Ärger mit der Gewährleistung Wenn ein Update das Smartphone lahmlegt

Marktcheck mischt sich ein

Ein Kunde spielt ein Update auf sein I Phone auf, daraufhin funktionieren Mikrofone nicht mehr. Doch weder Hersteller noch Verkäufer wollen dafür haften.

Dauer

Ein Softwareupdate aufs neue I-Phone geladen und plötzlich gehen die Mikrofone nicht mehr. Das Smartphone ist kaputt - und keiner will für den Schaden aufkommen. Das Smartphone ist eineinhalb Jahre alt, liegt also noch innerhalb der zweijährigen, gesetzlichen Gewährleistungsfrist. Verkäufer und Hersteller schieben sich den schwarzen Peter gegenseitig zu. Vodafone argumentiert, das Smartphone habe bei der Auslieferung einwandfrei funktioniert, deswegen bestehe kein Gewährleistungsanspruch. Apple verweist darauf, dass die einjährige Garantie des I-Phones bereits abgelaufen sei und Vodafone als Händler der zuständige Ansprechpartner sei.

Zwei Jahre gesetzliche Gewährleistung

Nach dem Kauf oder Erhalt der Ware gilt die zweijährige, gesetzliche Gewährleistung. Entdecken Sie einen Schaden innerhalb eines halben Jahres, ist davon auszugehen, dass dieser schon zum Zeitpunkt des Kaufs bestand. Nach Ablauf der ersten sechs Monate müssen Sie als Kunde nachweisen, dass der Schaden bereits zum Zeitpunkt des Kaufs bestanden hat. Wichtig zu wissen: Die Gewährleistung gilt immer, auch wenn der Händler einen Umtausch ausschließt, wie es etwa bei reduzierter Ware oft der Fall ist.

Eine Frauenhand hält ein Smartphone in der Handy während auf dem Display ein Update läuft. (Foto: getty images - Montage SWR)
Das I-Phone unseres im Film gezeigten Falles funktionierte nach einem Update nicht mehr richtig. getty images - Montage SWR

Unser Tipp: Reklamationen immer so gut wie möglich dokumentieren, beispielsweise mit einem Foto oder Screenshot. Die Dokumentation so detailliert wie möglich anfertigen und schriftlich, am besten per Einschreiben, an den Händler schicken. In dem Schreiben sollten Verbraucher um Abhilfe bitten und unbedingt eine Frist setzen. Es empfiehlt sich eine Frist von ein bis zwei Wochen zu setzen. Sollte dieser Schritt erfolglos bleiben, sollten Verbraucher nicht davor zurückschrecken, ihre Rechte geltend zu machen. Kunden können je nach Fall entweder vom Vertrag zurücktreten oder Teile des Kaufpreises zurückfordern.

Bei einer mündlichen Reklamation, etwa im Geschäft, sollten Sie unbedingt Notizen anfertigen und dabei den Namen des Gesprächspartners, das Datum sowie die Reklamationsgründe dokumentieren.

Freiwillige Herstellergarantie

Manche Hersteller geben zusätzlich zur gesetzlichen Gewährleistung eine eigene, freiwillige Garantie auf ihre Waren. Diese Garantien können gewisse Schäden ausschließen, aber auch mehr Fälle umfassen als die gesetzliche Gewährleistung. Im Schadensfall können Kunden abwägen, ob die Garantie oder die Gewährleistung für sie in der jeweiligen Situation der einfachere Weg ist, um den Schaden beheben zu lassen. Die Verbraucherzentrale rät Kunden, sich nicht vorschnell von Verkäufern mit dem Hinweis auf die Herstellergarantie abwimmeln zu lassen.

Update verursacht Schäden

Im Fall aus dem Film muss der Händler (Vodafone) nicht haften, da er das Gerät einwandfrei ausgeliefert hatte. Das Smartphone funktionierte auch über lange Zeit problemlos, das Gewährleistungsrecht greift in diesem Fall also nicht. Denn erst ein Update von Apple verursachte die Probleme. „Möglicherweise besteht aber ein Anspruch gegen Apple, weil Apple sich verpflichtet hat, das Handy aktuell zu halten durch eine neue Software, und wenn jetzt die Software schlecht war [...] und dadurch ein Schaden zu Stande gekommen ist, könnte man daran denken, Apple in Anspruch zu nehmen. Problem nur, ich müsste Apple am Ort seines Sitzes verklagen“, sagt Roger Gabor, Fachanwalt für IT-Recht. Da Apple seinen Sitz in Kalifornien (USA) hat, müsste der Kunde dort auf Reparatur oder Schadenersatz klagen. Das ist für deutsche Kunden zumeist schwierig, da hiesige Verbraucher sich in der Regel nicht mit kalifornischem Recht auskennen und eine Klage auch rein wirtschaftlich gesehen keinen Sinn ergibt.

Der Text gibt den Stand zum Sendungsdatum wieder

Filmautor: Axel Sonneborn | Online: Thomas Oberfranz
© SWR Marktcheck

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