Sachbeschädigung und Verletzungen Was tun bei Ärger mit Handwerkern?

Marktcheck fragt Möller

Was tun, wenn ein Handwerker mein Eigentum beschädigt, gar nicht zum Termin erscheint oder sich bei mir verletzt? Rechtsexperte Karl-Dieter Möller klärt auf.

Dauer

Uta G. beauftragt einen Handwerker zum Einbau von Fenstern. Der beschädigt dabei ihre Fließen und die Duschwanne. Die Duschwanne leidet so stark, dass sie ausgetauscht werden müsste.

Als der Handwerker seine Rechnung für den Fenstereinbau stellt, weigert sich Uta G., den kompletten Betrag zu zahlen. Daraufhin klagt der Handwerker vor Gericht. Er behauptet, die Schäden an Fließen und Duschwanne nicht verursacht zu haben.

Aussage steht gegen Aussage

Vor Gericht steht Aussage gegen Aussage. Die Fotos der Schäden reichen der Richterin als Beweis nicht aus. Denn sie zeigen nicht, wann und durch wen die Schäden verursacht wurden. Das Gericht drängt auf einen Vergleich. Uta G. soll 85 Prozent der Rechnung bezahlen. Sie willigt notgedrungen ein, fürchtet hohe Gutachterkosten. Die Hauptkosten für die Reparatur sind somit an ihr hängen geblieben.

Was kann man als Kunde tun, um im Zweifelsfall bei Schäden, die ein Handwerker verursacht, nicht auf den Kosten sitzen zu bleiben? Marktcheck-Rechtsexperte Karl-Dieter Möller rät, vorsorglich Fotos von den Räumen, in denen gearbeitet werden soll zu machen, bevor die Handwerksarbeiten beginnen. Außerdem sollte man sich möglichst zur Abnahme der Handwerkerarbeit einen Zeugen dazu holen - spätestens aber dann, wenn man die Schäden entdeckt. Es ist nicht in jedem Fall sofort ein Gutachter nötig, da durch diesen auch direkt Kosten entstehen.

Elektriker bei der Arbeit (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
Ist der Handwerker versichert? Das besser im Voraus klären. picture-alliance / dpa -

Sind Handwerker immer versichert?

Anders als beispielsweise Ärzte, Rechtsanwälte und Architekten müssen Handwerker nicht versichert sein. In der Regel verfügen sie jedoch über eine Betriebshaftpflichtversicherung - vor allem, wenn sie in der sogenannten Handwerksrolle eingetragen sind, die die Handwerkskammern führen. Ob der Handwerksbetrieb in der Handwerksrolle gelistet ist, beziehungsweise, ob der Handwerker versichert ist, sollte man vor Vertragsabschluss abklären.

Sollte der Handwerker bei Dritten, also beispielsweise den Nachbarn, Schäden anrichten, haftet der Handwerker für diese. Kann er jedoch nicht zahlen, steht der Auftraggeber nach einer neuen BGH-Entscheidung (Urt. v. 09.02.2018*, Az. V ZR 311/16) in der Pflicht, den Schaden zu begleichen.

Wie lange muss ich warten, bis der Schaden behoben wird?

Bei Schäden wie bei mangelhafter Arbeit sollte man dem Handwerker eine Frist setzen, bis wann das Problem behoben sein sollte. Üblich sind 14 Tage, bei schwierigen Arbeiten aber auch längere Zeiträume. Nach Ablauf der Frist kann man einen anderen Handwerker beauftragen und der Verursacher der Mängel oder Schäden muss dafür aufkommen.

Handwerker erscheint nicht

Muss der Handwerker mich für meinen genommenen Urlaubstag entschädigen, wenn er zu einem vereinbarten Termin nicht kommt? Nein, so Karl-Dieter Möller. Angestellte haben keinen Anspruch auf Entschädigung, da der Urlaubstag hier nicht als Wert bezifferbar ist.

Hat man jedoch einen unbezahlten Urlaubstag genommen, kann man vom Handwerker Schadensersatz fordern. Selbstständige können unter Umständen ihren Honorarausfall vom Handwerker fordern - das ist aber häufig schwierig, denn der muss nachgewiesen werden.

Wenn ich im umgekehrten Fall nicht pünktlich zuhause bin, kann mir der Handwerker die Anfahrtskosten in Rechnung stellen. Wenn ich jedoch nach dem vereinbarten Termin 30 Minuten gewartet habe und der Handwerker sich in diesem Zeitraum nicht gemeldet hat, kann ich das Haus verlassen und muss keine Anfahrtskosten zahlen, wenn der Handwerker dann doch vor verschlossener Tür steht.

Zimmermann bei der Arbeit (Foto: © Colourbox.com -)
Der Handwerker muss im Normalfall für seine eigene Sicherheit sorgen. © Colourbox.com -

Handwerker verletzt sich

Verletzt sich ein Handwerker bei mir zuhause, muss ich im Normalfall nicht haften. Zwar trifft mich als Bauherrn eine Verkehrssicherungspflicht, doch durch den Auftrag an Fachleute werde ich davon weitestgehend befreit. Auf Gefahren, die für einen Fachmann erkennbar sein müssten, muss ich nicht extra hinweisen; für seine Sicherheit ist der Fachmann selbst zuständig. Achtung: Dies gilt nicht bei Schwarzarbeit. Hier bin ich bei Verletzungen des Handwerkers in der Pflicht.

Dasselbe gilt auch, wenn ich beispielsweise als Bauherr eine Gefahrenstelle schaffe, beispielsweise ein Gerüst baue und dieses zusammenbricht. Verletzt sich der Handwerker hierbei, hafte ich dafür, wie das Oberlandesgericht Koblenz am 7. Mai 2014 geurteilt hat (Az. 1 U 1080/14).

Schlichtungsstellen

Ärger mit Handwerkern kommt häufig vor und nicht immer muss ein Fall direkt vor Gericht entschieden werden. Besser ist es, sich zunächst an eine Schlichtungsstelle zu wenden, die beispielsweise bei Handwerkskammern oder Berufsverbänden angesiedelt sind. Dies ist zunächst kostenlos. Auch die Allgemeine Verbraucherschlichtungsstelle des Zentrums für Schlichtung in Kehl kann eine Anlaufstelle sein. Rechtlichen Rat bieten auch die Verbraucherzentralen.

Der Text gibt den Stand zum Sendedatum wieder

Filmautorin: Angelika Scheffler-Ronen | Online: Sola Hülsewig
© SWR Marktcheck

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