Billige Bananen Was steckt hinter dem Preiskampf der Supermärkte?

In Supermärkten und Discountern ist ein regelrechter Kampf um die billigsten Bananen entbrannt. Kunden freuen sich, doch den Preis zahlen andere.

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20:15 Uhr
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SWR Fernsehen

Preise

Der Discounter Lidl bietet ausschließlich Bananen mit Fairtrade-Siegel an. Auf dem Plakat steht "Handeln statt reden". Mit Bananen ist eine Hand geformt, die den Daumen nach oben streckt. (Foto: SWR, SWR -)
Der Discounter Lidl bietet ausschließlich Bananen mit Fairtrade-Siegel an. SWR -

Der Discounter Lidl bietet derzeit ausschließlich Fairtrade-Bananen an. Die anderen Supermärkte reagieren darauf offenbar mit einem Preiskampf: Bananen sind in Deutschland derzeit so günstig wie seit langem nicht mehr. Vor 25 Jahren kostete ein Kilogramm Bananen rund zwei Mark. Wir haben Bananen für 69 Cent das Kilogramm gefunden. Ein Kilogramm Bananen ist damit deutlich günstiger als ein Kilogramm deutsche Äpfel, diese kosten oftmals um die 2,50 Euro pro Kilogramm. Dabei haben Bananen einen deutlich längeren Lieferweg. Die meisten Bananen auf dem deutschen Markt kommen aus den etwa 10.000 Kilometer entfernten Ländern Ecuador, Costa Rica oder Kolumbien. Den Preis für die günstigen Bananen zahlen die Menschen in den Anbauländern.

Fairtrade und Bio

"Zu dem Preis kann man Bananen dann zum Schluss nicht mehr wirklich produzieren. Das heißt, wenn Sie diese Billig-Bananen kaufen, können Sie sicher sein, dass die Rechte der Beschäftigten oder die der kleinen Produzenten, meist mit Füßen getreten werden", sagt Frank Braßel von der Hilfsorganisation Oxfam Deutschland. Er rät dazu, nur Bio- und Fairtrade-Bananen zu kaufen, denn bei diesen beiden Siegeln könne sich der Verbraucher darauf verlassen, dass es den Plantagenarbeitern auch besser gehe.

Pestizidbelastung

Auf einer Tabelle sind die Bananenpreise verschiedener Supermärkte angegeben. Bei Kaufland kosten sie 0,69 Euro pro Kilogramm, bei Edeka und Penny 0,99 Euro und bei Rewe 1,99 Euro. (Foto: SWR, SWR -)
Bananen sind derzeit so günstig wie lange nicht mehr. SWR -

In einem Labor lassen wir die Pestizidbelastung der Bananen überprüfen. Wir kaufen dazu konventionelle Bananen von Kaufland, Edeka, Penny und Rewe sowie Bio-Bananen von Lidl (1,69 Euro) und Edeka (1,99 Euro). Die Banen werden gemäß den gesetzlichen Vorgaben mit Schale zerkleinert und auf über 600 verschiedene Pestizide getestet.

Das Ergebnis: Alle vier konventionellen Bananen waren pestizidbelastet. Die meisten Rückstände waren auf den Bananen von Penny und Rewe. Hier konnten vier verschiedene Pestizide nachgewiesen werden, darunter auch Bifenthrin, das im Verdacht steht, krebserregend zu sein.

Verbotene Pestizide Bifenthrin und Buprofezin

"Rein theoretisch ist es so, wenn sie Hautkontakt zu bestimmten Pflanzenschutzmitteln haben, dass sie die durchaus aufnehmen können", sagt die Toxikologin Marike Kolossa. Die Mengen, die wir auf den Bananen gefunden haben, sieht sie unkritisch. "Es sei denn, es gibt eben noch andere Quellen, weil wir stellen auch immer wieder fest, dass sich die Gesamtbelastung des Körpers aus vielen verschiedenen Quellen speist. Gerade importierte Produkte haben auch immer das Risiko, dass da Stoffe drauf sind, die wir in Europa gar nicht erwarten würden." In unseren Proben haben wir zwei Stoffe gefunden, die in Europa verboten sind: Bifenthrin (Rewe und Penny) und Buprofezin (Rewe). Die untersuchten Bio-Bananen waren frei von Pestiziden.

Bei allen Pestiziden wurden die gesetzlichen Grenzwerte eingehalten. Für die Arbeiter auf den Plantagen bedeuten die Pestizidfunde allerdings Gesundheitsrisiken, da die Pflanzenschutzmittel auch mit dem Flugzeug versprüht werden. Dies geschehe, während die Arbeiter auf der Plantage arbeiten oder essen, so Frank Braßel.

Hände waschen

Verbraucherschützer empfehlen, sich nach dem Bananenschälen die Hände zu waschen und Kindern nur geschälte Bananen zu servieren.

Banane löst Apfel ab

Erstmals haben die Bananen in Deutschland Äpfel als beliebtestes Frischobst abgelöst. 2018 kaufte jeder Deutsche durchschnittlich 16,3 Kilogramm Bananen und 15,6 Kilogramm Äpfel.

Der Text gibt den Stand zum Sendungsdatum wieder

Filmautor: Moritz Hartnagel | Online: Thomas Oberfranz
© SWR Marktcheck

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