lesenswert mit Denis Scheck

lesenswert Quartett

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Denis Scheck

Im "lesenswert" Quartett ist die Kulturwissenschaftlerin, Journalistin und Autorin Mithu Sanyal zu Gast bei Denis Scheck, Insa Wilke und Ijoma Mangold. Einer Bahnverspätung geschuldet diskutieren sie zuerst zu dritt, dann zu viert über Bücher von Anuk Arudpragasam, Josephine Tey, Hernan Diaz und Mariam Kühsel-Hussaini.

Anuk Arudpragasam: Nach Norden

In der Stadt Colombo im Süden Sri Lankas erfährt Krishan, dass die Haushälterin seiner Großmutter tot aufgefunden wurde. Gleichzeitig erhält er eine Nachricht von seiner ehemaligen Geliebten aus Delhi. Zur Beerdigung reist Krishan in den Norden und erzählt dabei vom zerstörerischen Bürgerkrieg, sichtbar gemacht in der veränderten Landschaft.

Gleichzeitig sieht er sich auch mit seiner eigenen Vergangenheit, seinem Trauma und seinen Sehnsüchten konfrontiert.

Mit fließender Sprache präsentiert Anuk Arudpragasam einen Versuch, mit einem Leben zurechtzukommen, das von Zerstörung durchzogen ist.


Josephine Tey: Alibi für einen König

Der Fall, den Inspector Alan Grant neu aufrollen will, ist überaus populär: Es geht um einen Erzschurken der englischen Geschichte – Richard III. ist spätestens seit Shakespeares Drama als Prinzenmörder verschrien.

Nach dem Tod des englischen Königs Edward IV. im Jahr 1483 ließ sein Bruder Richard dessen Söhne in den Tower of London sperren. Dann stieg er selbst auf den Thron. Die beiden Prinzen wurden nie wieder gesehen. Hat Richard sie ermorden lassen?

Alan Grant will das nicht glauben und begibt sich in seinem Krankenbett liegend auf Spurensuche.

Hernan Diaz: Treue

New York in den 1920ern: Benjamin Rask macht an der Börse ein riesiges Vermögen, während seine Ehefrau Helen auf mysteriöse Weise erkrankt und verstirbt.

Im zweiten Teil des Romans lesen wir ein autobiographisches Skript von Bowell, welches eine erschreckend ähnliche Geschichte beschreibt. Zwei weitere Male, in einem Tagebuch und einem geheimen Journal, wird die Geschichte aus neuen Perspektiven ausgerollt.

In den vier in sich verstrickten Teilen wirft Hernan Diaz einen spannenden Blick auf Geld, Kunst und die Suche nach Wahrheit.

Mariam Kühsel-Hussaini

Emil Cioran kommt im November 1933 mit einem Stipendium der Humboldt-Stiftung nach Berlin. Dort wird er von Otto Krause, Medizinstudent und begeisterter SA-Anführer, empfangen. Emil berichtet von seinem Leben in Berlin, der sehr präsenten Gewalt und Begeisterung dafür.

Gleichzeitig versucht Rudolf Diehls, erster Anführer der Gestapo, einen rechtsstaatlichen Nationalsozialismus aufzubauen.

Cioran und Diehls, die sich beide nicht komplett dem System ergeben, müssen auf verschiedene Weise mit dieser Enttäuschung leben.

Buchkritik Hernan Diaz - In der Ferne

Kalifornien in Zeiten des Goldrausches: Im Gegensatz zu anderen Kolonisten sucht der gebürtige Schwede Håkan kein Gold, sondern seinen Bruder. Auf seinem Weg begegnen ihm Gier, Missgunst und Gewalt. Mit "In der Ferne" hat Hernan Diaz einen beeindruckenden philosophischen Abenteuerroman auf den Spuren von Herman Melville geschrieben.
Rezension von Tino Dallmann.
von Hannes Meyer ins Deutsche übersetzt
Hanser Verlag Berlin, 304 Seiten, 24 Euro
ISBN 978-3-446-26781-7  mehr...

SWR2 lesenswert Kritik SWR2

Gespräch Mithu Sanyal: „Wir werden weiter gendern und uns weiter darüber aufregen und auch das ist fein."

Wenn Menschen am Gendern Kritik üben, dann meinen sie in der Regel nicht „Du sollst nicht gendern!“, sondern „Jetzt kann ich es schon wieder falsch machen", erklärt die Autorin Mithu Sanyal. Sprache sei etwas Intimes, Sprache sei dafür da, Kontakt herzustellen, und wenn einem gesagt werde, „Du hast falsch geredet“, dann sei das ein Kontaktabbruch, und der schmerzt. Diese Reaktion könne sie nachvollziehen und sie habe das Gefühl, wir alle sollten beim Thema Gendern etwas milder miteinander umgehen. Eine einheitliche Regelung wäre sicher eine Entlastung, meint Mithu Sanyal, aber auch eine Illusion, weil Sprache sich immer weiterentwickle. Der gesellschaftliche Streit ums Gendern sei insgesamt ein gutes Zeichen und wenn der Streit produktiv sei, auch wichtig für die Demokratie. Dass die Debatte uns auch 2022 erhalten bleibe, sei für sie auch ein Zeichen, dass gendergerechtes Sprechen sich langfristig durchsetze, so Mithu Sanyal.  mehr...

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Zeitgenossen Die Kulturwissenschaftlerin und Journalistin Mithu Sanyal

Im Gespräch mit Silke Arning  mehr...

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Büchersendung lesenswert mit Denis Scheck

In der Büchersendung „lesenswert“ im SWR Fernsehen stellt Denis Scheck Autoren und ihre Bücher im Gespräch vor.  mehr...

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