Wenn nur noch Asche übrigbleibt Brandrisiko Mehrfachsteckdosen

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Zu viele Elektrogeräte an einer Mehrfachsteckdose – und schon brennt das ganze Haus. Besonders billige Steckdosenleisten können gefährlich sein. So umgehen Sie die Brandgefahr.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
20:15 Uhr
Sender
SWR Fernsehen

Viele Elektrogeräte, aber zu wenige Steckdosen: Schnelle Abhilfe versprechen da Mehrfachsteckdosen. Im Handumdrehen macht man damit aus einer Steckdose drei, vier oder sogar deutlich mehr. Doch das ist nur auf den ersten Blick eine günstige Lösung. Denn Mehrfachsteckdosen sind äußerst verbrauchsintensiv. Und wer mehrere angeschlossene Geräte gleichzeitig verwendet, riskiert eine Überhitzung und hat damit eine mögliche Brandursache.

Jürgen Ripperger vom VDE (Foto: SWR)
Jürgen Ripperger, VDE: „3.500 Watt sollte man niemals überschreiten.“

Dass Brände durch Mehrfachsteckdosen ausgelöst werden, passiert immer wieder. Meistens ist eine unsachgemäße Verwendung schuld. Wer zu viele verbrauchsintensive Geräte dranhängt, geht ein hohes Risiko ein.

Passieren kann das, wenn man die Steckdose überlastet, und das ist oftmals der Unwissenheit geschuldet. Denn auf der Steckdose gibt es eine Angabe. Und diese Angabe heißt in aller Regel 3.500 Watt. Das ist die Leistung. Und die sollte man natürlich niemals überschreiten.“

Jürgen Ripperger, Verband der Elektrotechnik VDE

Tipp 1: Mehrfachstecker nicht verstecken

Ein großes Problem: Weil Mehrfachstecker nicht besonders schick aussehen, werden sie oft versteckt - unter dem Vorhang, hinter dem Schrank oder dem Bett. Aber: Mehrfachsteckdose überhitzen schnell. Sie können in wenigen Minuten rund 200 Grad heiß werden. In einem Steckdosen-Versteck staut sich die Wärme erst recht. Und sollte die Steckdose in Brand geraten, findet das Feuer dann sehr schnell Nahrung. Deshalb besser nicht verstecken!

Tipp 2: Einzelverbrauch der Geräte beachten

Auf jeder Mehrfachsteckdose gibt es eine Angabe, wie viel Watt sie verträgt. Doch die meisten Laien haben keine Vorstellung davon, wie viel Strom die einzelnen Geräte ziehen. So verbraucht ein Kaffee-Vollautomat beispielsweise 1.450 Watt und ein Wasserkocher 2.200 Watt. Werden beide zusammen eingeschaltet, sind die meisten Mehrfachstecker schon überlastet. Waschmaschine und Trockner ziehen oft jeweils zwischen 2.500 und 3.000 Watt. Deshalb gehören sie an getrennte Wandsteckdosen.

Eine Steckerleiste mit vielen eingesteckten Steckern (Foto: Getty Images, Thinkstock)
Viele verbrauchsintensive Geräte angeschlossen? Das könnte gefährlich werden. Thinkstock

Tipp 3: Keine Mehrfachstecker hintereinander

Und was häufig vergessen wird: Wo mehrere Steckdosen hintereinander angeschlossen sind, addiert sich die Belastung schnell zu einem viel zu hohen Gesamtwert.

Tipp 4: Markenprodukte kaufen

Auch die Qualität des Materials spielt eine Rolle. No-Name-Produkte erfüllen oft nicht die notwendigen technischen Standards. Stattdessen sollte man zu Markenprodukten greifen. Und die sollten haben:

  • das CE-Zeichen
  • das Prüfsiegel eines anerkannten Instituts (zum Beispiel TÜV oder VDE), sowie idealer Weise auch ein GS-Zeichen. Hier ist jedoch Vorsicht geboten, da die Zeichen manchmal gefälscht oder zu Unrecht angebracht werden. Beim GS-Zeichen sollte beispielsweise eine Prüfstelle genannt sein.
  • Angaben zum Hersteller, entweder auf der Steckerleiste oder der Verpackung
  • die Angabe der Höchstbelastung
Eine qualmende Steckerleiste (Foto: SWR)
Überlastete Mehrfachsteckdosen können einen Brand auslösen.

Tipp 5: Alte Mehrfachsteckdosen rausschmeißen

Experten warnen insbesondere vor zu alten Geräten. Oft liegen sie Jahrzehnte unterm Schrank und sind dort eine permanente Gefahrenquelle. Am besten regelmäßig alle Mehrfachsteckdosen kontrollieren.

Ralf Diekmann, TÜV Rheinland (Foto: SWR)
Ralf Diekmann, TÜV Rheinland

„Alte Mehrfachsteckdosen werden mit der Zeit nicht besser. Das fängt an bei den Zuleitungen, die werden brüchig. Über die Zeit korrodieren auch Teile von diesen Mehrfachsteckdosen, dann kann es zu einer Überhitzung kommen und im schlimmsten Fall einen Brand auslösen.“

Ralf Diekmann, TÜV Rheinland

Tipp 6: Spezielle Produkte für feuchte Orte

Im Freien oder in feuchten Räumen wie Keller oder Bad dürfen nur Mehrfachsteckdosen eingesetzt werden, die extra dafür zugelassen sind. Sie haben eine Schutzklasse von IP 44 oder höher . Die IP-Schutzklasse gibt an, wie empfindlich Elektrogeräte gegen Feuchtigkeit oder andere äußere Einflüsse sind.

Tipp 7: Nicht aufs Leitungsnetz verlassen

Auf die Sicherungen im Schaltkasten sollte man sich nicht verlassen.

Das Leitungsnetz zuhause ist zwar eine gewisse Rückversicherung, erkennt aber nicht alle Probleme. Ein FI-Schalter ist dazu da, um Menschen vor Stromschlägen zu schützen. Und das Leitungsnetz, das in der Wand verlegt ist, ist bisweilen gar nicht überlastet, wohl aber eine schlecht konstruierte Mehrfachsteckdose. Die fängt irgendwann an zu qualmen, und dann fehlt nur noch ein Funke, und schon haben Sie einen Brand.“

Ralf Diekmann, TÜV Rheinland

Materielle und ideelle Verluste

Ist der Hausrat – wie bei den meisten – unterversichert, bleibt man letztlich auf einem großen Teil des Schadens sitzen. Und von den finanziellen Sorgen ganz abgesehen, entsteht meist ein noch schlimmerer, ideeller Schaden, wenn persönliche Erinnerungsstücke wie Fotos einem Brand zum Opfer fallen. Auf lange Sicht ist es also sinnvoll, zusätzliche Steckdosen installieren zu lassen und nur für wenige Geräte mit niedrigem Verbrauch Mehrfachstecker zu benutzen.

Unsere Kolleginnen und Kollegen von der Sendung "ARD Buffet" haben weitere Tipps zusammengetragen, wie man einen Elektrobrand verhindern kann.

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