Kein Kavaliersdelikt: Anmache im Büro – erst recht nicht, wenn’s der Chef ist (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Frank May/picture alliance/dpa)

Beziehung am Arbeitsplatz Liebe im Job – so sind die Regeln in deutschen Firmen

AUTOR/IN

Kürzlich wurde der McDonalds-Chef gefeuert wegen seiner Liebesbeziehung mit einer Untergebenen. Werden in deutschen Unternehmen ähnlich harte Bandagen angelegt wie in den USA?

Auch in Deutschland gibt es ähnliche Regelungen. Allerdings seltener und auch allgemeiner formuliert als in den USA. Festgehalten werden diese Richtlinien im „Code of Conduct“ – einem unternehmenseigenen Verhaltenskodex. Dort schreibt der Autohersteller VW zum Beispiel: „Die Auswahl, Einstellung und Förderung unserer Mitarbeiter erfolgt grundsätzlich auf der Grundlage ihrer Qualifikation und ihrer Fähigkeiten.” Das bedeutet indirekt: Nur weil ich als Vorgesetzte eine persönliche Beziehung zu einem Mitarbeiter habe, darf ich ihn nicht bevorzugen. Die Beziehung an sich ist über die Unternehmensrichtlinien aber nicht verboten.

Dauer

Private Beziehungen sollen keine Interessenkonflikte verursachen

Das Chemieunternehmen Bayer formuliert das ähnlich: „Wir lassen uns in unseren Entscheidungen im Hinblick auf Mitarbeiter oder Verträge mit Dritten nicht von familiären oder persönlichen Beziehungen beeinflussen.“ Allerdings gibt es hier eine Zusatzbemerkung, die das Ganze schärfer macht: „Der Anschein von Interessenkonflikten kann unserem guten Ruf genauso schaden wie tatsächliche Interessenkonflikte. Wir sollten auf der Hut vor Situationen sein, in denen andere Personen denken könnten, dass das Ziel unserer Aktivität, Entscheidung oder Aussage darin besteht, einen unfairen Vorteil zu erzielen.” Hier könnte also schon das bloße Bestehen einer privaten Beziehung als nicht gewünscht gelten.

Dauer

Code of Conduct kommt aus den USA

Dass es in Deutschland seltener klar festgelegte Verbote für Beziehungen am Arbeitsplatz gibt, hängt mit der Geschichte der Codes of Conduct zusammen. Diese Ethik-Richtlinien sind eine amerikanische Erfindung. Schon im 19. Jahrhundert gab es dort unternehmensspezifische, interne Regelungen darüber, was ok ist und was nicht.

Im europäischen Raum hielt man das damals für unnötig, da hier Handelsgesetze und Arbeitsrecht die meisten der Punkte regelten. Erst im Zuge der Globalisierung kam der Verhaltenskodex, der Code of Conduct, als Instrument der Unternehmensführung verstärkt zu uns. Hier gilt unter anderem, dass der Betriebsrat in Deutschland nach § 87 Abs. 1 Nr. 1 BetrVG mitzubestimmen hat, wenn der Arbeitgeber in einem Verhaltenskodex das Verhalten der Arbeitnehmer und die betriebliche Ordnung regeln will, auch im Falle eines amerikanischen Mutterkonzerns (BAG, Beschluss vom 22. Juli 2008 – 1 ABR 40/07).

Mann und Frau arbeiten im Büro mit Laptop und Papier. (Foto: dpa Bildfunk, Monkey Business Images)
Beziehungen am Arbeitsplatz werden in Deutschland lockerer gesehen als in den USA. Monkey Business Images

Liebesbeziehung steht zunächst unter dem Schutz des Persönlichkeitsrechts

Das Landesarbeitsgericht Düsseldorf hat in seinem Beschluss aus 2005 (14.11.2005, Az.: 10 TaBV 46/05) klargestellt, dass eine Liebesbeziehung am Arbeitsplatz letztlich die Privatangelegenheit der beteiligten Personen sei und den Arbeitgeber zunächst nicht zu interessieren habe – geschützt vom Persönlichkeitsrecht im Grundgesetz (Artikel 1 und 2 Grundgesetz). Allerdings wurde eingeräumt, dass der Arbeitgeber eingreifen kann, wenn es auf Grund dieser Beziehung zu Spannungen innerhalb der Betriebsgemeinschaft kommt. „Es ist dann aber nicht die Partnerschaft oder die Liebesbeziehung, die stört, sondern das Verhalten, mit dem der eine oder der andere Partner oder beide oder außenstehende Dritte den betrieblichen Ablauf beeinträchtigen.“

AUTOR/IN
STAND
ONLINEFASSUNG