Blick in die Heidelberger Bahnstadt (Foto: SWR, Patrick Figaj)

Bahn will Wohnraum schaffen So wollen Unternehmen mit Wohnungen Mitarbeiter locken

Die Bahn will 100.000 neue Mitarbeiter einstellen und durch günstige Wohnungen in teuren Großstädten als Arbeitgeber attraktiver werden. Auch andere Firmen fahren auf dieser Schiene.

Mit den Gehältern wird es bei der Bahn wohl nicht klappen, mehr Bewerber anzuziehen – aber eine günstige Wohnung vor allem in Großstädten wie München, Stuttgart oder Frankfurt könnte helfen. Über rund 900 möblierte Apartments verfügt die Bahn derzeit bereits. Es sollen aber viel mehr werden. Der Konzern will dafür auf eigenen, bisher nicht genutzten Grundstücken neu bauen oder auch Park+Ride-Parkplätze überbauen. Außerdem wird überlegt, sich bei Wohnungsbaugesellschaften einzumieten.

Diese bahneigenen Wohnungen will der Konzern seinen Mitarbeitern anbieten – ein echter Vorteil, mit dem sich das Unternehmen von anderen Arbeitgebern abheben kann. Denn der Gedanke, sich nicht mit 50 oder mehr Interessenten um eine Wohnung schlagen zu müssen, keine Kaution zu zahlen und weniger Miete – das könnte einige Menschen auf Jobsuche überzeugen. Gerade, wenn es um Arbeitsplätze geht, die nicht so gut bezahlt sind.

Dauer

Vor dem Bauen muss die Bahn noch Hürden überwinden – Geld gibt es bereits

Die Wohnungsbau-Pläne der Bahn sind allerdings noch nicht in trockenen Tüchern, weil die ungenutzten Grundstücke bisher noch kein Bauland sind. Darüber will der Konzern aber mit einigen Städten verhandeln. Die Bahn will in Zukunft auch ihre Zusammenarbeit mit Wohnungsbaugesellschaften ausbauen. Genauer gesagt, ihre Rechte nutzen, dort einen Teil der Wohnungen in Anspruch zu nehmen. Auch die kann sie dann den Mitarbeitern anbieten. Für Auszubildende will sich der Konzern auch um Plätze in Wohnheimen bemühen.

Die Bahn wird die Wohnungsprobleme aber nicht heute oder morgen lösen können, das wird dauern. Der Konzern zahlt Mitarbeitern allerdings bereits Zuschüsse zu ihrer Miete – zumindest denjenigen, die sich eine Zweitwohnung nehmen mussten, um den Job anzutreten. Das können bis zu 600 Euro pro Monat sein. Bei Azubis und Studenten sind es bis 350 Euro monatlich – wenn die Hin- und Rückfahrt nachhause pro Tag mehr als 2,5 Stunden dauern würde.

Mitarbeiterbindung: Werkswohnungen bieten auch andere Unternehmen

Die Bahn ist mit dieser Idee nicht allein: Volkswagen zum Beispiel baut 500 neue Wohnungen, sie sollen bis Ende kommenden Jahres bezugsbereit sein. 9.500 Wohnungen hat der Konzern schon im Bestand. Auch Bosch und Siemens haben Mitarbeiterwohnungen. Der Chemiekonzern BASF hat rund 6.000 eigene Wohnungen am Stammsitz Ludwigshafen und in der Umgebung – 200 neue sollen in den nächsten Jahren gebaut werden.

Das Wohnraumproblem gibt es zum Beispiel auch in der Pflege. Das Deutsche Rote Kreuz und die Stadtwerke Köln sagen, mit mehr Geld könnten sie Bewerber einfach nicht locken. Aber wenn sie den Leuten eine bezahlbare Wohnung stellen, hätten sie eine bessere Chance.

Es sind aber nicht nur große Unternehmen, die Wohnungen vermieten oder vermitteln. Es kann auch mal ein Bäcker in Berlin sein. Einer hat beispielsweise ein Haus gekauft, um seinen Mitarbeitern ein preiswertes Dach über dem Kopf bieten zu können. Er sagt: Sie sind deshalb nicht nur dankbar, sondern auch besonders motiviert und stehen mit Überzeugung hinter dem Betrieb. Es geht also auch darum, die Mitarbeiter möglichst lange zu halten. Wenn der Arbeitgeber auch der Vermieter ist, überlege ich mir drei Mal, ob ich den Job wechsele. Denn dann wäre meist auch die günstige Wohnung weg, und damit mein Zuhause.

Wohnungsmarkt: Es fehlen mehr als eine Million Wohnungen

Wenn Unternehmen verstärkt bauen und vermieten, kann das ein Beitrag im Kampf gegen die Wohnungsnot sein, der den Wohnungsmarkt ein stückweit entlastet. Momentan fehlen in Deutschland nach Angaben des Bundesverbands deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen mehr als eine Million Wohnungen. Diese Lücke werden Werkswohnungen nicht schließen können. Aber: Jede neu gebaute Wohnung in den Ballungsräumen hilft – die Politik muss sich überlegen, wie sie möglichst viele Bauherren dazu bringen kann, aktiv zu werden.

Ein Demonstrant für mehr bezahlbaren Wohnraum hält ein Schild "Wohnen für alle" (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
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