Schweine im Außenbereich ihres Stalls. (Foto: SWR)

Deutscher Bauerntag Landwirt aus Leidenschaft trotz Bürokratie und Vorwürfen

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Auf dem Deutschen Bauerntag in Leipzig geht es um Wetterextreme, aber auch um Bürokratie und Kritik – und was das mit den Landwirten macht.

Fast 30 Grad schon am frühen Vormittag. Die Sonne brennt auf den Eichenhof bei Wörrstadt. Im Schweinestall geht es deshalb ziemlich geruhsam zu, die meisten der 450 Tiere liegen im Schatten des Außenbereichs, dösen vor sich hin und lassen nur gelegentlich ein Grunzen oder Quieken hören. Bis plötzlich Bewegung in die Tiere kommt: Von der Decke rieselt nämlich ein leichter Wassernebel.

Erfrischung für die Schweine gegen die Hitze

Landwirt Christian Kussel findet die Schweinedusche eine einfache, aber wirkungsvolle Lösung, um der Hitze im Stall etwas entgegen zu setzen. Draußen auf den Feldern ist das nicht so einfach, hier ist er dem Wetter ausgeliefert.

Landwirt Christian Kessel kniet vor dem Außenbereich seines Schweinestalls. (Foto: SWR)
Landwirt Christian Kussel vom Eichenhof in Wörrstadt in Rheinhessen bei einigen seiner Schweine.

„Unsere Böden sind bis in tiefe Schichten ausgetrocknet. Letztes Jahr war das anders, da hatten wir noch Bodenreserven. 2019 haben wir diesen Puffer nicht mehr.“

Landwirt Christian Kussel

Probleme für Landwirte durch Wetter, Brüssel und Berlin

Extreme Wetterlagen – sie werden für Landwirte zum Dauerproblem. Christian Kussel hat darauf reagiert, indem er auf seinem Eichenhof mit Schweinen, Getreide und Zuckerrüben gleich auf mehrere Standbeine setzt. Das senkt das Risiko von Wetterschäden und gibt ihm das Gefühl, dass er dem Klimawandel etwas entgegensetzen kann.

Umso mehr nervt ihn das, worauf er keinen Einfluss hat: Zum Beispiel die Verbote, Regulierungen und Verordnungen aus Brüssel oder Berlin, die Landwirte – aus seiner Sicht – in viel zu kurzen Abständen treffen.

„Man hat einen fünf Jahren alten Stall, es kommt eine neue Verordnung und man muss dann zu hohen Kosten umbauen. Dass einem das jede Wirtschaftlichkeitsberechnung über den Haufen wirft, ist ja klar.“

Landwirt Christian Kussel

Kritische Haltung der Gesellschaft gegenüber Bauern

Umso schlimmer, wenn dann auch noch die gesellschaftliche Wertschätzung für die Bauern fehlt. Christian Kussel sieht die Landwirtschaft mittlerweile in der Dauerdefensive und unter ständigem Rechtfertigungsdruck gegenüber den Verbrauchern. Als Beispiel nennt er das Bienen-Volksbegehren in Bayern und fragt sich, warum nicht mit der gleichen Vehemenz über Schottergärten in Neubaugebieten geschimpft wird wie über die Bauern.

Christian Kussel hat seinen Weg gefunden, auf die Kritik an seinem Berufsstand zu reagieren: mit maximaler Offenheit. Nicht nur im Schweinestall, wo die Tiere jederzeit zwischen Innen- und Außenbereich wechseln können. Sondern als Direktvermarkter auch im Umgang mit seiner Kundschaft. Er macht die Arbeit gerne – trotz aller Probleme, mit denen ein Landwirt im Jahr 2019 kämpft.

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