"Handgemachte" Supermarktprodukte Wie viel Handarbeit steckt wirklich drin?

Ob Chips, Pizza, Maultaschen oder Schinken: Angeblich handgemachte Produkte sind ein Trend im Supermarktregal. Steckt mehr dahinter als eine Werbemasche?

Dauer

Wir zeigen einige angeblich handgemachte Produkte aus dem Supermarkt dem Marketingexperten Arnd Ziesche. Im Zeitalter der Massenproduktion wünschen sich viele Verbraucher regionale Produkte, bei denen man möglichst den ganzen Entstehungsprozess nachvollziehen kann, erklärt Ziesche. Darauf reagieren Konzerne geschickt, indem sie mit dem Verpackungsdesign und in der Ansprache suggerieren, es handele sich nicht um die klassische Massenware.

"In dem Moment, wo ich lese 'Lisa's Bio Kesselchips' poppen in mir ganz, ganz andere Bilder auf, als wenn da nur stehen würde 'Chips'. Und dann wird dem ganzen noch die Krone aufgesetzt mit 'handgepflückten Kräutern'. Ich habe hier das Gefühl, ich habe ein reines Naturprodukt in den Händen, dass mit sehr viel Liebe von Heidi und ihrem Großvater persönlich zusammengestellt wurde."

Transparenz? Fehlanzeige

Aber wieviel Handarbeit steckt tatsächlich dahinter? Das wollen wir herausfinden und fahren nach Amtzell in Oberschwaben zum Hersteller von Lisa's Kesselchips. Sie werben "mit handgepflückten Kräutern" und "handcooked". Doch zeigen will man uns das nicht: "[...] da handelt es sich um unsere vertrauliche Herstellung, die wir [...] nicht anderen Mitbewerbern durch Medien zugänglich machen wollten", heißt es vonseiten der Firma.

Eingeschweißter Schinken (Foto: SWR, SWR -)
Was genau ist an diesem Produkt handgemacht? SWR -

Ähnlich geht es uns auch beim laut Verpackung handgemachten Hinterschinken von der Firma Willms. Auch hier will vor Ort niemand mit uns sprechen. Schriftlich teilt man uns danach aber noch mit: der Produktionsprozess erfülle die Vorgaben der Deutschen Lebensmittelbuch-Kommission für einen "handgemachten" Schinken vollumfänglich.

Was bedeutet "handgemacht"?

Wie "handgemacht" muss ein Produkt rechtlich wirklich sein, um damit werben zu dürfen? Benjamin Stillner, Anwalt für Verbraucherfragen: "Das Problem ist, dass in Deutschland diese ganzen Begriffe 'handgefertigt', 'handverlesen', 'handausgesucht' gesetzlich nicht definiert sind. Das ist das Problem - wir kriegen das rechtlich nicht so richtig in den Griff."

Man könne jedoch sagen, dass in wesentlichen Produktionsschritten Handarbeit eine Rolle spielen müsse, so der Verbraucheranwalt. "Es reicht zum Beispiel nicht, die Großverpackung aufzureißen und den Inhalt in einen großen Topf zu packen."

Tatsächliche Handarbeit

Aber es gibt auch positive Beispiele: bei einem schwäbischen Maultaschenhersteller in Ostfildern will man uns die Handarbeit vorführen. Und tatsächlich: Vier Arbeitsschritte erfolgen von Hand: Das Ausrollen des Teiges, das Füllen, Rollen und Zerschneiden der Maultaschen.

Ebenso bei der Tiefkühlpizza von Gustavo Gusto, "von Hand geformt": Auch hier stimmt das Versprechen, wie wir beim Besuch der Produktion feststellen.

Ob Produkte jedoch wirklich handgemacht sind, ist für den Kunden im Supermarkt kaum zu erkennen. Der Begriff ist dehnbar - schade für die, die es ernst meinen.

Der Text gibt den Stand zum Sendungsdatum wieder

Filmautorin: Barbara Hirl | Online: Sola Hülsewig
© SWR Marktcheck

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