Chemie in Naturkosmetik Wie manche Hersteller mit dem Natur-Trend Kasse machen

Immer mehr Kosmetik-Hersteller produzieren scheinbar natürliche Kosmetik - doch unter dem grünen Label verbirgt sich häufig trotzdem Chemie.

Naturkosmetik ist kein geschützter Begriff

Naturkosmetik ist kein gesetzlich geschützter Begriff. Daher können in Naturkosmetikprodukten auch nicht-natürliche Inhaltsstoffe enthalten sein.

Auf vielen Verpackungen von Naturkosmetikcremes und -ölen steht, was alles nicht drin ist: "enthält kein Aluminium", "ohne Silikone", "frei von Parabenen". Dabei handelt es sich um Stoffe, die bei Verbrauchern in Verruf geraten sind. Darum ist es wichtig, zu wissen, welche Ersatzstoffe nun verarbeitet werden. Bei alternativ verwendeten Stoffen kann es sich aber wieder um chemisch-synthetische Stoffe handeln. Sie müssen nicht - wie der Verbraucher vermutet - durch natürliche Inhaltsstoffe ersetzt werden.

Ersatzstoffe sind kaum besser als Parabene

Das Duschgel von Korres wirbt zum Beispiel damit, auf Parabene zu verzichten. Stattdessen wird der Konservierungsstoff Imidazolidinyl Urea verwendet. "Das ist auf keinen Fall besser, denn das ist ein Formaldehyd-Abspalter, und Formaldehyd ist als krebserregend eingestuft und außerdem kann das auch zu allergischen Reaktionen führen", sagt Dr. Kerstin Etzenbach-Effers von der Verbraucherzentrale.

Der Hersteller Korres sagt dazu: "Es gibt keinerlei Hinweise darauf, dass Imidazolidinyl Urea in kosmetischen Produkten Formaldehyd in Konzentrationen freisetzt, die die empfohlenen Grenzwerte für Formaldehyd übersteigen."

Auch Polyquaternium ist fragwürdig

In mehreren getesteten Produkten sind zahlreiche Varianten des Stoffs Polyquaternium enthalten. Es handelt sich um einen Kunststoff, der biologisch schwer abbaubar und giftig für Wasserorganismen ist. Wir finden auch Cyclopentasiloxane und Cyclohexasiloxane. Sie stünden mittlerweile auf einer Liste mit besonders besorgniserregenden Stoffen, "weil sie in der Umwelt nicht abgebaut werden und sich in lebenden Organismen anreichern können," sagt Etzenbach-Effers.

Daneben sind in den getesteten Naturkosmetikprodukten zahlreiche andere Stoffe verarbeitet, die hormonell wirksam oder umweltschädigend sind. Dabei handelt es sich um Inhaltsstoffe, die so bedenklich sind, dass sie bei Putz- und Waschmitteln Warnzeichen tragen müssen. Bei Kosmetikartikeln dagegen nicht, auch wenn sie dort oft die gleiche Konzentration haben.

Label für Naturkosmetik

Verbraucher, die Naturkosmetik ohne bedenkliche Inhaltsstoffe wie Imidazolidinyl Urea, Cyclopentasiloxane und Cyclohexasiloxane kaufen möchten, können im Laden auf zwei Siegel achten: Natrue und BDIH Cosmos. Es gibt auch günstige Eigenmarken, die diese Siegel tragen. In unserem Test waren das das Blütezeit Repair Shampoo von Edeka und die Alverde Köperlotion Olive & Aloe Vera von dm.

Der Text gibt den Stand zum Sendungsdatum wieder

Filmautorin: Inga Vennemann | Online: Thomas Oberfranz
© SWR Marktcheck

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