An einem Bahnhof warten viele Züge am Bahnsteig, schemenhaft sind Passanten zu erkennen. (Foto: SWR)

Die Top 5 der größten Probleme Woran es bei der Bahn am meisten hakt

Zu spät, zu voll, unfreundlich. Über die Bahn und ihr Personal wird viel geschimpft. Doch was sind die strukturellen Ursachen dafür, dass bei der Bahn vieles hakt?

Dauer

Problem Nummer 1: Die Infrastruktur

Das Schienennetz in Deutschland ist komplett überlastet, für zusätzliche Züge ist auf den bestehenden Strecken kaum mehr Platz. Doch immer mehr Menschen wollen mit der Bahn fahren: Rund 148 Millionen Fahrgäste waren im vergangenen Jahr mit Fernverkehrszügen unterwegs – so viele wie noch nie. Um den Massenansturm der Passagiere bewältigen zu können, wären dringend neue Gleise und Strecken nötig. Das Schienennetz muss schnell ausgebaut und alte Strecken reaktiviert werden. Damit das schnell klappt, müsste die Politik allerdings die Planungsprozesse beschleunigen.

Problem Nummer 2: Die Züge

Das größte Ärgernis für die meisten Bahnreisenden sind die nicht enden wollenden Verspätungen. Ein Grund dafür ist der Zustand der Züge: Viele Wagons und Triebwagen sind stark veraltet – und deshalb sehr störanfällig. Als vollkommen funktionsfähig gelten nur 20 Prozent der ICE. Vor allem mit defekten Klimaanlagen und kaputten Toiletten hatte die Bahn in den vergangenen Jahren zu kämpfen. Zwar hat das Unternehmen reagiert und neue Züge bestellt – allerdings dauert es, bis die dann auch einsatzbereit sind.

Problem Nummer 3: Der Personalmangel

Immer häufiger mussten in den vergangenen Monaten Züge gestrichen werden, weil kein Personal verfügbar war. Laut der Lokführergewerkschaft GDL fehlen in Deutschland zur Zeit 1.500 Lokführer. Auch Zugbegleiter, Fahrdienstleiter oder Bauingenieure werden dringend gesucht. Letztere braucht es unbedingt, um die notwendigen neuen Strecken bauen zu können.

Ein ICE fährt an einer Baustelle an einem Sandhaufen vorbei, im Vordergrund ist rot-weißes Absperrband zu sehen. (Foto: dpa Bildfunk, Picture Alliance)
Ein Haufen Probleme: Ein ICE passiert eine Baustelle in Norddeutschland. Picture Alliance

Experten sagen, dass die Bahn beim Ringen um Fachkräfte viel zu lange geschlafen habe. Dennoch hat das Unternehmen angekündigt, allein in diesem Jahr 22.000 neue Mitarbeiter einzustellen. Ob das gelingt, ist fraglich. Der Arbeitsmarkt für Fachkräfte in Deutschland ist zur Zeit leergefegt.

Problem Nummer 4: Der Verwaltungsapparat

Die rechte Hand weiß nicht, was die linke tut – dieser Satz fällt immer wieder, wenn man sich mit Mitarbeitern der Deutschen Bahn unterhält. Der Konzern hat verschiedene Führungsebenen, die sich teilweise überlappen. Deshalb dauert es relativ lange, bis Entscheidungen getroffen werden. Dieses hohe Ausmaß an Bürokratie innerhalb des Konzerns kritisieren viele Mitarbeiter.

Problem Nummer 5: Die Politik

Für die Bundesregierung hatte die Autobranche in den vergangenen Jahren Priorität: Der Straßenbau-Etat wurde immer weiter erhöht. Im Gegenzug wurde der Schienenverkehr kaum beachtet. Für viele Kritiker gab es viel zu wenig finanzielle Unterstützung von der Politik für den Zugverkehr. Mittlerweile hat in Berlin zwar teilweise ein Umdenken stattgefunden, doch bis der Geldbeutel für die Schiene geöffnet wird, dauert es noch.

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