Mann am Schreibtisch mit Laptop und Taschenrechner (Foto: Getty Images, Getty Images/iStockphoto/Torwai)

Auto, Unfall, Berufsunfähigkeit Diese Versicherungen können im Alter teuer werden

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Ein Rentner will sein neues Auto versichern – und soll 500 Euro pro Jahr mehr zahlen als seine Tochter mit dem gleichen Wagen. Manche Versicherungsprämien explodieren für Ältere.

Der 79-Jährige ist geschockt über den Preis der neuen Kfz-Versicherung. Sogar seine Versicherungs-Agentin ist überrascht, dass das einen derart großen Unterschied ausmachen soll.

Fragen an Jutta Kaiser, SWR Aktuelle Wirtschaft

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Neuer Wagen, neuer Vertrag und dann plötzlich so viel teurer – ist das nicht Altersdiskriminierung?

Das empfinden viele Betroffene so – aber das ist es nicht. Versicherungen berechnen die Beiträge nach der Wahrscheinlichkeit, dass jemand einen Unfall baut und die Versicherung zahlen muss. Da ist das Alter leider ein Faktor für das Risiko der Versicherer. Das ist sogar abgesegnet im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz. Denn Statistiken zeigen, dass Menschen im höheren Alter öfter in Unfälle verwickelt sind – und wenn es kracht, dann auch teurere Schäden entstehen.

Das gilt übrigens auch für besonders junge Fahrer zwischen 18 und 24 Jahren, die wenig Fahrerfahrung haben. Versicherungen dürfen das in ihre Berechnungen einfließen lassen. Das Alter ist da aber nur ein Faktor. Es ist zum Beispiel auch wichtig, wie viele Jahre derjenige unfallfrei gefahren ist, oder wie viele Unfälle im Vorjahr in der Region passiert sind, in der er wohnt.

Es kann passieren, dass ältere Fahrer deutlich mehr zahlen, wenn sie einen neuen Kfz-Versicherungsvertrag abschließen – es muss aber nicht so sein. Deshalb am besten mehrere Angebote einholen und vergleichen. Das lohnt sich übrigens für jeden Autofahrer, in jedem Alter.

Wenn Senioren plötzlich deutlich mehr für die Autoversicherung zahlen sollen, was kann man tun?

Es gibt da einen ganz einfachen Trick. Bei Fahranfängern lassen meistens die Eltern Auto und Versicherung auf sich laufen, weil das günstiger ist. Das geht selbstverständlich auch umgekehrt und ist auch legal. Man muss allerdings darauf achten, dass im Tarif eingetragen ist, dass jeder das Auto fahren darf – nicht nur derjenige, auf den die Versicherung läuft.

Welche anderen Versicherungen können wegen des Lebensalters teurer werden?

Arzt und Patientin (Foto: SWR, SWR -)
Das Alter kann auch bei anderen Versicherungen als Risikofaktor gelten. SWR -

Das betrifft vor allem Versicherungen, die mit der Gesundheit zu tun haben. Also Versicherungen gegen Berufsunfähigkeit, Unfälle oder Kranken-Zusatzversicherungen – zum Beispiel für Chefarztbehandlung im Krankenhaus oder etwa Zahnersatz. Je jünger – und damit oft auch je gesünder – der Mensch, desto niedriger fallen die Beiträge aus. Je mehr Krankheiten und gesundheitliche Probleme jemand hat, desto teurer wird es in der Regel. Wer Diabetes, Herzprobleme oder Depressionen hat, wird in der Regel keine Chance mehr haben, bestimmte Versicherungen abschließen zu können. Es sei denn, er zahlt immense Preisaufschläge.

Gibt es eine Altersgrenze, bis zu der man bestimmte Versicherungen spätestens abgeschlossen haben sollte, weil es danach teuer wird?

Klare Altersgrenzen gibt es nicht. Die Versicherer haben jeweils ihre eigenen Vorgaben, die sie normalerweise nicht offenlegen. Ganz wichtig ist mir aber noch eine Sache zum Thema Krankenversicherung, an die viele nicht denken: Privat oder gesetzlich versichern – das entscheiden die meisten früh und beschäftigen sich dann nicht mehr damit. In der Privaten Krankenversicherung sind die Beiträge in jungen Jahren oft sehr günstig, sie steigen mit dem Alter aber rapide an. Viele stellen irgendwann fest, dass sie sich das nicht mehr leisten können, und dann ist es oft zu spät. Ab einem Alter von 55 Jahren wird es nahezu unmöglich, in die gesetzliche Krankenversicherung zu wechseln. Das sollte jedem Privatversicherten bewusst sein.

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