Wenn der Stromanbieter Ärger macht Stromanbieter BEV und dessen Muttergesellschaft sind insolvent

Eigentlich sollten wir unserem Stromanbieter regelmäßig kündigen, um von besseren Konditionen zu profitieren. Es häufen sich jedoch Probleme mit unseriösen Anbietern.

Dauer

Tipps der Verbraucherzentrale für BEV-Kunden finden Sie hier. Als vorläufiger Insolvenzverwalter wurde vom Münchner Amtsgericht Axel Bierbach eingesetzt. Betroffene Privatpersonen können sich auch an die Schlichtungsstelle Energie e.V. wenden. Dieser Verein wird vom Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. und den Verbänden der Energiewirtschaft getragen. Für private Verbraucher ist das Schlichtungsverfahren kostenlos.

Marktcheck liegen mehrere Beschwerden von Kunden der Bayerischen Energieversorgungsgesellschaft mbH (BEV) vor. Trotz Preisgarantie seien Tarife massiv erhöht worden, Abrechnungen fehlten, Boni und Guthaben würden nicht ausbezahlt. Mehrere Kunden beklagen, das Unternehmen habe ohne Zustimmung zu viel Geld abgebucht. Auch die Verbraucherzentralen verzeichnen massive Beschwerden von BEV-Kunden.

Wie kann man sich wehren?

Auf ihrer Website gibt die Verbraucherzentrale Tipps, wie unzufriedene Energie-Kunden reagieren können.

Wenn der Energieversorger plötzlich Preisänderungen durchsetzt, haben Kunden ein Sonderkündigungsrecht. Sie sind dann nicht mehr an die ursprüngliche Vertragslaufzeit gebunden. Boni, die an bestimmte Bedingungen, wie die Laufzeit, geknüpft sind, verfallen damit aber möglicherweise. Man sollte also abwägen, ob sich der Wechsel zu einem anderen Anbieter tatsächlich lohnt.

Hier finden Sie einen kostenlosen Musterbrief der Verbraucherzentrale, um dem Anbieter wegen Strompreiserhöhung zu kündigen.

Eine weitere Möglichkeit ist, der Erhöhung zu widersprechen. Die Verbraucherzentrale ist der Ansicht, dass die ab 1. Februar 2019 geforderten Preise nicht nach billigem Ermessen (§ 315 BGB) der Entwicklung der Kosten angepasst sein dürften.

Wenn Sie einen Vertrag mit Preisgarantie haben, können Sie der Erhöhung widersprechen und verlangen, dass der Vertrag zu den ursprünglichen Tarifbedingungen erfüllt wird.

"Freiwillige" Zustimmung zur Tariferhöhung

Offenbar hat BEV Briefe an Kunden verschickt, die diese dazu auffordern, einer Tariferhöhung vor Ablauf der Preisgarantie "freiwillig" zuzustimmen. Reagieren Sie auf dieses Schreiben nicht, sollte dies rechtlich keine Auswirkungen haben. Dennoch rät die Verbraucherzentrale dazu, zu reagieren.

Widersprechen Sie der Preiserhöhung per Einschreiben an folgende Adresse:

BEV Bayerische Energieversorgungsgesellschaft mbH
Nymphenburger Straße 154
80634 München

Kündigen Sie möglichst auch das Sepa-Lastschriftmandat und richten Sie stattdessen einen Dauerauftrag ein, um die Abschlagszahlungen zu begleichen. So schützen Sie sich vor ungewollten Abbuchungen. Lastschriften können Sie übrigens innerhalb von acht Wochen widersprechen und das Geld zurück auf Ihr Konto buchen lassen.

Auf einem lila Taschenrechner steht "Anbieterwechsel" und auf ihm liegt ein Stromstecker. (Foto: Getty Images, Getty Images -)
Beim Anbieterwechsel ist Vorsicht geboten: Es lauern unseriöse Anbieter. Getty Images -

Guthaben werden einbehalten

Energieversorger sind verpflichtet, Guthaben sofort auszuzahlen oder spätestens mit der nächsten Abschlagszahlung zu verrechnen (Siehe Urteil vom 16.12.2014, OLG Düsseldorf, Az. I-20 U 136/14). Wenn Ihnen laut Jahres- oder Schlussrechnung Guthaben zusteht, fordern Sie die BEV schriftlich - am besten per Einschreiben - auf, das Geld innerhalb von 14 Tagen auszuzahlen. Kommt die Gesellschaft der Forderung nicht nach, können Sie ein gerichtliches Mahnverfahren einleiten.

Erhöhung der Abschläge

Einige Kunden berichten, dass die BEV einen Mehrverbrauch behauptet hätte. Das Unternehmen hätte Nachzahlungen verlangt und die Abschläge unterjährig erhöht. Bereits Ende 2017 haben die Marktwächter Niedersachsen BEV erfolgreich wegen eines ähnlichen Vorgangs abgemahnt.

Tarifrechner für den Anbieter-Wechsel

Im liberalisierten Energiemarkt helfen Online-Tarifrechner dabei, Preise verschiedener Anbieter zu vergleichen. Es handelt sich jedoch um gewerbliche Unternehmen, die in Konkurrenz zueinander stehen. Finanziert werden sie meistens durch Vermittlungsprovisionen oder Werbeeinnahmen. Häufig kann schwer beurteilt werden, ob die Portale wirklich unabhängig sind.

Bei den günstigsten Anbietern ist außerdem Vorsicht geboten: Sie locken häufig mit Wechselprämien oder Bonuszahlungen - nach einigen Monaten folgen dann aber oft saftige Preiserhöhungen. Sie sollten deshalb in den Voreinstellungen des Preisrechners die Häkchen bei Prämien, Boni und Vorkasse rausnehmen und die Vertragsbedingungen gründlich durchlesen.

Hier finden Sie Tipps der Verbraucherzentrale für den Umgang mit Online-Tarifrechnern.

Der Text gibt den Stand zum Sendungsdatum wieder

Filmautor: Thomas Eberding | Online: Sola Hülsewig
© SWR Marktcheck

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