Richtig lüften gegen Schimmel Sommer ist Gift für den Keller

Im Untergeschoss ist es an heißen Sommertagen angenehm kühl. Allerdings müffelt es dort manchmal feucht und modrig. Ordentlich durchlüften gegen Schimmel ist allerdings keine gute Idee.

Ein Besucher geht am 09.09.2017 eine Treppe zu einem alten Weinkeller in Schwäbisch Hall (Baden-Württemberg) hinab. (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Weil unter der Erde gelegen weist der Keller meist auch im Sommer die niedrigsten Temperaturen im ganzen Haus auf. picture-alliance / dpa -

Eigentlich haben wir gelernt: Viel lüften hilft gegen Feuchtigkeit, damit kein Schimmel entsteht. Doch Energie-Experten warnen: Keller lüften im Sommer macht die Sache nur noch schlimmer. Das gilt auch für Wohnräume im Souterrain oder Räume am Hang, deren Wände durch Erdreich gekühlt werden.

Fragen an Alice Thiel-Sonnen, SWR-Umweltredaktion

Was ist an ein bisschen Frischluft im Keller so schlimm?

Die von Schimmel befallenem Wand einer Wohnung in der Kiefernstraße in Düsseldorf, aufgenommen am Mittwoch (07.06.2006). (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Eine hohe Luftfeuchtigkeit und zu wenig Frischluftzufuhr begünstigen den Schimmelbefall. picture-alliance / dpa -

Die Frischluft ist nicht das Schlimme - aber ihre Temperatur. Wenn die heiße Sommerluft in den kühlen Keller kommt, schlägt sich die Luftfeuchtigkeit an den Kellerwänden nieder - wie man so sagt. Wenn wir ein Glas kaltes Sprudelwasser aus dem Kühlschrank raus auf die Terrasse bringen, das beschlägt ja auch gleich außen und wird feucht, durch die Temperaturunterschiede.

Feuchte Kellerwände, wie sie dann entstehen, wenn die warme Luft rein kommt, will man durch das Lüften eigentlich vermeiden. Denn die sorgen nicht nur für den muffigen Geruch, sondern die Gefahr ist auch sehr groß, dass sich an ihnen Schimmelpilz bildet.

Heißt das, Keller lüften im Sommer ist generell tabu?

Man sieht eine Garten aus Steinen und ein Kellerfenster. Weiter hinten ist ein Trampolin zu sehen. (Foto: SWR, SWR - Antje Dietrich)
Wenn es schwül ist, die Kellerfenster besser geschlossen lassen. SWR - Antje Dietrich

Nicht unbedingt. Man sollte aber auf die Temperaturen draußen achten. Wenn es in der Nacht abkühlt oder morgens früh noch frisch ist, kann man durchaus die Kellerfenster oder -oberlichter mal aufmachen. Aber tagsüber oder in heißen Sommernächten wird die Lage damit eher verschlimmert als verbessert. Die Idee, ich lass mal schön warm rein, dann trocknet der Keller und müffelt nicht mehr - die funktioniert so nicht.

Warme Luft kann mehr Feuchtigkeit speichern als kalte. Kommt die warme Luft also in den Keller, kühlt sie ab, kann nicht mehr so viel Wasser tragen - bildlich gesprochen - und lädt es zum Beispiel an den Kellerwänden ab. Je kälter die Wände und der Boden sind, desto mehr Kondenswasser bildet sich. Je kälter die Luft ist, die man zum Lüften rein lässt, umso weniger Kondenswasser bildet sich.

Das würde ja heißen, den Keller sollte man besser im Winter lüften? Das ist doch viel zu kalt, oder?

ein Mauerwerk mit einem Kellerfenster (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Ausgiebig lüften - nur beim richtigen Wetter. picture-alliance / dpa -

Je kälter die Luft, umso trockener ist sie. Also gerade die kalte Winterluft hat am Ende den Effekt, dass der Keller trocknet. Und der trockene Keller müffelt auch nicht mehr. Natürlich ist im Winter kein Dauerlüften angesagt, damit Innen nicht irgendwas einfriert, aber die Lufttemperatur in der Jahreszeit wäre ideal.

Für ein richtiges, ausgedehntes Lüftungsprogramm nutzt man am besten die Übergangsjahreszeiten: Herbst und Frühling. Wenn es anfängt, draußen kälter zu werden als drinnen im Keller. Denn dann läuft der Luftaustausch richtig: Die wärmere Kellerluft gibt ihre Feuchtigkeit ab an die kühlere Luft draußen.

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