Brötchentüten und Plakate stehen vor einem Gebäude. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/Lucas Bäuml/dpa)

Ab 1. Januar Kassenzettel überall Das steckt hinter der Kassenbon-Pflicht

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Einen Kassenbon für eine Kugel Eis oder einen Espresso – das kennen viele aus dem Urlaub, zum Beispiel in Italien. Ab 2020 kommt auch in Deutschland der Bon-Zwang. Wir erklären, warum.

Am 1. Januar tritt ein neues Kassengesetz in Kraft: Egal, ob beim Friseur, beim Döner-Imbiss oder beim Bäcker, in Zukunft müssen Verkäufer oder Dienstleister immer einen Kassenbon ausstellen.

Deshalb kommt die Pflicht zum Kassenzettel

Das große Ziel ist, die Steuerhinterziehung zu bekämpfen. Zehn Milliarden Euro an Steuergeldern werden laut Bundesrechnungshof jedes Jahr in Deutschland an Geschäftstheken hinterzogen. Der Bund hat diesem Schwarzgeld vor ein paar Jahren den Kampf angesagt und ein umfangreiches Maßnahmenpaket verabschiedet. Da gehört die Bon-Pflicht dazu, sie ist aber nur eine von diesen Maßnahmen. Das Bundesfinanzministerium geht davon aus, dass Steuerermittler, die vor Ort – im Geschäft oder etwa in einem Friseurladen – eine Überprüfung durchführen, leichter herausfinden können, ob die Kasse stimmt, wenn an die Kunden verbindlich ein Kassenbon ausgegeben worden ist.

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Sendedatum
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19:30 Uhr
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SWR Fernsehen BW

Handel und Dienstleistungsbranche kritisieren doppelte Maßnahmen

Die Händler und Dienstleister sind allerdings skeptisch. Sie glauben, dass keine Bon-Pflicht nötig ist, um das überprüfen zu können. Denn, ebenfalls ab dem kommenden Jahr, müssen deutschlandweit alle Geschäfte ihre Kassen mit einem neuen System ausrüsten – technische Sicherheitseinrichtung heißt das. Das soll alle Verkaufsvorgänge fälschungssicher in der Kasse aufzeichnen. Allerdings gibt es damit noch Probleme, deshalb wurde die Frist für diesen Systemwechsel auf Ende September 2020 verschoben. Ursprünglich sollte das bereits zum 1. Januar kommen.

Deshalb sagt etwa der Handelsverband Rheinland-Pfalz und auch die Landesbäckerinnung, das sei dann doppelt gemoppelt. Wenn in den Kassen bereits jede verkaufte Brezel oder jeder Döner gespeichert ist, brauche es nicht zusätzlich noch die Bon-Pflicht.

Kassenbon-Pflicht contra Nachhaltigkeit

Der nächste Kritikpunkt: Zwei Millionen Kilometer sollen diese zusätzlich benötigten Kassenbons aneinandergereiht im Jahr lang sein. Das hat der Handelsverband Deutschland berechnet. Damit könnte man die Erde 50 Mal am Äquator umwickeln. Es fällt also eine Menge Müll an.

Zudem bestehen diese Kassenbons nicht aus normalem Papier. Sie müssen in den gelben Sack oder in den Restmüll, weil die Papierbeschichtungen Chemikalien wie Bisphenol A enthalten, die in unseren Hormonhaushalt eingreifen. Also ist diese Bon-Pflicht weder nachhaltig noch sonderlich gesund.

Ausnahmen vom Zwang zum Kassenbon

Wer keine elektrische Kasse hat, zum Beispiel sehr kleine Läden, Vereine und Weihnachts- oder Wochenmarktbeschicker müssen weiterhin keine Kassenbons ausgeben. Außerdem können sich kleinere Geschäfte mit einer großen Laufkundschaft von der Bonpflicht befreien lassen, wenn die Ausgabe eine unzumutbare Belastung darstellt.

Die Bäckerinnung in Rheinland-Pfalz etwa hat eine solche Härtefall-Genehmigung jetzt pauschal für alle Bäckereien der Innung beim rheinland-pfälzischen Finanzministerium beantragt. Das hat Geschäftsführer Stefan Körber dem SWR mitgeteilt.

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