Sönke Asmussen und Masako Mauermann unterhalten sich im Zug (Foto: SWR)

Zug als Fenster in die Welt Wie aus Bahn-Pendlern Freunde werden

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Ein Gruß, eine Frage zu einer Verspätung: Beim Pendeln ergeben sich oft Gespräche und sogar Freundschaften. Wie bei dieser Pendlergruppe auf der Strecke Heidelberg - Stuttgart.

Das Bordbistro ist der Treffpunkt. Wie viele kommen, ist jeden Tag anders. Allein fährt aber fast nie jemand aus der Pendlergruppe von Masako Mauermann und Sönke Asmussen. Asmussen arbeitet im Kultusministerium und schätzt das lockere Plaudern im Zug sehr. Morgens sei man fröhlich, rede über Themen aus dem Alltag, und abends habe man zu Hause dann den Kopf schon frei.

Dauer

Das Pendeln befreit ein Stück weit die Seele. Die Stunde zwischen Arbeitsplatz und Haustür, die ist Gold wert und ein Stück weit ist diese Pendelei ein Fenster in die Welt.“

Sönke Asmussen, Bahnpendler

Verspätungen bringen Pendler zusammen

Viele ärgern sich über Verspätungen. Allerdings hat Sönke Asmussen die Erfahrung gemacht, dass man gerade in Ausnahmesituationen besonders schnell ins Gespräch kommt.

Das sind immer Sternstunden für die Pendler. Da erweitert sich regelmäßig der Pendlerkreis. In solchen Notgemeinschaften, da laufen lockere Geschichten, da macht man sich lustig über die Situation. Das ist dann immer leicht zu ertragen und daraus erwachsen meistens neue Bekanntschaften.“

Sönke Asmussen, Bahnpendler

Einfach nicht alleine fahren: Bahn schlägt Auto

Masako Mauermann fährt in eines ihrer Geschäfte für Boxspringbetten in Stuttgart. Das zweite liegt in Mannheim. Dorthin fährt sie mit dem Auto und ärgert sich regelmäßig über Staus. Und sie sei – trotz Radio – eben allein im Auto.

Geschäftsfrau Masako Mauermann fährt lieber Bahn als Auto (Foto: SWR)
Geschäftsfrau Masako Mauermann fährt lieber Bahn als Auto

Das Pendeln, das ist geselliger. Man sitzt mit anderen Leuten im Zug, man trifft mal den einen oder den anderen. Man freut sich regelrecht darauf.“

Masako Mauermann, Bahnpendlerin

Bei den Gesprächen gibt es die erstaunlichsten Zufälle. Als Masako Mauermann einmal von ihrem Beruf und den Geschäften erzählte, gab es gegenüber große Augen: Da sitze immer ein Mann im Zug, der genau das gleiche mache. Schnell war klar: Ihr Mann und sie hatten völlig unabhängig voneinander dieselben Mitreisenden kennengelernt.

Freundliche Mitarbeiter und besserer Takt bei der Bahn

Auch Sönke Asmussen hat schon viel auf der Strecke erlebt. In den letzten Jahren, erzählt er, habe sich einiges verändert. Der Takt der Züge sei besser geworden. Er schätze es sehr, dass die Mitarbeiter so freundlich seien, sagt Asmussen, ist dabei aber auch ein bisschen wehmütig.

Pendler Sönke Asmussen genießt die Zeit unterwegs (Foto: SWR)
Pendler Sönke Asmussen genießt die Zeit unterwegs

Was ich schade finde ist, dass wir nicht mehr so feste Teams haben. Früher war es so, dass zu bestimmten Zügen immer das Servicepersonal in der Gastronomie gleich war und auch die Kontrolleure, so dass man zu denen ein sehr gutes Verhältnis entwickelt hat. Das war schön, man hat sich auch schon auf die Teams gefreut.“

Sönke Asmussen, Bahnpendler

In Stuttgart angekommen verabschiedet sich die Pendler-Gruppe – die rund 40 Minuten Bahnfahrt sind auch diesmal schnell vergangen. Nach der Arbeit treffen sie sich dann wieder zur Heimfahrt.

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