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Daniel Cohn-Bendit erzählt "Mein Leben in drei Büchern". Mit Insa Wilke spricht Denis Scheck über drei Bücher der SWR Bestenliste

Als lebende Legende bezeichnet Denis Scheck seinen Gast, den deutsch-französischen Publizisten und Politiker Daniel Cohn-Bendit, der in diesem Jahr seinen 75. Geburtstag gefeiert hat.

Daniel Cohn-Bendit wurde 1945 in Montauban in Südfrankreich geboren. Seine jüdischen Eltern waren 1933 dorthin geflohen und hatten den Zweiten Weltkrieg in wechselnden Verstecken überlebt.

Als "Dany le Rouge" wurde er 1968 berühmt, weil er als Student den Pariser Maiaufstand anführte, weshalb er dann das Land verlassen musste. Er schloss sich in Frankfurt der Sponti-Bewegung an und machte sich für die Grünen stark. Von 1994 bis 2014 gestaltete er die Politik im Europaparlament abwechselnd als Abgeordneter der französischen und der deutschen Grünen.

"Daniel Cohn-Bendit hat einen großen Anteil daran, dass aus der Bundesrepublik Deutschland und aus Frankreich demokratischere, gerechtere und immer lebens- und liebenswertere Staaten wurden."

Denis Scheck in lesenswert

In "Mein Leben in drei Büchern" erzählt Daniel Cohn-Bendit, welche Rolle die Bücher von Jules Verne, Jonathan Littell und Hannah Arendt in seinem Leben gespielt haben. Aber auch um seine Leidenschaft für Fußball geht es. Seine Autobiographie heißt nicht umsonst "Unter den Stollen der Strand - Fußball und Politik, mein Leben".

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Bücher auf der SWR Bestenliste

Bücher von Mary MacLane, Virgina Woolf und Susanne Kerckhoff standen im ersten Halbjahr auf der SWR Bestenliste: eine fulminante Wiederentdeckung, eine Neuübersetzung und ein Briefroman, der 1948 erstmals erschien.

Denis Scheck und Insa Wilke sind Mitglieder der Jury uns sagen: diese Bücher sind lesenswert!

Mary MacLane: Ich erwarte die Ankunft des Teufels

Mary MacLane sorgte 1901 mit ihrem Buch in Amerika für einen Skandal. Ein erstaunliches Buch: die 19-Jährige aus einem Bergbaunest im amerikanischen Mittelwesten schreibt und veröffentlicht Sätze wie "Ich, neunzehn Jahre alt und im weiblichen Geschlecht geboren, werde jetzt, so vollständig und ehrlich wie ich kann, eine Darstellung von mir selbst verfassen. Mary MacLane, die in der Welt ihresgleichen nicht kennt." Selbstporträt oder Selbstinszenierung?

Das Buch enthält zwei Nachworte mit informativen Hintergrundtexten. Eines davon stammt von der Schriftstellerin und Übersetzerin des Buchs, Ann Cotton.

Virginia Woolf: Ein Zimmer für sich allein

Dieser Essay ist das bekannteste Buch Virginia Woolfs und es gehört zu den wichtigsten Texten der Frauenbewegung. Es erscheint in einer wunderschönen Leinen-Ausgabe, der Umschlag ist gestaltet mit einer Zeichnung von Virginia Woolfs älterer Schwester Vanessa Bell, einer berühmten Malerin und Designerin. Neu übersetzt wurde es von der Schriftstellerin Antje Rávic Strubel, die auch das Nachwort schrieb, in dem sie die visionäre Kraft dieses Textes herausarbeitet.

Susanne Kerckhoff: Berliner Briefe

Dieses Buch hat mich wirklich verblüfft: Die ganze Republik spricht im Moment über einen Text, 1948 zum ersten Mal erschienen, der klug analysierend die deutsche Schuld am Holocaust am Zweiten Weltkrieg reflektiert und den Faschismus im Blick hält.

Denis Scheck

Der Briefroman ist 1948 erstmals erschienen. Es sind fiktive Briefe einer jungen Frau, Helene, die sie aus dem Berlin der unmittelbaren Nachkriegszeit an einen jüdischen Jugendfreund schreibt, der im Exil in Frankreich den nationalsozialistischen Terror überlebt hat. - Susanne Kerckhoff, geboren 1918, war eine aufstrebende Schriftstellerin, wurde 1948 Feuilletonchefin der Berliner Zeitung und beging 1950 Selbstmord.

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