Rückstände in Lebensmitteln Warum Superfoods so oft belastet sind

In Superfood wie Chiasamen, Gojibeeren oder Rohkakao stecken nicht nur viele Vitamine und Mineralstoffe, sondern auch viele Rückstände - von Pestiziden bis Mineralöl. Selbst in Bioprodukten.

Chiasamen in einer Glasschüssel, daneben ein Holzlöffel mit Chiasamen drauf. (Foto: Colourbox, Foto: Colourbox.de -)
Chia-Samen aus Mexiko wurden schon von den Azteken genutzt. Ähnliche Inhaltsstoffe weisen auch einheimische Leinsamen auf. Foto: Colourbox.de -

Chiasamen sind in Lateinamerika alltäglicher Bestandteil in der Küche. Mit dem Superfood-Hype verschwanden die winzigen Körnchen dort jedoch vom Markt. Die vorhandenen Mengen, die für die Einheimischen völlig ausreichend waren, mussten plötzlich den Appetit der reichen Europäer befriedigen. Einkäufer zahlten unerwartet hohe Preise für die kleinen Samen, kauften alles auf.

Gifte, die in der EU verboten sind - Schwermetalle im Boden

acai (Foto: SWR, SWR - Cecilia Knodt)
Exotische Super-Lebensmittel wachsen oft in ungesunder Umwelt. SWR - Cecilia Knodt

Und weil sich so unerwartet gutes Geld damit verdienen ließ, wurden in Windeseile neue Felder angelegt. Um die schnell von Pflanzenresten und Unkräutern zu befreien, setzen die Bauern auch Gifte ein, die in der EU längst verboten sind. Dazu kommen Reifebeschleuniger. Auch das Nervengift Nikotin wird außerhalb der EU noch häufig als effektives Pestizid eingesetzt.

Dazu kommt noch, dass neu gerodete Felder unter Umständen stark mit Schwermetallen wie Cadmium oder Blei belastet sein können und deshalb gar nicht für den Ackerbau geeignet sind. Gerade China hat enorme Probleme mit verseuchten Böden. Und China baut seit dem Superfood-Hype auch Chia an.

Spritzgift-Rückstände auch auf Bio-Ware

Avocado-Plantagen in der Provinz Petorca in Chile (Foto: SWR, SWR - Foto: Matthias Ebert)
Anbaubedingungen ohne Rücksicht auf einheimische Bevölkerung. SWR - Foto: Matthias Ebert

Doch überall, wo plötzlich Neues angebaut wird, fehlt den Bauern die Erfahrung im Umgang mit den neuen Ackerfrüchten. Schulungen gibt es kaum. Also spritzen die Bauern schon mal häufiger und unsachgemäß. So wollen sie sicher gehen, dass sie keine Verluste bei der wertvollen Rohware hinnehmen müssen. Daher lassen sich eben auch bis zu 16 Spritzgift-Rückstände in einer Frucht nachweisen. Die Spritzgifte wehen beim Ausbringen wiederum auf mögliche benachbarte Bio-Felder.

Bei Trend-Lebensmitteln wird auch gern betrogen und konventionelle Ware als Bio ausgegeben. Schließlich lassen sich mit Bio-Ware noch bessere Preise erzielen.

Schimmel oder Mineralöl-Rückstände beim Transport

Goji-beeren (Foto: SWR, SWR -)
Goji-Beeren: Auf dem Transport können Super-Lebensmittel mit Giftstoffen in Berührung kommen. SWR -

Neue, massentaugliche Lebensmittel brauchen aber nicht nur Felder, sondern auch Transportverpackungen und Vertriebswege. Weil es schnell gehen muss, wird auf das zurückgegriffen, was da ist. Ob der Plastiksack eine ausreichende Durchlüftung bietet, damit nichts schimmeln kann, ist oftmals zweitrangig. Wurden Jute- oder Sisalsäcke imprägniert, können Mineralölrückstände aufs verpackte Produkt übergehen.

Und weil die Abnahmetermine noch nicht passen, kann es auch sein, dass Säcke etwa mit Rohkakao stundenlang in Abgaswolken an Straßenrändern stehen, bevor sie abgeholt werden.

Von Sabine Schütze, SWR Umwelt und Ernährung | Online: Heidi Keller

STAND