt SWR-Moderator Martin Seidler. Er hat als gebürtiger Bochumer eine besonders innige Beziehung zur Currywurst. „Das ist tatsächlich eine Geschmacksexplosion, die hat eine ganz angenehme süße Schärfe, die sich durch den perfekten Currypulver-Einsatz bemerkbar macht. Und das Ganze mit einer perfekten Bratwurst kombiniert – das ist ein Genuss auf der Zunge, den muss man erlebt haben.“

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