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Der junge Bestsellerautor Benedict Wells stellt seinen neuen Roman vor: „Hard Land“ ist eine Zeitreise in die 80er Jahre und erzählt vom Erwachsenwerden. Das erfolgreiche SWR3 Moderatorenduo Sascha Zeus und Michael Wirbitzky ist zu Gast in „Unser Leben in vier Büchern“.

Benedict Wells ist ein Shootingstar unter den jüngeren Autoren. Die Leserinnen und Leser lieben ihn. Er schreibt unterhaltsam, lebensnah, einfühlsam, aber niemals gefühlig und seicht.

Im Gespräch mit Denis Scheck über „Hard Land“ erzählt er von sich und wie das Buch entstand. Benedict Wells wurde Corona-bedingt aus dem Literaturhaus Zürich zugeschaltet. Sie sehen das ungekürzte Gespräch aus der Sendung „lesenswert“.

„Ein spektakulärer Roman! Unbedingt lesen!“

Der Roman „Hard Land“ von Benedict Wells handelt von Verlust, Trauer, Einsamkeit und der Suche nach Seelenverwandten. Die Handlung spielt in den USA, in Missouri. Der Held ist der 15-jährige Sam. Ein Außenseiter, einer ohne Freunde, ohne Freundin. Die Mutter leidet an Krebs, der Vater ist überfordert und unbeholfen.

Aber dann nimmt Sam in diesem heißen Sommer einen Ferienjob in einem Kino an. Er verliebt sich, er findet Anschluss an eine coole Clique. Es scheint, als würde das Kino Träume erfüllen. Aber sie enden nicht notwendig mit einem Happy End.

Geplante Lesetour mit Benedict Wells im Herbst

Wegen Corona wurde die geplante Lese- und Musiktour mit dem Musiker Jacob Brass in den Herbst verschoben. Benedict Wells hat seiner Roman-Hommage an die 1980er Jahre drei Playlists an die Seite gestellt, die den Soundtrack der Geschichte bilden und die er auf Youtube und Spotify sowie auf der Webseite des Romans publiziert.

Autor:
Benedict Wells wurde 1984 in München geboren, verbrachte einige Jahre in Barcelona und lebt heute in Zürich. Nach dem Abitur, mit 19 Jahren, beschloss er, Schriftsteller zu werden und begann sofort mit dem Schreiben. Seinen Lebensunterhalt bestritt er mit verschiedenen Nebenjobs.

Es dauert vier Jahre, dann wurde er mit 23 Jahren der jüngste Autor bei Diogenes. Mit „Fast genial“ eroberter er 2011 die Spiegel-Bestseller-Liste. 2016 schrieb er seinen bisher erfolgreichsten Roman: „Vom Ende der Einsamkeit“ wurde von den Unabhängigen Buchhändlern zum „Buch des Jahres“ gewählt und stand anderthalb Jahre auf der Bestsellerliste.

Zeus & Wirbitzky

Michael Wirbitzky und Sascha Zeus haben 1989 angefangen, zusammen zu moderieren. Zunächst sporadisch, dann seit 1996 regelmäßig gemeinsam Frühsendungen im Radio, seit 1998 die Morningshow in SWR3.

Außerdem sind die beiden zu Nicht-Corona-Zeiten mit ihrer Bühnenschow auf Tour – als Dandy van Dünkel (Sascha Zeus) und Peter Gedöns (Michael Wirbitzky).

„Wir gehen jeden Tag in den Gag-Steinbruch und schlagen frische Scherze aus dem Fels.“

Bei Denis Scheck in "lesenswert" stellen die beiden Wortakrobaten ihre Schlagfertigkeit zunächst beim Fragebogen unter Beweis, berichten von ihrer Arbeit und stellen im (ungekürzten) Gespräch in der Rubrik „Unser Leben in vier Büchern“ jeweils zwei Bücher vor, die sie geprägt haben oder die von großer Bedeutung in ihrem Leben waren. Sie tauschen sich nach wie vor über Bücher aus, die sie gerade lesen.

Die beiden Lebensbücher von Sascha Zeus:

J.R.R. Tolkien: Der Herr der Ringe
Der Roman um den Planeten Mittelerde erschien 1969/1970 erstmals in deutscher Übersetzung. Sascha Zeus hat ihn mit zwölf Jahren gelesen (Michael Wirbitzky: „Er will ja nur angeben, dass er mit zwölf schon lesen konnte!“), weil ihm seine Schwester die drei dicken Bände schenkte, damit er nicht mehr so viel redete. Sascha Zeus fing an zu lesen, wurde von der Geschichte förmlich aufgesogen – einfach großartig! – blieb dran bis zum Schluss.

Cormac McCarthy: Die Abendröte im Westen
Sascha Zeus gefällt die emotionslose Darstellung ohne Wertung von Gewalt, die Cormac McCarthys Roman auszeichnet. „Die Abendröte im Westen“ spielt Mitte des 19. Jahrhunderts während der Indianerkriege und ist an die historischen Ereignisse angelehnt. Eine Gruppe von Skalpjägern ist unterwegs, um Land zu erobern: „Brutaler geht’s nicht“, meint Sascha Zeus.

Auf der anderen Seite enthält der Roman großartige Landschaftsbeschreibungen, „dass man meint, man stehe mittendrin“. McCarthy rechnet hier mit der Romantik des Wilden Westens ab. Denis Scheck: „Der Anti-Winnetou schlechthin.“ – Michael Wirbitzky kann Bücher mit solch expliziten Gewaltdarstellungen nicht lesen.

Die beiden Lebensbücher von Michael Wirbitzky:

Antonio Tabucchi: Erklärt Pereira
Der Roman spielt im Sommer 1938 in Lissabon unter der faschistischen Salazar-Diktatur. Der Protagonist, Pereira, lebt zurückgezogen als Kulturredakteur, der Nachrufe auf Menschen verfasst. Ein unauffälliger Zeitgenosse, der dann doch ins Visier der Geheimpolizei gerät.

Michael Wirbitzky hat das Buch erstmals in den 90er Jahren gelesen und vor kurzem erneut noch einmal. Und er ist immer noch fasziniert von der Langsamkeit des Romans, aus der heraus sich dann zum Ende hin eine Dynamik entwickelt: Pereira muss etwas gegen die politische Entwicklung in Lissabon tun und wird am Schluss zum Helden.

Wolf Haas: Der Brenner und der liebe Gott
1996 veröffentliche der österreichische Schriftsteller Wolf Haas mit „Auferstehung der Toten“ den ersten der acht Brenner-Krimis. „Der Brenner und der lieb Gott“, der siebte Brenner-Krimi, erschien 2009, nachdem eigentlich im sechsten Brenner-Krimi angekündigt wurde, nun sei Schluss.

Michael Wirbitzky ist begeistert, wie es Haas gelang, die Fortsetzung der Brenner-Krimis plausibel zu machen. Auch Sascha Zeus liebt die Romane von Wolf Haas. Beide sind von der Art sehr angetan, wie Haas auf hoch intelligente Weise die Leser*innen anspricht und fesselt.

Die Empfehlung von Denis Scheck - Dana Grigorcea: „Die nicht sterben“

"Selten wurde die psychologische Motivation eines wohlmeinenden Massenmörders feiner seziert als in Dana Grigorceas Roman „Die nicht sterben“. Ihr gelingt mit überzeugender Sprachgewalt, atmosphärisch dicht und beobachtungsstark ein Porträt der osteuropäischen Malaise im Spiegel des Dracula-Mythos. Für mich war es Liebe auf den ersten Biss!", so Denis Scheck in seiner Buchempfehlung.

Eine junge Bukarester Malerin kehrt nach ihrem Kunststudium in Paris in den Ferienort ihrer Kindheit zurück. Die kleine Stadt B. liegt in der Walachei, südlich von Transsilvanien. Dort hat sie bei ihrer großbürgerlichen Großtante Margot unter Kronleuchtern und auf Perserteppichen die Sommerferien verbracht. Eine Insel, auf der die kommunistische Diktatur etwas war, das man verlachen konnte.

Inzwischen ist der Kommunismus Vergangenheit und B. hat seine besten Zeiten hinter sich. Für die Künstlerin ist es eine Rückkehr in eine fremd gewordene Welt, mit der sie nur noch wenige enge Freundschaften und die Fäden ihrer Familiengeschichte verbinden.

Als auf dem Grab Vlad des Pfählers, als Dracula bekannt, eine geschändete Leiche gefunden wird, begreift sie, dass die Vergangenheit den Ort noch nicht losgelassen hat. Die Geschichte des grausamen Fürsten will sie erzählen, denn die Geister der Vergangenheit sind noch immer lebendig...

Die Autorin:
Dana Grigorcea, geboren 1979 in Bukarest, studierte Germanistik und Nederlandistik. Sie lebt mit ihrer Familie seit vielen Jahren in Zürich. Der bereits erschienene Roman "Das primäre Gefühl der Schuldlosigkeit" sowie ihre Novelle "Die Dame mit dem maghrebinischen Hündchen", wurden in mehrere Sprachen übersetzt und vielfach ausgezeichnet, u.a. mit dem 3sat-Preis beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb.

Buch der Woche Benedict Wells - Hard Land

Sommer 1985 in Grady, Missouri. Der fast 16-jährige Sam, bisher ein Außenseiter, findet endlich Freunde, ist zum ersten Mal verliebt und feiert wilde Partynächte. Doch dann stirbt seine Mutter an Krebs.
Diogenes Verlag, 352 Seiten, 24 Euro
ISBN: 978-3-257-07148-1  mehr...

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Gespräch Benedict Wells spricht über seinen neuen Roman Hard Land - und berühmte Teenagerfilme der 80er

Nach dem großen Erfolg von „Vom Ende der Einsamkeit“ meldet sich Benedict Wells mit einem neuen Buch zurück. Im lesenswert Gespräch erklärt er, warum ihn Coming of age Romane auch mit Ende 30 immer noch reizen und was ihn an den berühmten Teenagerfilmen der 80er so fasziniert.
Theresa Hübner im Gespräch mit dem Autor.
Diogenes Verlag, 352 Seiten, 24 Euro
ISBN: 978-3-257-07148-1  mehr...

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Buchkritik Benedict Wells - Die Wahrheit über das Lügen

Nach seinem Erfolgsroman „Vom Ende der Einsamkeit“ legt Benedict Wells nun einen Band mit zehn Erzählungen vor. Sie handeln von Ehekrisen und existentiellen Grenzsituationen.| Diogenes Verlag, 256 Seiten, 22 Euro.| Rezension von Christoph Schröder.  mehr...

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