Bitte warten...

SENDETERMIN Fr, 27.11.2015 | 7:35 Uhr | SWR Fernsehen

Europa: Tschechische Republik Lednice

Fürstenpracht und Gartenkunst

Zwischen sanften Hügeln und bewaldeten Talauen an der Grenze zwischen Tschechien und Österreich liegt ein Gesamtkunstwerk verborgen, das Gebäude, Parklandschaft und freie Natur umfasst. Es ist das Werk der Fürsten von Liechtenstein, die sich im 14. Jahrhundert in den Orten Lednice (Eisgrub) und Valtice (Feldsberg) ansiedelten.

Monumentale Akzente

Monumentale Akzente

Diese Gutsherrschaft wurde zum Kernbereich ihrer ausgedehnten Besitzungen in Mähren, Böhmen und Schlesien, Österreich und dem Alpenrheintal. In Valtice erbauten sie ein Barockschloss und im sieben Kilometer entfernten Lednice eine Sommerresidenz. Den ganzen Gutsbezirk um die beiden Ortschaften herum betrachteten sie als eine natürliche Parklandschaft, die sie nach malerischen Gesichtspunkten umgestalteten.

Eine Landschaft, die zugleich eine Gutsherrschaft war, über 400 Jahre lang im Besitz der Fürsten von Liechtenstein.

Eine Landschaft, die zugleich eine Gutsherrschaft war.

Kernpunkt des Landschaftsensembles bildet das mit neugotischer Pracht ausgestattete Schloss Lednice mit dem 192 ha großen Landschaftspark, den die Liechtensteiner Fürsten zwischen 1781 und 1811 in den Auwäldern der Thaya anlegen ließen. Sümpfe wurden trockengelegt, der Fluss wurde umgeleitet und ein großer See mit vielen Inseln ausgegraben. Fürst Alois schickte 1802 einen Gärtner nach Amerika, um Samen und Pflanzen von Forstgehölzen zu sammeln und nach Lednice zurückzuschicken, so dass hier im Park einer der ältesten europäischen Sammlungen amerikanischer Bäume entstanden ist.

An genau berechneten Punkten in der Landschaft setzte später Fürst Johann I. klassizistische Bauwerke, die mit ihren harmonischen Formen das Bild der Natur veredeln sollten. Mitten im Wald und auf Wiesen, auf Anhöhen und am Wasser errichtete er Tempel und Schlösschen, Villen und Kolonnaden, oft in direkter Blickbeziehung zueinander. Sie stehen im Kontrast zur weitgehend intakten Natur der Auwälder und Fischteiche mit ihrer artenreichen Vogel- und Pflanzenwelt. Auf einer Fläche von rund 200 Quadratkilometer dehnt sich dieses Gebiet aus, das mit seinem Wechselspiel zwischen Baukunst, Gartenkultur und freier Natur ein einmaliges Zeugnis herrschaftlicher Landschaftsgestaltung darstellt.

Daten & Fakten

Kulturdenkmal: eine der größten von Menschenhand gestalteten Landschaften Europas, u. a. mit dem Palast von Lednice und dem Schloss Valtice, dem Gewächshaus von Lednice, dem Minarett (1797-1802), dem Belvedere, dem »Tempel der Drei Grazien« und der Kapelle St. Hubertus
UNESCO-Ernennung: 1996
1569-1627
unter Karl I. von Liechtenstein, seit 1620 Vizekönig von Böhmen, erste Gartengestaltung
1611-84
Karl Eusebius von Liechtenstein, auf dessen Veranlassung 1656 zwischen Valtice und Lednice eine Allee angelegt wurde
1715-17
Pflanzung von 2201 Bäumen entlang der alten Straße Valtice-Lednice
1726-81
unter Franz Josef I. Umbau des Schlosses von Lednice
1759-1805
Alois Josef I.
1790
Joseph Hardtmuth (1752-1816) wird Hofarchitekt der Fürsten zu Liechtenstein
1802
Bau des Belvedere
1805-08
Anlage der Parks von Valtice und Lednice nach Entwurf von Bernhard Petri (1767-1853)
1938 Aufgabe von Valtice als Residenz der Fürsten von Liechtenstein

Copyrightvermerk für Daten & Fakten
© Chronik Verlag im Bertelsmann Lexikon Verlag GmbH Gütersloh/München 2000 - 2010