Streitthema Vergütung Der Weg zu mehr Gerechtigkeit beim Lohn

Wer legt fest, wer wie viel verdient und warum - und ist das gerecht? Wie schwierig diese Frage ist, hat auch die Firma Elobau erlebt. Hier durften die Mitarbeiter entscheiden.

Auf einer Verdienstbescheinigung liegen Euromünzen und Eurogeldscheine. (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Beim Gehalt von Arbeitnehmern gibt es große Unterschiede: Während sich die einen trotz Job Monat für Monat am Existenzminimum bewegen, verdienen andere 10.000 Euro im Monat und mehr. picture-alliance / dpa -

Die Firma Elobau ist ein Industrie-Zulieferer aus Leutkirch im Allgäu. Elobau stellt Sensortechnik und Bediensysteme her, für den Maschinenbau und für Nutzfahrzeuge wie Traktoren oder Stapler. Ein typischer schwäbischer Zulieferer also, ein "Hidden Champion": Tief versteckt in der schwäbischen Provinz, aber mit 850 Mitarbeitern und weltweit erfolgreich.

Hohe Unzufriedenheit beim Thema Lohn in der Vergangenheit

Personalchef Nobert Christlbauer von der Firma Elobau im schwäbischen Leutkirch. (Foto: SWR, SWR -)
Personalchef Nobert Christlbauer von der Firma Elobau im schwäbischen Leutkirch. SWR -

Auslöser für das Projekt war eine Mitarbeiterbefragung: Die hat einen großen Frust beim Thema Lohn zu Tage befördert - vor allem in der Fertigung. Gut 65 Prozent der Beschäftigten dort waren mit ihrem Einkommen unzufrieden. Denn, so Personalleiter Norbert Christlbauer, es sei vorgekommen, dass zwei Personen die gleiche Arbeit machten, aber unterschiedlich dafür bezahlt würden.

Beim neuen Lohnmodell sollte es darum von Anfang an transparenter, demokratischer, gerechter zugehen. Eigentlich ein klassischer Fall für den Betriebsrat, doch den gibt es bei Elobau nicht. Die Firma ist auch nicht im Metall-Tarifverband. Also mussten die Mitarbeiter selber ran.

Trotzdem: Freiwillig mitarbeiten wollten beim neuen Lohnprojekt anfangs nur ganze drei Beschäftigte. "Wenn Sie in die Fertigung gehen und den Menschen sagen, Ihr dürft jetzt Euer Gehalt und Euer System bestimmen, dann ist das zunächst mal völlig irritierend", hat Personalleiter Norbert Christlbauer festgestellt. Auch weil Viele gedacht hätten, "eigentlich hat doch die Geschäftsführung schon den Plan in der Tasche".

Schwierige, lange Diskussionen um neues Vergütungssystem

Am Ende waren dann 56 Mitarbeiter dazu bereit, beim Projekt "neues Vergütungssystem" mitzumachen. Eine davon war Martina Hintz, seit 23 Jahren in der Firma. Eine, die man eher in einem hippen Start-up-Unternehmen in Berlin vermuten würde, als bei einem familiengeführten Industrie-Zulieferer.

Es wurde diskutiert, gestritten und es flossen sogar manchmal Tränen. Denn schnell gab es mehr Fragen als Antworten: Sollen alle Beschäftigte das Gleiche verdienen oder soll es doch Unterschiede geben? "Das hat sehr, sehr lang gebraucht, bis wir auf einmal draufgekommen sind", berichtet Produktionsmitarbeiterin Martina Hintz.

Am Ende nicht nur gerechterer Lohn, sondern auch offenere Firmenkultur

Das neue Lohnsystem hat die Firmenkultur von Elobau nachhaltig verändert. (Foto: SWR, SWR -)
Das neue Lohnsystem hat die Firmenkultur von Elobau nachhaltig verändert. SWR -

Nach anderthalb Jahren stand es dann endlich, das neue Lohnmodell bei Elobau: Statt nach Stückzahl belohnt zu werden, bekommen nun alle Mitarbeiter ein einheitliches Basisgehalt.

Zusätzlich können sich die Beschäftigten bis zu zehn Prozent Aufschlag erarbeiten - über ein persönliches Punktesystem. Dafür werden Kriterien wie Pünktlichkeit oder Umweltbewusstsein berücksichtigt. Zu guter Letzt gibt es eine Erfolgsprämie, die für einen einfachen Beschäftigten genauso hoch ist wie für das Management.

Für Personalchef Norbert Christlbauer war das Projekt auf jeden Fall ein großer Erfolg, denn man habe neben einem Vergütungssystem, das funktioniere und bei seiner Einführung über 96 Prozent Zustimmung bekommen. Das habe auch "die Kultur verändert". Man komme sich nun "sehr stark auf Augenhöhe entgegen" und habe gelernt, den Anderen wertzuschätzen.

Neben gerechtem Gehalt auch persönliche Wertschätzung wichtig

Bei Elobau sind seit dem Lohn-Projekt alle per Du, Entscheidungen transparenter, das Klima offener. Und Martina Hintz? Sie profitiert noch nicht wirklich vom neuen Lohnmodell, das sie mitentwickelt hat. Sie steht in der Übergangsphase noch ganz unten auf der Lohnskala und rückt erst nach und nach zu den Besserverdienenden auf.

Sina Rosenkranz, SWR Aktuelle Wirtschaft | Online: Lutz Heyser, Jutta Kaiser

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