Modellzeichnung einer Brust (Foto: SWR, SWR -)

DNA-Analyse bei Erbkrankheiten Mit Gentests Krebs vorhersagen

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Durch DNA-Analysen können wir erfahren, wie wahrscheinlich bestimmte Erbkrankheiten oder Gendefekte bei uns auftreten können – etwa Brustkrebs. Dann müssen wir Entscheidungen treffen.

Im Jahr 2012 erkrankt die Mutter von Anne Müller an Brustkrebs. Eine Krebsart, die in der Familie auch in früheren Generationen schon oft aufgetreten war. Eine DNA-Analyse führt zu dem Ergebnis, dass ihre Mutter einen Gendefekt hat, der Brustkrebs begünstigt. Für Anne Müller ist das ein schrecklicher Einschnitt in ihr Leben. Nach der Diagnose raten die Ärzte auch ihr, einen Gentest durchzuführen. Die heute 43-Jährige verdrängt diesen Vorschlag aber zunächst. Es sei eine schwere Entscheidung gewesen, mit der sie anfangs nichts zu tun haben wollte, weil sie die Konsequenzen nicht überschauen konnte, sagt sie.

Patientenorganisation berät vor DNA-Analyse

Doch dann stößt Anne Müller auf das BRCA-Netzwerk, eine deutschlandweite Patientenorganisation, die speziell bei erblichem Brustkrebs und Eierstockkrebs berät. Dort erfährt Anne Müller, welche Folgen eine DNA-Analyse für sie hätte. Am Ende entscheidet sie sich für den Test und erfährt, dass auch bei ihr, genau wie bei ihrer Mutter, dasselbe Gen defekt sei.

„Mein Risiko war damals, dass ich bis zu 60 Prozent Brustkrebs bekomme und zu 20 Prozent Eierstockkrebs. Das sind Zahlen, damit kann man nicht wirklich etwas anfangen.“

Anne Müller, Risiko-Patientin

Die Analyse sorgt bei Anne Müller für Unsicherheit. Man wisse nur, dass die Wahrscheinlichkeit hoch sei. Man wisse weder, in welchem Alter man das bekomme, noch, ob man das überhaupt bekomme. „Es geht um die Kinder, es geht um den Partner, um die gesamte Familie, um den Alltag. Wie kommst du später zurecht? Was ist mit den Operationen, soll man die machen? Wie geht es mir danach? Wie lebe ich mit den Narben und mit den Implantaten und Hormonen und was alles dazu gekommen ist.“

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Vorsorgliche Operation gegen den Krebs verändert ein Leben

Zunächst geht Anne Müller, die in der Nähe von Heidelberg wohnt, jedes halbe Jahr zur Krebsvorsorgeuntersuchung und bekommt psychologische Betreuung. Doch dann stirbt 2014 ihre Mutter - sie verliert nach zwei Jahren den Kampf gegen den Krebs. Daraufhin steht die Entscheidung für Anne Müller endgültig fest: 2015 lässt sie sich prophylaktisch die Brustdrüsen entfernen. Obwohl ihre Körperwahrnehmung seitdem eine andere ist, fühlt sich Anne Müller besser und gewöhnt sich schnell an die neue Situation.

In einem zweiten Eingriff lässt sich die Mutter von zwei Kindern auch die Eierstöcke entfernen. Die beiden Eingriffe verändern ihr ganzes Leben – auch ihr Berufsleben. Vorher arbeitet die gelernte Pädagogin in einem Kindergarten. Jetzt betreut sie an der Uniklinik in Heidelberg Selbsthilfegruppen. Ehrenamtlich berät sie außerdem Patientinnen, die wie sie den BRCA-Gendefekt haben. Sie macht also das, was ihr bei der Entscheidung nach dem DNA-Test enorm geholfen hat: Sie hilft jetzt anderen Betroffenen.

Heute weiß Anne Müller: Der DNA-Test war für sie die richtige Entscheidung – trotz aller Folgen. Sie geht davon aus, dass die Medizin und die DNA-Analyse weitere Fortschritte machen. Dann sind Operationen wie bei ihr in Zukunft vielleicht gar nicht mehr nötig.

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