Bordhospital Abkassieren auf Kreuzfahrten

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Immer mehr Deutsche machen Kreuzfahrten. Doch wer während der Reise an Bord zum Arzt muss, erlebt manchmal sein blaues Wunder. Ein einfaches Pflaster kann dann schnell mal 90 Euro kosten.

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Sendedatum
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20:15 Uhr
Sender
SWR Fernsehen

Behandlungen im Bordhospital von Kreuzfahrtschiffen

Wer sich während einer Kreuzfahrt verletzt oder krank wird und zum Bordhospital geht, wird mitunter mit hohen Rechnungen konfrontiert. Zum Teil wird der 10 bis 12-fache Satz des Arzthonorares der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) verlangt. Die Kosten für das Bordhospital seien höher als in einer Arztpraxis an Land, da mehr Geräte vorgehalten werden müssten und erschwerte Bedingungen herrschten. Experten sagen, dass auch das 3,5-fache Honorar genügen würde, um die Kosten zu decken und Gewinn zu erwirtschaften. Ein deutlich höherer Satz sei Wucher.

Gesetzliche Krankenversicherung übernimmt nur Teile der Kosten

Bei einem Arztbesuch an Bord handelt es sich grundsätzlich um eine privatärztliche Leistung im Ausland, die der Patient vorstrecken muss. Ob die Kosten später von der Krankenkasse in Deutschland erstattet werden, hängt davon ab, ob und wie man versichert ist. Die gesetzliche Krankenversicherung erstattet nur dann Teile der Kosten, wenn das Kreuzfahrtschiff unter der Flagge bestimmter Länder fährt. Ist das Schiff in einem Land außerhalb der EU registriert, wird dies schwierig. Aber auch wenn die Krankenkasse einspringt, erhält der Patient nur so viel Geld zurück, wie eine vergleichbare Behandlung an Land gekostet hätte.

Richtig teuer wird es, wenn Urlauber an Bord so krank werden, dass sie ausgeflogen werden müssen oder das Schiff außerplanmäßig anlegen muss. Diese Kosten zahlt die gesetzliche Krankenversicherung nicht.

Private Krankenversicherungen übernehmen oft die gesamte Rechnung

Private Krankenversicherungen übernehmen in der Regel die gesamten Kosten, egal unter welcher Flagge das Schiff fährt. Außerhalb von Europa erstatten private Krankenversicherungen die Arztrechnungen aber nur im ersten Urlaubsmonat.

Zusatzversicherungen können die Kostenlücke decken. Allerdings sollten Urlauber die Vertragsbedingungen genau studieren, da manche Reisekrankenversicherungen Klauseln beinhalten, die eine volle Kostenübernahme ablehnen, wenn die Honorare einen „angemessenen Rahmen“ übersteigen. Sowohl die gesetzlichen Krankenkassen als auch manche Reedereien empfehlen, vor einer Kreuzfahrt eine private Reisekrankenversicherung abzuschließen.

Günstigster Preis mit Innenkabine

Der Preis einer Kreuzfahrt richtet sich maßgeblich nach der Kabinenkategorie. Außenkabinen sind teurer, Innenkabinen in der Regel am günstigsten. Alleinreisende zahlen oftmals noch einen Aufschlag. Im Pauschalpreis sind in der Regel neben der Kabine noch Vollpension sowie viele Sport- und Unterhaltungsprogramme enthalten. Getränke, Trinkgelder, Wellnessangebote und Ausflüge gehen oft extra.

Trinkgeld darf nicht ohne Zustimmung des Passagiers abgebucht werden

Nach einem Urteil des Oberlandesgerichts Koblenz vom 14. Juni 2019 (Az. 2 U 1260/17) dürfen Kreuzfahrtanbieter von Gästen nicht pauschal Trinkgeld abbuchen, ohne dass diese ausdrücklich zugestimmt haben. Geklagt hatte die Verbraucherzentrale. Im konkreten Fall hatte ein Kreuzfahrtanbieter pauschal zehn Euro pro Person und Nacht als Trinkgeld vom Konto der Reisenden abgebucht. Die Kunden hätten das Trinkgeld selbst an der Rezeption kürzen oder streichen müssen.

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Rechte auf Kreuzfahrten

Welche Rechte Kunden auf einer Kreuzfahrt haben, wenn das Schiff beispielsweise überbucht ist oder verspätet ankommt, hat die Verbraucherzentrale hier zusammengestellt. Urlauber sollten immer alle Rechnungen aufheben, so ist es später möglicherweise einfacher, Entschädigungen zu erhalten.

Die beste Reisezeit für Kreuzfahrten

Reisen ins Mittelmeer sind von April bis Oktober am besten. Wer in der Karibik eine Kreuzfahrt unternehmen möchte, sollte zwischen November und Mai reisen. Für Nord- und Ostsee eignet sich der Zeitraum Mai bis September am besten.

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