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Margit Sponheimer gehört zur Mainzer Fastnacht wie der Dom in die Mainzer Altstadt. Wenn sie auf der Bühne singt, kann im Publikum und auch zu Hause vor dem Fernseher niemand mehr still sitzen. Am 7. Februar 2018 feierte sie ihren 75. Geburtstag. Am gleichen Tag beschloss der Mainzer Stadtrat, ihr die Ehrenbürgerwürde zu verleihen.

Mit 17 Jahren hat Margit Sponheimer bei der "Garde der Prinzessin" ihren ersten Auftritt auf der Narrenbühne. Bald wird Toni Hämmerle, ein renommierter Komponist für Stimmungs- und Karnevalslieder, auf sie aufmerksam. 1963 ermöglicht er ihr ihren ersten großen Auftritt an der Seite von Ernst Neger, einem noch heute legendären Nachkriegsstar der Mainzer Fastnacht. Nur zwei Jahre später schreibt Hämmerle für sie den Debüthit "Gell, Du hast mich gelle gern". Mit diesem Lied wird sie in der Boulevardpresse zum "neuen Stern am Narrenhimmel".

Geboren am 7. Februar 1943 in Frankfurt am Main, zieht sie mit ihrer Familie im Alter von acht Jahren nach Mainz. Margit Sponheimer hat früh ein Gespür dafür, sich in Szene zu setzen. Sie ist gerade vier Jahre, spielt Ball auf der Straße und singt: „Wenn bei Capri die rote Sonne im Meer versinkt“ – was bei Amerikanischen Besatzungssoldaten prompt Anklang findet. Sie schenken ihr Süßigkeiten, es ist ihr erstes Honorar. Von da an geht es steil bergauf.

Die erste Frau in der Mainzer Fastnacht

In der männerdominierten Welt der Fastnacht hat es Margit Sponheimer nicht immer leicht. Und auch ihre Eltern sehen ihrer Karriere eher mit Skepsis entgegen. Ihren Plänen nach soll Margit eine Lehre zur Groß- und Einzelhandelskauffrau abschließen und dann den väterlichen Betrieb für Autozubehör übernehmen. Ihren Erfolg kommentieren sie trocken mit den Worten: "Heute Stern, morgen Schnuppe".

Aber sie lässt sich nicht aus der Fastnachtswelt vertreiben. Mit ihrem Millionenhit "Am Rosenmontag bin ich geboren" erobert das "goldisch Meenzer Mädche" ihr Publikum und steht als erste Frau beim Mainzer Carneval Verein (MCV) allein auf der Bühne. Diese Vorreiterrolle würdigt auch der frühere rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck bei der Überreichung des Bundesverdienstkreuzes im Jahr 2007 an Margit Sponheimer. Dass sie weder in Mainz noch am Rosenmontag geboren wurde, nimmt ihr da niemand übel.

Ein Star hört auf

1998, einen Tag vor Rosenmontag und nach 38 Jahren närrischer Bühnenerfahrung, tritt sie vom Fastnachtstreiben zurück. "Ich habe mir immer gewünscht, dann aufhören zu können, wenn ich oben bin, damit die Leute sagen: ‚Wie schade!’ Und nicht: ‚Die singt ja immer noch’." Seit 1999 ist sie am Frankfurter Volkstheater als Schauspielerin tätig, aber nicht mehr als das "goldisch Margitsche", sondern als Margit. Seit 2006 spielt sie im Mainzer Unterhaus im Musical "Feucht und Fröhlich".

Darüber hinaus engagiert sich Margit Sponheimer seit Jahren als Botschafterin für die Hilfsorganisation "Human Help Network".

Während sie neue Wege geht, lebt ihr größter Hit als Fangesang noch einmal auf. Wenn Mainz 05 einen Sieg erkämpft, schallt es im ganzen Stadion: "Am Rosenmontag bin ich geboren, am Rosenmontag in Mainz am Rhein..."

Gastauftritte bei "Mainz bleibt Mainz"

Zum Glück für ihre Fangemeinde verabschiedet sich Margit Sponheimer nicht ganz aus dem Rampenlicht.

2005 bekommen sie die Zuschauer zum 50. Jubiläum der Fernsehsitzung "Mainz bleibt Mainz" nochmals zu sehen, zusammen mit Herbert Bonewitz. Übrigens auch das Jahr, in dem sie erstmals tatsächlich am Rosenmontag Geburtstag feiert.

2009 folgt ein besonders emotionaler Auftritt: Anlässlich des 100. Geburtstages von Ernst Neger singt sie gemeinsam mit dessen Enkel Thomas Neger die größten Fastnachts-Hits. 2016 gibt sie dem 1. FSV Mainz 05 zum 111-jährigen Jubiläum ein Ständchen. Und auch im darauffolgenden Jahr tritt die Fastnachts-Ikone überraschend als "Special Act" bei "Mainz bleibt Mainz" auf.

Margit Sponheimer und Thomas Neger (Foto: SWR, SWR -)
Margit Sponheimer und Thomas Neger im Jahr 2009. SWR -

Neue Mainzer Ehrenbürgerin

Nun wird Margit Sponheimer die Ehrenbürgerwürde der Stadt Mainz erhalten. Nach Anna Seghers 1981 ist Sponheimer erst die zweite Frau, der diese Ehre zuteil wird. "Sponheimer hat sich in der Region und republikweit besondere Verdienste um die Landeshauptstadt Mainz erworben und sie genießt zugleich große Sympathien", so Oberbürgermeister Michael Ebling.

Besonders kurios: Die Entscheidung über die Ehrenbürgerschaft fiel in der Stadtratssitzung am 7. Februar 2018, just an Sponheimers 75. Geburtstag, und ihr nächster Auftritt folgt schon zwei Tage später - als ein Höhepunkt der Fernsehsitzung "Mainz bleibt Mainz".

Ihr Klassiker "Am Rosenmontag" sorgt immer noch für Gänsehaut - im Saal und vor dem Fernseher.

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