Kursteilnehmer in einem Zimmer, ein Mann steht vorn an einer Tafel (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)

Bilanz in Baden-Württemberg Wie kommt der Bildungsurlaub an?

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Seit vier Jahren gibt es in Baden-Württemberg Bildungsurlaub. Fast 4,8 Millionen Arbeitnehmer haben darauf Anspruch und wissen dies oft nicht.

Was gilt als Bildungszeit?

Wer Vollzeit arbeitet, kann bis zu fünf Tage Bildungszeit pro Kalenderjahr beantragen, entweder um sich beruflich oder politisch weiterzubilden. Man darf sich aber auch fit machen für ein Ehrenamt. Die Art der Fortbildung darf sich jeder Arbeitnehmer in ganz Deutschland oder im Ausland selbst aussuchen: Es können Fremdsprachen- oder Kommunikationskurse sein, Klimaschutzexkursionen auf Sylt, Seminare über den Rechtsstaat oder Unterricht im Tischlern oder Yoga. Voraussetzung ist: Der Veranstalter muss eine Bildungseinrichtung sein, die das Land Baden-Württemberg anerkannt hat.

Hierzuland Dreckenach Yoga in der Natur (Foto: SWR)
Auch Yoga-Kurse werden als Bildungsurlaub anerkannt.

Welche Voraussetzungen muss man erfüllen?

Der Antragsteller für Bildungszeit muss mindestens schon ein Jahr lang beim selben Arbeitgeber in Baden-Württemberg arbeiten. Der Bildungsurlaub muss spätestens acht Wochen im Voraus schriftlich beantragt werden. Der Unterricht muss mindestens sechs Stunden pro Tag dauern und zu den normalen Arbeitszeiten stattfinden. Während der Bildungszeit wird der Arbeitgeber ganz normal bezahlt – wie an jedem anderen Werktag auch. Die Kosten für seine Fortbildung zahlt der Arbeitnehmer komplett selbst – also das Seminar, die Fahrtkosten und Übernachtungen.

Wie groß ist die Begeisterung für Bildungsurlaub in Baden-Württemberg ?

Baden-Württembergs CDU-Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut wird nachgesagt, dass sie das Bildungszeitgesetz, das seit 1. Juli 2015 in Baden-Württemberg in Kraft ist, ändern und die Ansprüche der Arbeitnehmer einschränken will. Die FDP in Baden-Württemberg hält das Gesetz für komplett unnötig. Ganz anders sehen das die Grünen, SPD, Gewerkschaften und Bildungszeit-Veranstalter. Aus ihrer Sicht hat sich das Gesetz bewährt und sie fordern, dass es noch bekannter gemacht wird. Die Bildungszeit-Gegner verweisen dagegen auf eine Studie im Auftrag des Wirtschaftsministeriums.

Studie des Landeswirtschaftsministeriums zur Bildungszeit


Ein Ergebnis der Studie: Ein Drittel der Unternehmen würde die Bildungszeit am liebsten wieder abschaffen. Ihr Hauptargument gegen den Anspruch ist, dass sie Beschäftigte bezahlt freistellen müssen, aber selbst nichts davon haben - vor allem, wenn es um politische Weiterbildung gehe oder um ein Ehrenamt. In Baden-Württemberg haben 2017 im Vergleich zu anderen Bundesländern viele Menschen Bildungszeit genommen – nämlich 1,12 Prozent der Berechtigten. Wenn man noch die 0,3 Prozent der Fortbildungen für Sport- und andere Ehrenämter hinzurechnet, kommt man sogar auf einen Anteil von 1,42 Prozent.

Volkshochschule Heilbronn (Foto: SWR, Thorsten Weik)
Die Volkshochschule Heilbronn bietet über 1.500 Kurse und Veranstaltungen im Jahr an. Thorsten Weik

Bildungsurlaub im Vergleich

In anderen Bundesländer gibt es die Bildungszeit teilweise schon seit Jahrzehnten zum Beispiel auch im Nachbarland Rheinland-Pfalz. Dort wird der Anspruch auf Fortbildung selten überhaupt noch in Frage gestellt. In zwei Bundesländern gibt es momentan gar keinen Rechtsanspruch auf Bildungszeit: in Bayern und Sachsen.

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