Ambrosia (Foto: SWR, Foto: Dorothée Panse)

Allergie-Risiko Asthma-Pflanze Ambrosia auf dem Vormarsch

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Ambrosia kann von tränenden Augen bis zu Asthma alles auslösen, was Allergiker beeinträchtigt. Betrifft Sie nicht? Falsch! Auch wer keine Allergie hat, sollte die Pflanze meiden.

Dauer

Rund 12 Prozent der Deutschen reagieren inzwischen allergisch auf Ambrosia artemisiifolia. Die auch „Beifußblättriges Traubenkraut“ oder „Beifuß-Ambrosie“ genannte hochallergene Pflanze stammt aus Nordamerika, wurde im 19. Jahrhundert in Europa eingeschleppt und hat sich seitdem vor allem in Südosteuropa etabliert. Laut DAISIE (Delivering Alien Invasive Species In Europe) zählt sie zu den 100 „schlimmsten“ invasiven Arten.

In den vergangenen Jahren taucht sie auch zunehmend in Mittel- und Nordeuropa auf. Das Frankfurter Biodiversität und Klima Forschungszentrum (BiK-F) und die Goethe-Universität stellten eine Studie vor, die aufzeigt, dass die Verbreitung rasant voran geht und große Gebiete umfassen wird. Hierzu zählen die Benelux-Staaten, Tschechien, Polen und weite Teile Frankreichs und Deutschlands. Klimaforscher befürchten zudem, dass sie sich in Zukunft sogar bis nach Skandinavien ausbreitet – begründet durch den Klimawandel.

Fast überall zu finden

Ambrosia und Sonnenblume (Foto: SWR)
Auf Sonnenblumenfeldern fühlt sich die Ambrosia wohl.

Perfekte Bedingungen findet Ambrosia auf Sonnenblumenfeldern, zwischen den weiten Reihen der Blumen.

Ambrosia steht am Strassenrand (Foto: SWR)

Aber auch auf Autobahngrünstreifen, Verkehrsinseln und Brachflächen gedeiht sie ungestört. Und auch in Privatgärten siedelt sie sich an – oft „eingeschleppt“ durch verunreinigtes Vogelfutter. 

Verwechslungsgefahr mit Zierpflanzen im Garten

Die Ambrosia keimt von April bis in den August. Als kleines Pflänzchen kann sie leicht verwechselt werden, zum Beispiel mit einer Studentenblume (Tagetes). Doch es gibt einen entscheidenden Unterschied: Während andere Pflanzen kontinuierlich wachsen, legt die Ambrosia bei einer Größe von zehn bis 15 Zentimeter eine rund einmonatige Wachstumspause ein. Das sollte Sie stutzig machen: Alles sprießt und wächst und dazwischen sitzt etwas, bei dem sich gar nichts tut – eine genauere Überprüfung lohnt sich.

60.000 Samenkörner eine Milliarde Pollen pro Pflanze

Jede dieser einjährigen Pflanzen produziert rund 60.000 Samenkörner, die bis zu 40 Jahre lang keimfähig sind. Jede einzelne Pflanze kann bis zu einer Milliarde Pollen freisetzen und schon fünf Pollen reichen aus, um eine allergische Reaktion hervorzurufen oder eine Allergie ganz neu auszulösen.

Die Pflanze lässt sich vom Wind bestäuben und der transportiert die aggressiven Pollen Hunderte von Kilometern weit. Auch Fahrzeuge, Züge und Sohlen von Schuhen nutzen sie als Transportmittel.

Ambrosia (Foto: SWR, SWR/Dorothée Panse)
Auch die Blüten sind klein und unscheinbar. SWR/Dorothée Panse

„Asthma-Pflanze“

Die Pollen sind sehr klein und können bis tief in die Bronchien gelangen. Etwa 80 Prozent aller Menschen, die eine Pollenallergie haben, reagieren auch auf Ambrosia. Fast die Hälfte ist anschließend allergisch dagegen. Und es kann sogar Menschen erwischen, die bisher dachten, sie hätten mit Allergien nichts zu tun. Zudem ruft die Pflanze häufig besonders schwere allergische Reaktionen wie Asthma hervor – das hat ihr in Australien den Namen „Asthma-Pflanze“ eingebracht.

Unheilvolles Zusammenspiel von Feinstaub- und Stickoxiden mit den Pollen

Ulrike Frank untersucht am Helmholtz-Zentrum München die Wirkung von Pollen. Für eine Ambrosia-Studie hat sie Ambrosia-Pflanzen mit Stickoxiden begast, um die Abgasbelastung an Autobahnen nachzustellen. Aus diesen Pollen hat sie einen Extrakt gewonnen, der alle Eiweiße und Biomoleküle enthält. Diesen Extrakt hat sie mit Blutseren von Allergikern vermischt und festgestellt, dass die Reaktion auf die Pollen, die vorher Abgas ausgesetzt waren, deutlich stärker ist als auf normale Pollen. Der Grund: Die begasten Pollen haben andere Proteine gebildet.

Dr. Ulrike Frank, Helmholtz Zentrum München (Foto: SWR)
Dr. Ulrike Frank, Helmholtz Zentrum München

Die hohe Belastung mit Feinstaub- und Stickoxiden in Städten und an Autobahnen führt zu großem Stress für die Ambrosia-Pflanze und damit zu noch aggressiveren Pollen. Dazu kommt, dass diese Luftverschmutzung auch Stress für unseren Körper bedeutet.

Als Folge der Luftverschmutzung treffenaggressivere Pollen auf ein gereiztes  Immunsystem. Das löst auch neue Allergien aus. Und dieses Phänomen tritt auch bei anderen allergieauslösenden Pflanzen auf.

Weg damit – aber vorsichtig

Selbst wenn Sie sich noch unsicher sind, ob es sich tatsächlich um eine Ambrosia handelt, sollten Sie die Pflanze nicht mit bloßen Händen anfassen. Schon die Berührung der Blätter kann zu Hautreizungen und damit zu einer Sensibilisierung führen. Auffallend ist dabei die zeitliche Verzögerung: Erst nach 20 bis 30 Minuten kommt es zu Rötungen und Juckreiz.

Tipps zur sicheren und dauerhaften Entfernung

  • Tragen Sie Handschuhe und vermeiden Sie jeden Körperkontakt.
  • In der Blütezeit von August bis Dezember sollten Sie zusätzlich einen Mundschutz tragen!
  • Entfernen Sie die Pflanzen samt ihrer Wurzeln. Abschneiden, abmähen oder abfackeln bringt nichts, da sie ab Juli mit der Blütenbildung beginnt, egal wie groß sie dann ist.
  • Entsorgen Sie die Pflanze in einem geschlossenen Beutel im Hausmüll. Werfen Sie sie auf gar keinen Fall in den Kompost oder in die Biotonne.
  • Beobachten Sie die Ambrosia-Fundstellen, denn weitere Samen können bis in den August hinein anfangen zu keimen.
  • Achten Sie besonders auf Stellen, an denen Vogelfutter (auch so genannte Meisenringe) ausgebracht wurde.

Weitere Tipps finden Sie in unserer Bildergalerie:

Hochallergene Pflanzen im Garten Ambrosia im Garten

Ambrosia (Foto: SWR, Foto: Dorothée Panse)
So sieht die von Allergikern gefürchtete Ambrosia aus. Ursprünglich aus Nordamerika kommend, verbreitet sich die Pflanze mittlerweile auch in Deutschland. Da die Ambrosia eine späte und lange Blütezeit hat – von Juli bis zum ersten Frost – verlängert sie die Leidenszeit der Allergiker bis in den Winter hinein. Foto: Dorothée Panse Bild in Detailansicht öffnen
Die Ambrosia hat einen buschigen Wuchs und verzweigt sich stark. Die Pflanzen können bis zu zwei Meter hoch werden. Die Blätter sind doppelt bis dreifach gefiedert. Erkennen können Sie die Pflanze an ihren behaarten, oft auf einer Seite rötlich-braun eingefärbten Stängeln. Ein gutes Unterscheidungsmerkmal zum ähnlich aussehenden Gewöhnlichen Beifuss ist die durch und durch grüne Blattfarbe, die Unterseite der Blätter des Beifusses sind filzig-grau. SWR - Foto: Dorothée Panse Bild in Detailansicht öffnen
Doch Sie sollten ganz genau hinschauen: Die Bienenweide sieht ihr vor der Blüte zum Beispiel zum Verwechseln ähnlich. Wer es im Detail wissen will, kann auch einen Stängel abschneiden und sich den Querschnitt anschauen: Die Stängel – auch die ganz kleinen – sind immer gefüllt. Die Stängel von der Bienenweide sind hohl. Weitere Pflanzen, die ähnlich aussehen, sind der Wermut, die Wilde Möhre, der Weiße Gänsefuß und wenn sie noch klein ist auch die Studentenblume (Tagetes). SWR/Dorothée Panse Bild in Detailansicht öffnen
Erkennen lässt sich die Pflanze auch an ihrem Verhalten: Sie wächst unkontinuierlich. Das heißt, dass sie bis zur Blüte oft unscheinbar klein bleibt, um dann innerhalb weniger Wochen rasant in die Höhe zu wachsen. Achten Sie also auf vermeintliche Tagetes- oder Beifußpflanzen, die wochenlang nicht wachsen. SWR/Dorothée Panse Bild in Detailansicht öffnen
So lange die Ambrosia nicht blüht, ist die beste Zeit, sie zu entfernen. Da auch die Berührung der Pflanze allergische Reaktionen auslösen kann, sollten Sie sich unbedingt schützen. Tragen Sie Handschuhe und achten Sie darauf, dass keine nackte Haut zwischen Handschuh und Jacke hervorlugt. Sinnvoll sind auch eine lange Hose und Stiefel. SWR/Dorothée Panse Bild in Detailansicht öffnen
Wenn die Pflanze bereits blüht, müssen Sie auch einen Mundschutz anziehen. Sehr empfindliche Personen sollten dann zudem einen Einweg-Schutzanzug tragen. picture-alliance/ ZB/Patrick Pleul Bild in Detailansicht öffnen
Mit Mähen, Abschneiden oder Abfackeln können Sie der Ambrosia nicht beikommen. Ganz gleich wie klein sie dann noch ist, blüht die Ambrosia in jedem Fall ab Juli. Packen Sie jede einzelne Pflanze also ganz unten am Stängel und ziehen Sie sie vorsichtig und langsam aus der Erde. SWR/Dorothée Panse Bild in Detailansicht öffnen
Achten Sie darauf, dass Sie die ganze Wurzel entfernen. SWR/Dorothée Panse Bild in Detailansicht öffnen
Sonst haben Sie unter Umständen bald mit „Nachwuchs“ zu kämpfen. Und das Gefährliche daran ist, dass auch kleine Ambrosia-Pflanzen blühen können. Das gleiche droht, wenn Sie die Pflanze abschneiden statt rausreißen. SWR/Dorothée Panse Bild in Detailansicht öffnen
Die ausgerissenen Pflanzen gehören auf keinen Fall auf den Kompost oder in die Biotonne. Stecken Sie die Pflanzen stattdessen in einen Müllsack und verschließen Sie ihn fest. Der Sack wandert anschließend umgehend in die Restmülltonne. SWR/Dorothée Panse Bild in Detailansicht öffnen
Zum Schluss müssen Sie noch Ihre Kleidung reinigen. Achten Sie vor allem darauf, dass Sie die Schuhsohlen gründlich mit Wasser abspülen, so dass kein Samen der Ambrosia kleben bleibt. Haben die Pflanzen, die Sie entfernt haben, bereits geblüht, sollten Sie zudem Stoffhandschuhe, Mundschutz und Einweg-Schutzanzug wegwerfen. Beim normalen Waschgang in der Maschine ist nicht sicher, dass alle Pollen entfernt werden. SWR/Dorothée Panse Bild in Detailansicht öffnen
Allergiker sollten nicht in die Nähe von blühenden Ambrosia-Pflanzen kommen und andere das Rausreißen erledigen lassen. Und auch wer viele Pflanzen entdeckt und mit der Beseitigung überfordert ist, kann sich an die zuständigen Behörden wenden und dort um Hilfe bitten. Da die Samen der Ambrosia im Boden bis zu 40 Jahre keimfähig bleiben, sollten Sie Ihren Garten regelmäßig alle paar Wochen auf neu ausgetriebene Pflänzchen kontrollieren. SWR/Dorothée Panse Bild in Detailansicht öffnen

Ihre Mithilfe ist gefragt

Die Ambrosia findet sich inzwischen an Weg- und Straßenrändern, in Industriebrachen, Neubausiedlungen und Privatgärten. Aufgrund der zunehmenden Brisanz bieten inzwischen mehrere Institutionen Informationsseiten und Broschüren rund um die Ambrosia an.

Und Ihre Mithilfe ist gefragt: Melden Sie alle Funde von Ambrosia in Ihrem Garten, oder wo auch immer Sie sie in Ihrer Umgebung entdecken:

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