Blow-Ups auf Autobahnen Gefährliche Fahrbahnrisse

Solange die Tageshöchstwerte über 30 Grad liegen, gilt auf Teilen der Autobahnen A5 und A6 tagsüber Tempo 80 zum Schutz vor sogenannten Blow Ups: Ältere Betonfahrbahnen können bei Hitze aufplatzen.

Betonfahrbahnen können bei Hitze plötzlich aufbrechen (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Betonfahrbahnen können bei Hitze plötzlich aufbrechen picture-alliance / dpa -

Das Tempolimit im Bereich Kronau und rund ums Walldorfer Kreuz gilt derzeit von 10 bis 20 Uhr. Und zwar so lange, bis die Höchsttemperatur tagsüber wieder unter 30 Grad fällt. Weil es so heiß ist, könnten Blow-Ups entstehen. Was genau das ist und wo sie auftreten, erklärt Kevin Frisch, SWR Wirtschaft und Soziales.

Blow Ups: Wann und warum sich Fahrbahnen wölben und platzen

Sobald das Thermometer mehr als 28 Grad zeigt, wird es dem Beton auf der Fahrbahn zu warm. Wir Menschen können uns vor dem Ventilator ausbreiten - der Beton kann das nicht, will sich aber trotzdem ausbreiten. Das Problem dabei ist, dass nur die obere Betonschicht heiß wird und sich ausdehnt. Sie wölbt sich deswegen nach oben - daher kommt der Name "Blow-Up".

Das geht aber nur bis zu einem gewissen Grad. Es können Risse entstehen oder zum Teil auch Löcher - und deren lokales Auftreten ist nicht vorhersagbar. Wie gefährdet eine Straßenstrecke ist, hängt zum einen vom Alter des Belags ab, und zum anderen davon, wie dick die Fahrbahn ist: Je dicker desto robuster.

Dehnungsstreifen aus Asphalt

Schon in den Jahren 2013 und 2016 wurden verstärkt Hitzeschäden festgestellt. In Baden-Württemberg sollen die gefährdeten Bereiche laut Verkehrsministerium bis 2025 ausgebessert werden. Übergangsweise können zum Beispiel Dehnungsstreifen in die Fahrbahn eingebaut werden, damit sie mehr Platz hat. Aber um das Problem ganz zu beheben, muss die Betondecke durch eine neue, robustere ersetzt werden.

Gefährdete Stellen für Blow-Ups sind unter anderem die A5 zwischen Kronau und Heidelberg und der Abschnitt der A6 vom Walldorfer Kreuz in Richtung Hockenheim. Außerdem die A81 zwischen Heilbronn und Tauberbischofsheim, zwei Abschnitte auf der A7 zwischen Ulm und dem Kreuz Feuchtwangen und die A8 am Stuttgarter Kreuz.

Ein Tempolimit gilt bisher nur für den Bereich Kronau und rund ums Walldorfer Kreuz. Motorradfahrern wird geraten, besonders an heißen Tagen die gefährdeten Stellen generell zu meiden.

Tempolimits unbedingt notwendig

Der baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Hermann (Bündnis 90/Die Grünen) hat die Tempolimits wegen der Gefahr von Blow Ups verteidigt.

"Das muss man ganz klar sagen: Das sind die Folgen des Klimawandels", so der Verkehrsminister im SWR. "Deswegen müssen wir sanieren und deswegen haben wir sofort reagiert als es zum ersten Mal aufgetreten ist, dass wir akut eben Tempolimit aus Vorsorgegründen gemacht haben und dann systematisch untersucht haben, welche Straßenabschnitte müssen wir zuerst machen, welche sind am meisten gefährdet. Das wollen wir in einem achtjährigen Programm abarbeiten. Das sind dann in der Summe an die 400 Millionen Euro Kosten."

In Baden-Württemberg seien bisher rund 100 Kilometer Autobahn saniert worden - bis 2025 sollen die restlichen 280 Kilometer folgen. Bis dahin besteht Hermann auf Geschwindigkeitsbeschränkungen: "Solange nicht alle Straßenabschnitte saniert sind, müssen wir aus Sicherheitsgründen - ich glaube, das versteht jeder Autofahrer und jeder Motorradfahrer - dieses Tempo 80 machen, damit man noch rechtzeitig eine Chance hat, langsamer zu fahren und abzubremsen, falls ein Blow Up geschieht."

Sanieren - bevor es gefährlich wird

Die damit verbundenen Verzögerungen müssten Verkehrsteilnehmer in Kauf nehmen: "Man muss sich darauf einstellen, wenn man sichere Straßen haben will, dass es dann auch eine regelmäßige Sanierung braucht. Da achten wir sehr darauf, dass das rechtzeitig geschieht, bevor es gefährlich wird. Die Autofahrer sollten sich nicht über jede Baustelle ärgern, sondern wissen, wenn sie gute Straßen haben wollen, dann braucht man auch Baustellen." (Baustellen-Informationssystem Baden-Württemberg - Straßenverkehrszentrale Baden-Württemberg)

Alte Autobahnen zu dünn für heutigen Verkehr

Der hohe Sanierungsbedarf resultiere nicht aus Fehlern beim Bau der Autobahnstrecken, so der grüne Verkehrsminister: "Tatsache ist, dass man vor 30, 40, 50 Jahren Autobahnen vielfach mit Beton gebaut hat, um eben zum Beispiel auch bei Hitze eine feste Fahrbahn zu haben. Beton ist stabiler als Asphalt. Aber man hat damals mit viel weniger Verkehr gerechnet und mit viel weniger Belastung."

Konkret verfügten ältere Autobahnen über eine 20 cm dicke Betonschicht. Diese sei bei heutigen Belastungen zu dünn. Bei aktuellen Baumaßnahmen komme eine Betondecke von rund 30 cm zum Einsatz.

In Rheinland-Pfalz weniger dramatisch

Nach Informationen des Mainzer Ministeriums für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau wurden alle in Rheinland-Pfalz betroffenen Betonfahrbahnbereiche in den vergangenen zwei Jahren bereits saniert - durch Fugensanierung und Plattenaustausch. Oder es wurden sogenannte Entspannungsbereiche in Form von Asphaltstreifen eingebaut.

Generelle vorsorgliche Tempolimits für Strecken mit Betonbelag seien in Rheinland-Pfalz deshalb nicht vorgesehen, so das Ministerium. Würden heiße Temperatur vorhergesagt, verstärkten die Autobahnmeistereien ihre Kontrollfahrten. Bei einem sich abzeichnenden Schadensfall werde auch in Rheinland-Pfalz mit Geschwindigkeitsbeschränkungen oder der Sperrung des betroffenen Fahrstreifens reagiert. Entstandene oder sich abzeichnende Schadensbereiche würden kurzfristig ausgebaut und provisorisch mit Asphalt oder direkt in Schnellbeton saniert. (Mobilitätsportal des Landes Rheinland-Pfalz: Verkehrslage)

Von Kevin Frisch, SWR Wirtschaft und Umwelt | Online: Heidi Keller

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