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Shida Bazyar stellt ihren Roman „Drei Kameradinnen“ vor, der vom außergewöhnlichen Bündnis dreier Frauen erzählt. Erfolgsautor Daniel Kehlmann trifft sich mit Denis Scheck in Berlin und hat "drei Bücher seines Lebens" mit dabei.

Shida Bazyar: „Drei Kameradinnen“

Hani, Kasih und Saya sind zusammen in einer Siedlung aufgewachsen, in der die wohnen, die nicht wirklich dazugehören. Nach Jahren treffen sie sich wieder, um an alte Zeiten anzuknüpfen. Aber ihre Zusammenkunft wird von einem dramatischen Ereignis überschattet – und der Frage, was Saya damit zu tun hat.

„Drei Kameradinnen“ - Die literarische Überraschung in diesem Jahr

Shida Bazyar schreibt über die Spannungen und Ungeheuerlichkeiten der Gegenwart – und über die tiefe Freundschaft dreier junger Frauen. Frauen wie Hani, Kasih und Saya werden immer nach ihrer Herkunft gefragt. Und dann wundert man sich, dass sie so gut deutsch sprechen. Alltägliche Diskriminierung, das ist ihre gemeinsame Erfahrung. In einer Gesellschaft, die keine Andersartigkeit zu dulden scheint, gibt ihre Freundschaft den drei Frauen Halt.

Kompromisslos und berührend erzählt Shida Bazyar, wie sich der Gewalt und Ignoranz mit Solidarität begegnen lässt. Sie ist eine Expertin für die Macht und die Mechanismen des Schwarz-Weiß-Denkens. Bissig, polemisch, selbstironisch und witzig, zugleich auf ernsthafte Weise zeigt sie den Leserinnen und Lesern, wie Menschen dazu neigen, andere Menschen in Schubladen zu sperren.

„Shida Bazyars Roman ist ein literarisches Sensibilisierungsprogramm - ein starker Roman.“

Denis Scheck in „lesenswert“

Die Autorin:

Shida Bazyar wurde 1988 in einer Kleinstadt im Hunsrück geboren. Ihre Eltern mussten aus dem Iran fliehen, wo sie der kommunistischen Widerstandsbewegung gegen den Schah angehörten. Sie studierte Literarisches Schreiben in Hildesheim bevor sie nach Berlin zog.

Für Ihren 2016 erschienenen Debütroman „Nachts ist es leise in Teheran“ wurde sie mehrfach ausgezeichnet. Ihr gelang mit der deutsch-iranischen Familiengeschichte auf Anhieb der literarische Durchbruch.
Heute arbeitet sie halbtags als Bildungsreferentin und die verbleibende Zeit als Autorin. „Drei Kameradinnen“ ist Shida Bazyars zweiter Roman.

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Daniel Kehlmann: Mein Leben in drei Büchern

Denis Scheck hat sich mit „einem der bedeutendsten, weil sprachmächtigsten und einfallsreichsten Gegenwartsautoren“, mit Daniel Kehlmann, im Tiergarten Berlin getroffen. Bei einer Bootspartie im Neuen See sprechen sie über drei für Daniel Kehlmann und sein Schreiben besonders wichtige Bücher.

Daniel Kehlmann schrieb mit „Die Vermessung der Welt“ einen der erfolgreichsten Romane der deutschen Gegenwartsliteratur. In der Rubrik "Mein Leben in drei Büchern" spricht er mit Denis Scheck über diese Bücher:

  • „Nachts unter der steinernen Brücke", der Roman des vergessenen Schriftstellers Leo Perutz,
  • Arthur Schopenhauers „Die Welt als Wille und Vorstellung“, das Kehlmann mit 16 Jahren entdeckte und
  • „Fahles Feuer“ von Vladimir Nabokov.

Leo Perutz: Nachts unter der steinernen Brücke

„Wie kann ein so fantastischer Roman so in Vergessenheit geraten? Es ist ein unglaublich gutes Buch!“

Denis Scheck in „lesenswert“

Für Daniel Kehlmann ist der österreichische Erzähler und Dramatiker Leo Perutz neben Thomas Mann der Schriftsteller, der ihn am meisten geprägt hat. Seine Bücher, die er in der Bibliothek seiner Eltern fand, so Kehlmann, beeinflussten seine Romane „Ruhm“ und „Tyll“.

Kehlmanns Großvater, der ebenfalls Schriftsteller war, kannte Leo Perutz noch persönlich. Sein Vater Michael war Regisseur und nahm in den 80er Jahren Kontakt zu Leo Perutz‘ Witwe auf und erhielt dadurch noch Bücher von Perutz, die er zum Teil verfilmen ließ.

Zwischen dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg war Perutz einer der meistgelesenen Autoren deutscher Sprache. Sein Werk umfasst Romane, Erzählungen, Theaterstücke und Reiseberichte und wurde in über 20 Sprachen übersetzt. Er stammte aus einer jüdischen Familie, lebte in Wien und floh 1938 nach Palästina. Dort erst beendete er seinen Roman „Nachts unter der steinernen Brücke“, den er 1924 in Wien begonnen hatte.

Das literarische Werk von Leo Perutz geriet im deutschen Sprachraum in Vergessenheit. Inzwischen ist es im Zsolnay Verlag und bei dtv neu aufgelegt worden.

Arthur Schopenhauer: Die Welt als Wille und Vorstellung

„Mit sechzehn entdeckt - eine reine Sprachdroge!“

Daniel Kehlmann in „lesenswert“

Arthur Schopenhauers Hauptwerk „Die Welt als Wille und Vorstellung“ erschien 1819. Darin kommt Schopenhauer zu dem Schluss „Die Welt ist meine Vorstellung“. Das heißt, alles, was wir über die Welt und die in ihr existierenden Objekte wissen können, erfahren wir ausschließlich über unsere Sinne. So können wir niemals sagen, ob etwas in Wirklichkeit so oder so ist, sondern nur, dass es uns so erscheint.

Daniel Kehlmann hat Schopenhauer mit 16 Jahren gelesen und war vollkommen überwältigt von dessen Sprachkraft: Es sei eine lebensverändernde Erfahrung für ihn gewesen und deswegen habe er später Philosophie studiert. Außerdem sei Schopenhauer für ihn der „literarischste“ unter den großen Philosophen gewesen.

Vladimir Nabokov: Fahles Feuer

„Fahles Feuer“ ist Nabokovs vierzehnter Roman und erschien 1962. In Deutschland wurde dieser Roman erst im Rahmen der Nabokov-Gesamtausgabe 2008 bekannt, die von Dieter E. Zimmer neu editiert wurde.

„Es ist ein experimenteller Roman und gleichzeitig ein unglaublich vergnüglicher Roman.“

Daniel Kehlmann in „lesenswert“

Der Roman erzählt eine verwirrende Geschichte: ein 999 Zeilen langes Gedicht mit dem Titel „Fahles Feuer“ wird von einem Lyriker und Literaturprofessor nicht beendet, da dieser vorher erschossen wird. Der Herausgeber des Gedichts verrennt sich immer mehr in seinem Kommentar, kommt immer mehr vom Gedicht ab und stellt wirre Behauptungen auf: ein aberwitziges Verwirrspiel.

„Es ist der ultimative Literaturkrimi schlechthin. Ein wunderbarer Schmöker.“

Denis Scheck in „lesenswert“

Daniel Kehlmann ist von der sprachlichen Schönheit  beeindruckt, die in zwei sprachlich verschiedenen Systemen zum Ausdruck kommt: der kühlen Eleganz des Gedichts und der glühenden Aberwitzigkeit des Kommentars. „Ich hab‘ das Buch entdeckt, als ich anfing, selbst ernsthaft literarisch zu schreiben.“

Der Autor:

Daniel Kehlmann wurde 1975 in München geboren und wuchs in Wien auf. Dort studierte er Philosophie und Germanistik. 2003 gelang ihm mit „Ich und Kaminski“ der internationale Durchbruch als Schriftsteller. 2005 erschien „Die Vermessung der Welt“, der meistverkaufte deutschsprachige Roman der Nachkriegszeit, der in 47 Sprachen übersetzt wurde. Es folgten die Romane „Ruhm“ und 2017 „Tyll“, ein weiterer Megaseller.

Für seine Arbeit als Schriftsteller wurde Kehlmann mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Außerdem ist er als Essayist, Literaturkritiker und Drehbuchautor tätig und lehrt als Dozent für Poetik an verschiedenen Universitäten.

Daniel Kehlmann zog 2015 nach New York und lehrte deutsche Literaturgeschichte an der New York University. Seit 2020 lebt er mit seiner Familie in Berlin.

Gespräch Shida Bazyar - Drei Kameradinnen

Sie heißen Saya, Hani, Kasih und sind in Deutschland aufgewachsen. Aber ihre ethnische Herkunft und ihr „Anderssein“ sind immer Thema. Ein kluger und bewegender Roman über Freundschaft, Alltagsrassismus und rechten Terror.
Anja Brockert im Gespräch mit Maike Albath.
Verlag Kiepenheuer&Witsch, 352 Seiten, 22 Euro
ISBN: 978-3-462-05276-3  mehr...

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Buch der Woche am 09.10.2017 Daniel Kehlmann: Tyll

Rowohlt Verlag

496 Seiten

22,95 Euro  mehr...

Literatur Die erste Stuttgarter Zukunftsrede: Autor Daniel Kehlmann und sein Algorithmus-Experiment

Vor einem Jahr wurde der Schriftsteller Daniel Kehlmann ins Silicon Valley eingeladen, um zusammen mit einer künstlichen Intelligenz eine Kurzgeschichte zu verfassen. In der ersten Stuttgarter Zukunftsrede berichtet der Autor von seinen Erfahrungen im Umgang mit dem Algorithmus, ob eine künstliche Intelligenz Geschichten erfinden kann. Kehlmanns Rede ist der Auftakt einer neuen Reihe, der Stuttgarter Zukunftsrede, in der sich Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Literatur, Kultur und Politik Gedanken zur Zukunft machen.  mehr...

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