Kosmetik für empfindliche Haut Aggressive Stoffe in "Sensitiv"-Produkten

"Sensitiv"-Produkte sind angeblich besonders hautfreundlich. Oft enthalten sie jedoch Stoffe, die Reizungen oder sogar Allergien auslösen können.

Shampoo, Cremes, Duschgel: Produkte mit der Aufschrift "sensitiv" versprechen besonders sanfte und schonende Pflege für empfindliche Haut.

Wir machen uns in Drogerien und Discountern auf die Suche und finden mehr als 150 Kosmetika, die als sensitiv und hautschonend beworben werden. Dass es offenbar einen Markt für diese Produkte gibt, lässt sich leicht erklären: "Die Kontaktallergien haben zugenommen", erklärt Dr. Christiane Bayerl, Hautärztin und Allergologin. "Sensitiv-Produkte werden immer mehr nachgefragt. Wir wissen, dass die Hälfte der Bevölkerung sensitive, also empfindliche Haut hat und dementsprechend die Produkte kauft."

Allergieauslösendes Biozid

Aber was ist eigentlich drin in den Sensitiv-Produkten? Wir schauen uns die Inhaltsstoffe genauer an und finden mehrfach den Konservierungsstoff Methylisothiazolinon. Dabei handelt es sich um ein allergieauslösendes Biozid. Der Stoff wurde vor einem Jahr in einigen Kosmetika ganz verboten - nicht aber in Shampoos und Duschgels.

Wir finden den Stoff im Sensitiv-Duschgel von Salthouse. Im Head-&-Shoulders-Sensitiv-Shampoo finden wir sogar zwei Isothiazolinone. Kerstin Etzenbach-Effers von der Verbraucherzentrale: "Isothiazolinone sind bekannt dafür, dass sie Kontaktallergien auslösen können. Deshalb passen die überhaupt nicht zum Begriff 'sensitiv' und sollten in diesen Shampoos nicht enthalten sein."

Inhaltsstoffe Sensitiv-Produkte (Foto: SWR, SWR -)
In einigen Kosmetika ist der Stoff mittlerweile komplett verboten. SWR -

Hersteller verweisen auf EU-Verordnung

Wir fragen bei den Herstellern nach. Head & Shoulders verweist darauf, dass das Shampoo umfangreich geprüft sei und der Kosmetikverordnung entspreche. Laut EU-Verordnung darf der allergieauslösende Stoff in ausspülbaren Produkten wie Shampoos und Duschgels zwar enthalten sein - in einer Minimal-Konzentration von 0,0015 Prozent. Aber in Sensitiv-Produkten sollten die Hersteller auf diesen Stoff eigentlich ganz verzichten.

Die Hersteller versichern uns, dass sie unter der erlaubten Menge bleiben würden. Und der Duschgel-Hersteller Salthouse verspricht uns gegenüber, den Stoff in Zukunft nicht mehr zu verwenden.

Was bedeutet "sensitiv"?

Dermatologin Christiane Bayerl erklärt, wie der Begriff "sensitiv" überhaupt zustande kommt: Produkte mit dieser Auszeichnung seien schlicht und ergreifend an Menschen geprüft worden, die laut eigener Aussage eine empfindliche Haut haben. Es bedeute jedoch nicht, dass keine Duft- oder Konservierungsstoffe enthalten seien.

Christiane Bayerl. (Foto: SWR, SWR -)
Dr. Christiane Bayerl. SWR -

Duftstoffe finden wir in den meisten der Sensitiv-Kosmetika, die wir überprüfen. Besonders häufig ist Limonen und Linalool enthalten. Vor allem in den Reinigungstüchern für sensible Haut von Nivea fallen noch viele weitere allergieauslösenden Duftstoffe auf. Auf Anfrage teilt uns Nivea mit: "Duftstoffe beeinflussen unser Wohlbefinden. Wir […]wählen diese nach strengen Sorgfaltskriterien sowie hinsichtlich ihrer guten Verträglichkeit aus."

Allergieauslösender Duftstoff bei L'Oréal

Auch in einer Hautcreme für sensible Haut von L´Oréal finden wir einen Mix von sieben verschiedenen Duftstoffen, darunter sogar einen, der gerade verboten wurde: ein synthetischer Maiglöckchenduft.

Sensitiv-Produkte (Foto: SWR, SWR -)
Kerstin Etzenbach-Effers von der Verbraucherzentrale. SWR -

"Bevor ein Verbot kommt, gibt es eine lange Vorlaufphase mit wissenschaftlichen Gutachten", erklärt Kerstin Etzenbach-Effers von der Verbraucherzentrale. Dass der Maiglöckchen-Duftstoff zu Allergien führe, sei schon seit Jahren bekannt. "Der Hersteller hätte schon längst reagieren können", kritisiert die Verbraucherschützerin.

Was bedeutet "dermatologisch getestet"?

Auf der Packung steht der Hinweis "unter dermatologischer Aufsicht getestet." Wie passt das zusammen? "'Dermatologisch getestet' heißt, dass ein Dermatologe in irgendeiner Art mit in die Prüfung des Produktes involviert war", erklärt Hautärztin Christiane Bayerl, "aber wie genau und nach welcher Testprozedur, da gibt es keine festgelegten Regeln."

Wer sichergehen will, keine allergieauslösende Stoffe aufzunehmen, kann beispielsweise zu wasserfreien Produkten wie Jojobaöl greifen, rät Kerstin Etzenbach-Effers.

Filmautor: Patrick Jauß | Online: Sola Hülsewig
© SWR Marktcheck

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