Letzter Gang: Sargträger bei einer Beerdigung (Foto: SWR)

Beruf ohne Seelsorge oder Supervision „Als Totengräber gehst du nach Hause und duschst.“

Volker Langenbein hat mehr als 20 Jahre als Totengräber gearbeitet. Ein Beruf, für den es weder eine Ausbildung gibt, noch seelische oder psychologische Begleitung.

Bankangestellter, Friseur oder Koch – bei den meisten Berufen wissen wir, was die Arbeit in etwa mit sich bringt. Es gibt aber auch Berufe, mit denen wir weniger zu tun haben – und uns auch kaum Gedanken darüber machen. Dazu gehört etwa der Totengräber.

Volker Langenbein aus Karlsruhe hat Jahrzehnte in diesem Beruf gearbeitet. Er war bei Sterbefällen erster Ansprechpartner für Angehörige, musste mit ihnen ein Grab aussuchen, die Bestattung mit organisieren, mit dem Pfarrer sprechen. Zum Job gehörte außerdem, den Sarg an die Grabstätte zu tragen, ihn abzulassen und die Grabstätte wieder zu verschließen.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
13:00 Uhr
Sender
SWR1

Totengräber ist kein Ausbildungsberuf

Langenbein wurde nie dafür ausgebildet, sondern nur angelernt. Totengräber ist ein sogenannter Erwerbsberuf. Es gibt keine duale Berufsausbildung dafür. Aufgaben rund um eine Beerdigung übernehmen unter anderem Friedhofsangestellte, aber auch Bestatter oder Steinmetze.  

Dabei müssten Menschen, die als Totengräber arbeiten sollen, darauf vorbereitet werden, sagt Volker Langenbein. Er weiß aus eigener Erfahrung, wie hoch die physischen und psychischen Belastungen sind.

„Für Sanitäter und Polizisten gibt es Seelsorger. Als Totengräber gehst du nach Hause und duschst.“

Volker Langenbein, ehemaliger Totengräber

Volker Langenbein erinnert sich daran, wie er sich nach kurzer Zeit im Beruf die Nasenhaare ausriss, um den Geruch des Todes loszuwerden. Noch heute, obwohl er aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr als Totengräber arbeitet, hat er den Geruch immer in der Nase, wird ihn auch gedanklich nicht mehr los.

Herausforderung: Umgang mit Angehörigen und Freunden von Toten

Die Konfrontation mit dem Tod an sich war nicht sein Problem, daran hatte er sich mit der Zeit gewöhnt. Was ihn viel mehr psychisch belastete, war der Umgang mit Angehörigen und Freunden von Toten, und die Emotionen, die das auslöste.

Volker Langenbein erinnert sich an einen Einsatz, bei dem ein Jugendlicher – total am Ende – vor einem Haus kniete. Er war von einem Diskothekenbesuch nach Hause gekommen, wollte seinen Roller in den Hof stellen. Dort fand er seine Mutter vor, die sich erhängt hatte.

„Wir haben den Sarg in den Leichenwagen getragen. Der Sohn sah mich an mit Augen wie 'Du nimmst mir meine Mutter weg.' Die Bilder habe ich auch heute noch im Kopf.“

Volker Langenbein, ehemaliger Totengräber

Der frühere Totengräber fordert für Menschen in diesem Beruf psychologische Betreuung und zumindest kurze Lehrgänge zum Kontakt mit Hinterbliebenen.

Aufgaben des Totengräbers verlangen Empathie

Trotz aller Belastungen hat Volker Langenbein seinen Beruf als Totengräber gerne ausgeübt. Für ihn ist es mehr als eine Arbeit, die gemacht werden muss. Er sah sich dazu berufen, den Hinterbliebenen eine Hilfestellung zu geben. Schwachen Menschen wieder auf die Beine helfen – das bezeichnet er als seine Stärke.

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