Blasenschwäche Wie neue Behandlungsmethoden das Leiden lindern

Marktcheck klopft ab

Mit zunehmendem Alter leiden viele Deutsche an Blasenschwäche und Inkontinenz. Gesundheitscoach Dr. Lothar Zimmermann zeigt Behandlungsmethoden und wie Sie vorbeugen können.

Dauer

Viele Menschen trifft es im Laufe ihres Lebens: Fast jeder zweite über 60 Jahren ist von Blasenschwäche betroffen, dabei kann man das Wasser einfach nicht mehr halten oder muss ständig zur Toilette gehen. Vor allem nachts ist das besonders lästig. Nicht nur Frauen sind von Blasenschwäche betroffen, auch Männer kann es treffen. In jedem Fall nimmt Blasenschwäche enorm viel Lebensqualität.

Was ist eigentlich Blasenschwäche?

Blasenschwäche (Foto: Getty Images, Thinkstock -)
Inkontinenz betrifft Frauen und Männer. Thinkstock -

Die Blasenschwäche hängt mit dem natürlichen Alterungsprozess des Menschen zusammen. Bei Frauen liegt es oft daran, dass der Beckenboden, der die Blase hält, schwangerschafts- oder altersbedingt "ausleiert". "In jungen Jahren ist der Beckenboden straff wie ein Trampolin, mit der Zeit wird er schlaffer wie eine Hängematte", verbildlicht es Marktcheck Gesundheitsexperte Dr. Lothar Zimmermann.

Bei Männern kommt es oftmals nach Prostatakrebs zu Blasenschwäche. Dies kann auch bei gutartigen Prostataveränderungen der Fall sein. Manche Patienten haben daraufhin eine Belastungsinkontinenz, können das Wasser dauerhaft nicht halten und brauchen daher Inkontinenzeinlagen.

Die Ursachen für Blasenschwäche können vielfältig sein. So kann es während der Menopause oder durch Nervenschäden, etwa nach einem Schlaganfall, zu Inkontinenz kommen. Auch bei Diabetes kann es zu diesen unangenehmen Symptomen kommen.

Was kann ich selbst tun?

Ein Arzt diagnostiziert Inkontinenz (Foto: Getty Images, Getty Images -)
Betroffene sollten sich von ihrem Arzt beraten lassen. Getty Images -

Wer nachts häufiger raus muss, kann versuchen, seine Trinkgewohnheiten zu ändern: schwarzer Tee, Kaffee oder Alkohol erhöhen den Harndrang. Diese Getränke sollten bei Problemen nicht unmittelbar vor dem Schlafengehen getrunken werden.

Bei leichter, beginnender Blasenschwäche kann Beckenbodengymnastik helfen. Dadurch wird die Beckenbodenmuskulatur gestärkt, das "Trampolin" also gestrafft. Diese Muskelaufbauübungen können besonders bei Frauen nach Schwangerschaften helfen, vorzubeugen.

Im Alltag kann es helfen, sich beim Husten oder Niesen zur Seite zu drehen, um den Druck vom Bauchraum zu nehmen. Wer schwere Gegenstände vom Boden aufhebt, sollte den Beckenboden aktiv anspannen und beim Aufstehen ausatmen. Wer Inkontinenzprobleme hat, sollte in jeden Fall zu seinem Hausarzt gehen.

Welche neuen Behandlungsmethoden gibt es?

Helfen herkömmliche Medikamente und Therapien nicht weiter, gibt es auch neuartige Behandlungsmethoden. So können Patienten einen sogenannten "Blasen-Schrittmacher" ins Fettgewebe unter die Haut gepflanzt bekommen. Dieser gibt elektrische Impulse ab, die die Aktivität der Blase kontrollieren sollen. Der Patient kann das Gerät mit einer Fernbedienung selbst bedienen.

Eine weitere Möglichkeit sind Botox-Injektionen. Das Nervengift entspannt die Blasenmuskulatur, wodurch die Harnblase mehr Urin speichern kann. Der Patient verspürt weniger Harndrang. Das Botox wird während einer Blasenspiegelung in die Blasenwand eingespritzt. Der Patient wird während des Eingriffs betäubt. Patienten sollten bedenken, dass der Eingriff regelmäßig wiederholt werden muss.

Bei Patienten, bei denen die Prostata entfernt wurde, kann ein Silikonkissen helfen. Dieses wird mit Wasser gefüllt und in der Nähe des Schließmuskels implantiert. Das Kissen übt Druck auf den Schließmuskel und die Harnröhre aus, was dabei hilft, das Wasser besser halten zu können.

Welche Behandlungsmethode die richtige ist, hängt von Fall zu Fall ab. Patienten sollten die Behandlungsmöglichkeiten mit ihrem Arzt besprechen. Sowohl der Schrittmacher, als auch das Botox sind ultima-ratio-Behandlungsmethoden.

Was taugen freiverkäufliche Medikamente?

Ein Mann hält mehrere Vitaminpräparate in den Händen. (Foto: Colourbox, Foto: Colourbox.de -)
Der Nutzen mancher freiverkäuflicher Medikamente ist umstritten. Foto: Colourbox.de -

In der Werbung werden häufig frei verkäufliche Medikamente beworben, die die Kontinenz verbessern sollen. Die Studienlage zu diesen Medikamenten ist allerdings sehr dünn. So konnte beispielsweise der tatsächliche Nutzen von Kürbiskernen in Studien nicht belegt werden. Bei Wirkstoffen aus der Sägeblattpalme ist nicht ganz klar, ob ein Nutzen besteht oder nicht. Daher ist es wichtig, dass sich Patienten nicht nur selbst therapieren, sondern frühzeitig einen Arzt aufsuchen. Andernfalls könne es zu Restharn in der Blase kommen, was zu Entzündungen führen kann, warnt Dr. Lothar Zimmermann. Es gibt viele Möglichkeiten, Inkontinenz in den Griff zu bekommen.

Selbsthilfegruppen

Menschen, die von Inkontinenz betroffen sind, sind nicht alleine. Es gibt zahlreiche Selbsthilfegruppen, die dabei helfen, Lebensqualität zurückzugewinnen und das Schamgefühl abzubauen. Zum Beispiel bieten die Inkontinent Selbsthilfe e.V., Selbsthilfeverband Inkontinenz e.V. oder die Deutsche Kontinenz Gesellschaft Betroffenen und Angehörigen Hilfe und Informationen an. Nach Angaben des Vereins Inkontinent Selbsthilfe e.V. wenden sich jährlich über eine Million Angehörige und Betroffene an ihn. Der Selbsthilfeverband Inkontinenz e.V. bietet Angebote vor Ort. Die Deutsche Kontinenz Gesellschaft bietet neben vielen Informationen einen Überblick über behandelnde Ärzte.

Der Text gibt den Stand zum Sendungsdatum wieder.

Filmautorin: Michaela Krause | Online: Thomas Oberfranz
© SWR Marktcheck

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