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Steckt unsere Demokratie in der Krise? Die Historikerin Hedwig Richter antwortet darauf in ihrem Buch „Demokratie – eine deutsche Affäre“. Kristof Magnussons „Ein Mann der Kunst“ ist eine Satire auf den Kulturbetrieb rund um einen berühmten Maler.

Ob unsere Demokratie wirklich in der Krise steckt, beantwortet die Historikerin Hedwig Richter in ihrem neuen Buch „Demokratie – Eine deutsche Affäre“. Dabei seziert sie die Geschichte der Demokratie am Beispiel Deutschlands.

Demokratie – ein Projekt der Eliten?

Hedwig Richter ist Professorin an der Universität der Bundeswehr in München und so etwas wie der Shootingstar der deutschen Geschichtswissenschaft. Ihr Schwerpunkt ist Demokratiegeschichte. Und davon handelt auch ihr neues Buch: "Demokratie - Eine deutsche Affäre".

Ihre provokante These: Demokratie entsteht nicht durch den Kampf der Unterdrückten und Einflußlosen um ihre Rechte, sondern ist ebenso sehr ein Eliten-Projekt. Demokratie von oben, könnte man das nennen. Und die unten waren gar nicht immer begeistert vom notwendigen demokratischen Engagement. Hedwig Richter erzählt eine Geschichte der Demokratie, aber es ist zugleich eine Liebeserklärung.

„Das Buch ‚Demokratie – Eine deutsche Affäre‘ von Hedwig Richter ist ein Bildungserlebnis“

Denis Scheck in lesenswert.

Es sieht gut aus mit der Demokratie

In ihrem Buch lässt sie die Geschichte der Demokratie in Europa und den USA Revue passieren. Sie spannt den Bogen vom 18. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Ihre optimistische Bilanz verblüfft: „Nimmt man die Geschichte ernst“, steht im Schlusskapitel ihres Buches, „dann sieht es gut aus mit der Demokratie. Die vielen Untergangsgesänge, die man ihr singt, und die Warnungen, die zu ihrem Schutze ausgesprochen werden, sollten eher als ein Symptom der demokratischen Vielfalt verstand werden und weniger als eine zutreffende Analyse.“

Die Autorin:
Hedwig Richter, 1973 geboren, ist Historikerin und Professorin für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität der Bundeswehr in München. Sie arbeitet vor allem in der Diktatur- und Demokratieforschung. Für ihr Buch „Demokratie – Eine deutsche Affäre“ wurde sie 2020 für „ein hervorragendes Werk in einer guten und verständlichen Wissenschaftssprache“ mit dem Anna-Krüger-Preis des Wissenschaftskollegs zu Berlin ausgezeichnet.

Magnussons „Männerhort“ wurde an über 100 Theatern gespielt

Der deutsch-isländische Schriftsteller Kristof Magnusson kann etwas, was nicht viele deutschsprachige Autoren können: Komödien schreiben. Sein Theaterstück „Männerhort“ wurde seit der Uraufführung am Bonner Schauspielhaus im Oktober 2003 inzwischen an über 100 Theatern im In- und Ausland gespielt und außerdem verfilmt.

Seine drei Romane wurden allesamt Bestseller. In seinem neuen Roman „Ein Mann der Kunst“ nimmt er kunstbeflissene Bürger*innen ebenso aufs Korn wie selbstverliebte Künstler.

Magnusson schreibt kluge, satirische, aber nicht bösartige Dialoge

Seit vielen Jahren versorgt der Schriftsteller Kristof Magnusson die deutschen Leser und Leserinnen mit gewitzten und klugen, satirischen, aber nicht bösartigen Dialogen. Nicht von ungefähr hat er als Theaterautor begonnen - und diese Herkunft merkt man auch seinen Romanen an. Es wird viel geredet - miteinander, übereinander und aneinander vorbei. Mal erzählt Magnusson vom Erwachsenwerden, mal von der Bankerszene, mal vom Literaturbetrieb.

Kunstfans treffen auf grummeligen, eitlen Künstler

Im neuen Roman „Ein Mann der Kunst“ steht, wie der Titel schon sagt, die Kunst im Mittelpunkt. Es geht um einen Künstler, um sein Image, um Bilder, den Kunstmarkt und vor allem um eins - die Kunstfans.

„Ein Buch, das einem die Liebe zur Kunst und zur Literatur zurückgeben kann.“

Denis Scheck in lesenswert

Von der Öffentlichkeit zurückgezogen, lebt der berühmte Maler KD Pratz auf einer Burg am Rhein. Als Kunstfreunde ihm ein Museum widmen wollen, macht er eine Ausnahme und empfängt sie für einen exklusiven Besuch in seinem Zuhause. So finden sich ein grummeliger, eitler Künstler und seine geschmeichelten Verehrer zusammen, die allerdings nach und nach die Beherrschung verlieren, als ihr Idol beginnt, ihnen die Unvollkommenheit der Welt und ihre eigene um die Ohren zu hauen…

Der Autor:
Der 1976 in Hamburg geborene Schriftsteller Kristof Magnusson ist Dramatiker, Romancier und ein höchst produktiver Übersetzer aus dem Isländischen. Sein Vater ist Isländer, seine Mutter Deutsche. Er machte zunächst eine Ausbildung zum Kirchenmusiker und studierte dann am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig und an der Universität in Reykjavik.

2005 debütierte er mit dem Roman „Zuhause“, ein Island-Hamburg-Roman und eine ungewöhnliche Liebes-, beziehungsweise Beziehungskomödie. „Ein Mann der Kunst“ ist sein vierter Roman.

Literatur Historikerin Hedwig Richter untersucht „Demokratie. Eine deutsche Affäre“

Es gibt in der deutschen Geschichtswissenschaft einen Trend: Sich die Kipppunkte der Vergangenheit hierzulande anzuschauen. Der neueste Versuch dazu kommt von der Münchner Historikerin Hedwig Richter. In „Demokratie. Eine deutsche Affäre vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart“ betrachtet sie die Herkunft des Staatswesens von heute. Ihre Hauptthese: Demokratie misst sich an der körperlichen Selbstbestimmung einer Gesellschaft — und die wuchs seit dem 18.Jahrhundert auch im Deutschen Reich stetig an.  mehr...

SWR2 am Morgen SWR2

Diskussion mit Hedwig Richter 150 Jahre deutsche Einheit - Was sollen wir feiern?

Das im Januar 1871 gegründete deutsche Kaiserreich war die Folge blutiger Kriege und steht heute für Demokratiefeindlichkeit und einen aggressiven Nationalismus, der zur Katastrophe des Ersten Weltkriegs führte  mehr...

SWR2 Forum SWR2

Gespräch Emanzipation im Schatten der Pickelhaube: Historikerin Hedwig Richter zu 150 Jahre Deutsches Kaiserreich

Im Januar 2021 jährt sich die Gründung des Deutschen Kaiserreichs zum 150. Mal. Der Blick zurück auf eine dunkle Zeit, in der Männer mit Pickelhauben ihr Unwesen trieben, sei unvollständig, meint die Historikerin Hedwig Richter im SWR2 Gespräch. In dieser Zeit beginne ebenso eine neue Geschlechterordnung sowie die politische Teilhabe der einfachen Bevölkerung.  mehr...

SWR2 Journal am Morgen SWR2

Literatur Kristof Magnusson, „Ein Mann der Kunst”

In einer Burg im Rheingau lebt zurückgezogen der Künstler KD Pratz. Er gilt zwar als schwierig im Umgang, aber auch als der berühmteste Künstler der Gegenwart. Als ihm das Museum Wendevogel aus Frankfurt einen eigenen Bau widmen will, muss nur noch der Förderverein des Museums dem Deal zustimmen. Deswegen begibt sich eine Reisegruppe in den Rheingau, um sich vom Künstler überzeugen zu lassen. In Kristof Magnussons Roman „Ein Mann der Kunst” treffen ein radikaler Künstler und seine sehr angepassten Fans aufeinander. Eine liebevolle Satire auf die Kunstwelt.  mehr...

SWR2 am Samstagnachmittag SWR2

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