Sozialer Konsum "Share" – Durch Einkaufen die Welt retten?

Seife, Wasser und Nussriegel verkauft das Berliner Startup "Share" seit kurzem in deutschen Supermärkten und Drogerien. Die Erlöse gehen zum Teil an soziale Projekte weltweit. Doch Share will bald Profit machen. Wie passt das zusammen?

Seit Mitte März stehen die Regale von "Share" mit Wasser, Seife und Nussriegeln in deutschlandweit 5.000 Filialen von REWE und dm. Mit jedem verkauften Produkt wird ein soziales Projekt mit einem fixen Geldbetrag unterstützt. Aber ist diese Hilfe wirklich sozial?

Von anderen Projekten gelernt

Jemand wäscht sich die Hände mit Seife von Share. (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Für jede verkaufte Seife verspricht Share, ein Stück Seife an Bedürftige zu spenden, z. B. in Afrika. Teilweise werden auch Hygieneschulungen unterstützt. picture-alliance / dpa -

Die Idee selbst, soziale Projekte durch den Verkauf von Produkten zu unterstützen, ist nicht neu. Seit ein paar Jahren macht die amerikanische Schuhmarke "Toms" etwas ähnliches: Für jedes verkaufte Paar geht ein weiteres Paar Schuhe an Bedürftige auf der ganzen Welt. Dafür stand Toms zunächst in der Kritik. Die geschenkten Schuhe würden dem Schuhmacher-Handwerk in den jeweiligen Ländern den Boden abgraben. Toms hat daraus gelernt und fertigt die Schuhe, die die Firma verschenkt, jetzt zum Teil direkt in den betroffenen Regionen.

Im Vergleich dazu geht Share die Idee von vornherein nachhaltiger an. Und zwar werden viel grundlegendere Bedürfnisse als Schuhe bedient. Nämlich Trinkwasser, Hygiene, und Ernährung. Durch den Bau eines Brunnens, zum Beispiel, wird dann aber keine Konkurrenzsituation wie bei den Schuhen geschaffen, sondern zunächst mal eine Lebensgrundlage. Ähnliches gilt auch bei der Verteilung von Notfallnahrung an Rohingya-Flüchtlinge in Bangladesch.

Share will Profit machen. Wie passt das zusammen?

Auf jedem Share-Produkt ist ein QR-Code aufgedruckt. (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Wohin die Spende eines konkreten Produkts geht, das lässt sich über einen sogenannten QR-Code verfolgen. picture-alliance / dpa -

Share verkauft seine Produkte zunächst bei REWE und dm. Für jeden Regal-Meter, den die für Share-Produkte frei machen, fliegt ein anderes Produkt von viel mächtigeren Marken aus dem Programm. Als soziale Marketing-Aktion funktioniert das zwar sicher kurzfristig, aber auf Dauer wollen die Unternehmen natürlich verdienen. Und das geht nur, wenn Share selbst einen Gewinn erwirtschaftet.

Denn das Gegenteil wäre sicher deutlich problematischer: Müsste Share sich auf Spendenunterstützung verlassen, dann stünden dem Startup wohl kaum die Vertriebskanäle der großen Unternehmen zur Verfügung. Oder es müsste weiterhin Teile seines Umsatzes abgeben – und das würden die Spender wohl kaum mitmachen.

Hinzu kommt: In Deutschland spenden immer weniger Menschen. Gerade die Zielgruppe zwischen 30 und 40 Jahren spendet besonders wenig. Diese achten allerdings stark darauf, wofür sie ihr Geld ausgeben, zum Beispiel für fair gehandelte, ökologisch angebaute oder andere nachhaltige Produkte. Und genau auf diese Gruppe zielt natürlich auch das Geschäftsmodell von Share ab.

Erfahrung als Unternehmensberater und Entwicklungshelfer

Das Gesicht von Share ist der Mitgründer Sebastian Stricker. Er hat sich einen Namen gemacht mit der App "Share the Meal". Damit lassen sich einzelne Essensrationen an Kinder in Not spenden. Zwanzig Millionen Mahlzeiten sind damit schon gespendet worden, mittlerweile hat das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen das Projekt übernommen. Und Sebastian Stricker selbst hat, wie seine drei Mitgründer auch, sowohl als Entwicklungshelfer als auch als Unternehmensberater gearbeitet und bringt da sowohl Erfahrung als auch wichtige Kontakte mit.

So kommt Share bei den Kunden an:

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