Hauptstraße in Diethardt

Ein Film von Gudrun Fünter

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Diethardt Hauptstraße (Foto: SWR, SWR -)
Die Hauptstraße SWR -

Die Hauptstraße in Diethardt wirkt eher wie eine Dorfstraße, ländlich und ruhig. Genauer betrachtet ist sie sogar eine Dorfschönheit: Über eine gute Strecke fließt der Mühlbach entlang der Straße, oberhalb auf einem Hügel thront eine schmucke Kirche aus dem 18. Jahrhundert und am Straßenrand reihen sich alte zum Teil sehr schön restaurierte Bauernhäuser, Mühlengehöfte, ein alter Pfarrhof, das alte Rathaus.

Mehrmals im Jahr trifft sich hier der Kulturverein, um festlich zu tafeln. Die Hobbyköche im Dorf frönen gemeinsam ihrer Kochleidenschaft. Dabei kann der Kulturverein auch mehr als kulinarisch: Er organisiert Kinderfeste, Theateraufführungen, Reisevorträge, einen Herbstmarkt. Die Feuerwehr lädt zum Backesfest, Kultur im Diethardt ist fast immer handgemacht.

An der Hauptstraße gibt's einen selbstgebauten Downhill-Parcours für Mountainbiker (Foto: swr -)
An der Hauptstraße gibt's einen selbstgebauten Downhill-Parcours für Mountainbiker. swr -

Handarbeit rollt – vor allem an den Wochenenden - auch über die Hauptstraße, dann wenn die Diethardter Bastler und Schrauber ihre Oldtimer ausfahren: die legendären Citroen-Enten auf Sonntagstour, VW-Bus-Oldtimer und mehr als 30 Jahre alte Honda-Motorräder. Das älteste Gefährt hier ist vermutlich die viktorianische Kutsche von Erwin Lenz.

Direkt an der Hauptstraße liegt eine selbstgebaute Downhill–Trainingsstrecke. Birk Berghäuser ist passionierter Downhill-Fahrer, sein Vater Ulrich Berghäuser nicht weniger sportlich: er ist leidenschaftlicher Marathonläufer und Marathonreisender.

Diethardt Ortsansicht (Foto: swr -)
Diethardt swr -

Auffallend ist das Hubertushaus, einst hochherrschaftlicher Landsitz eines Jagdpächters aus dem Ruhrgebiet. Hier lebte ab 1914 die Jüdin Anna Johanna Krämer mit ihren Söhnen Fritz und Wilhelm. Fritz Krämer machte später Karriere in der US-Außenpolitik, wurde Berater im Weißen Haus, arbeitete im Pentagon mit Henry Kissinger und Alexander Haig. Auf der Flucht vor den Nazis kam er über Großbritannien in die USA und wurde US-Staatsbürger.

1945 kehrte er als Besatzungssoldat zurück nach Diethardt, fand seine Mutter dort tatsächlich lebend wieder. Das schier Unglaubliche war möglich: Die Jüdin Anna Johanna Krämer hatte sich zwischen 1933 und 1945 noch nicht einmal verstecken müssen. Sie überlebte den Nationalsozialismus und hemmungslosen Antisemitismus, weil das Dorf über ihre Herkunft schwieg.

Diethardt Karte (Foto: swr -)
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