Probleme für Gesundheit und Kanalisation Der Fluch der Feuchttücher - so geht es ohne

Die praktischen Einwegtücher sorgen für Probleme. Sie sind eine Belastung auf der Haut und in Kläranlagen. Zu oft landen die Tücher in der Toilette - und da gehören sie nicht hin.

Keine Warnhinweise auf Feuchttücher-Verpackungen (Foto: dpa/picture-alliance -)
Hinweise zur richtigen Entsorgung der Feuchttücher findet man auf den meisten Verpackungen bisher vergeblich. dpa/picture-alliance -

Sie sind angenehm, duften und sorgen für schnelle Reinigung und Erfrischung: Feuchttücher werden immer beliebter - ob für den Babypopo oder für Erwachsene. Aber sie sind eine Belastung für die Gesundheit und die Wasserwirtschaft, denn sie gehören zum Entsorgen nicht in die Toilette.

"Spülbar" ist irreführend für Verbraucher

Feuchttücher in der Kläranlage (Foto: SWR, SWR -)
Feuchttücher lösen sich nicht in Wasser auf. Sie gehören wie vieles andere nicht in den Abfluss. SWR -

Maximiliane Kühl von den Klärwerken Stuttgart ärgert sich, wenn sie die Aufschrift auf den Verpackungen für Feuchttücher liest. Dort steht, die Tücher seien spülbar, das heißt, man könnte sie über die Toilette entsorgen - aber das stimmt nicht. "Das ist lächerlich. Spülbar heißt nur, ich kriege es die Toilette runter. Spülbar heißt nicht, dass unsere Pumpen das verarbeiten können. Und das heißt auch nicht, dass ich es aus dem Haus raus kriege."

Im schlimmsten Fall verstopfen die Feuchttücher die Toilette oder sorgen im Keller für eine Überschwemmung. Schaffen sie es in die Kanalisation, haben die Wasserentsorger das Problem - und das wird im wahrsten Sinne des Wortes immer größer. Denn im Gegensatz zu trockenem Toilettenpapier lösen sich die Feuchttücher nicht auf - sie bleiben Stofftücher.

Maximiliane Kühl: "Dann verknoten die sich richtig zu festen Zöpfen. Die sind wie ein dickes Seil und wickeln sich um die Pumpe. Sie kann nicht mehr laufen und bleibt stehen."

Zöpfe aus Feuchttüchern blockieren die Kanalisation

In diesem Moment müssen die Notdienste raus, damit die Kanalisation nicht überläuft. Durch die Feuchttücher sind die Not-Einsätze bei den Stuttgarter Klärwerken massiv angestiegen. "Es ist uns in den letzten fünf Jahren aufgefallen, dass Mitarbeiter vermehrt ausrücken müssen, um nach Pumpen zu schauen, die Alarm gemeldet haben, um dann diese Klumpen, diese festen Zöpfe, rauszuziehen." Pumpen können kaputt gehen, die Kosten steigen und damit auch die Abwasserkosten für die Haushalte.

Gesunde Menschen brauchen keine Feuchttücher

Allergietest (Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb -)
Feuchttücher können Kontaktallergien der Haut auslösen. picture-alliance / dpa/dpaweb -

Die Feuchttücher gehören in den Müll oder erst gar nicht in den Haushalt. Gesunde Menschen brauchen sie nicht. Im Gegenteil, sagt Professor Peter von den Driesch von der Hautklinik in Bad Cannstatt. Denn die Duft und Konservierungsstoffe, die nötig sind, um die Tücher lange Zeit feucht zu halten, lösen unter Umständen Allergien aus.

"Gesunden Menschen würde ich von der Nutzung abraten. Denn eine regelmäßige Nutzung kann das Risiko einer Kontaktallergie steigern. Es gibt ja manchmal auch die Möglichkeit, dass man das vorhandene Toilettenpapier mit dem Wasser anfeuchtet, das vor Ort zur Verfügung steht. Das würde ich für die bessere Lösung halten."

Es droht die Gefahr eines Teufelskreises. Der Juckreiz wird nicht auf die Tücher zurückgeführt und sie werden verstärkt genutzt. Das Jucken hört nicht auf.

Eine Ausnahme - das Analekzem

Eine Ausnahme gibt es - dann, wenn der Juckreiz durch ein Analekzem ausgelöst wird, so Professor von den Driesch. "Wir empfehlen die Tücher nicht grundsätzlich, haben aber Verständnis für die Patienten, die an einem chronischen Analekzem leiden. Denn dieses Analekzem verursacht extremen Juckreiz. Das bedeutet, dass wenn man nach dem Stuhlgang nicht feucht reinigt, man wirklich Beschwerden bekommt. Dieses Analekzem ist gar nicht so selten in der Bevölkerung - es ist möglicherweise auch stressbedingt. Diese Patienten müssen auf jeden Fall eine Lösung finden."

Fazit: Der richtige Umgang mit Feuchttüchern

  • Besser als Feuchttücher ist in jedem Fall ein sauberer Waschlappen mit normalem Wasser. Der hat auch den Vorteil, dass den niemand in der Toilette runterspülen würde.
  • Die vermeintlich praktischen Feuchttücher sollten nur sparsam - zum Beispiel im Notfall auf Reisen - eingesetzt werden.
  • Wenn man Feuchttücher entsorgt, nicht runter spülen, sondern ab damit in den Hausmüll.

Von Martin Thiel, SWR Wirtschaft und Umwelt | Online: Heidi Keller

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