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Ein Film von Lutz Herrschaft

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Sie heißt so, weil sie am Mainzer Zollhafen endet - mit ihrem kleineren Teil. Denn die Hafenstraße ist zweigeteilt, der Feldbergplatz schiebt sich zwischen das lange und das kurze Stück Straße. Sie steckt voller Geschichte – in all deren Facetten. Auf die Feldbergschule ging einst Carl Zuckmayer; 1942 wurden in der Schulturnhalle Mainzer Juden zusammengetrieben, vor ihrem Abtransport in die Vernichtungslager. Nach dem Krieg diente die Turnhalle als provisorische Synagoge. Im ehemaligen Krankenhaus, der sogenannten Frauenklinik, wurden vor dem zweiten Weltkrieg viele Mainzer geboren; von dem kriegszerstörten Hospital sind nur die ehemalige Direktorenvilla und ein Eckhaus erhalten geblieben.

Doch die Hafenstraße ist nicht nur geschichtsträchtig. Anders als wohl die meisten Straßen ist sie nicht nur eine Adresse, eine beliebige Häuserreihe, in der man nebeneinander her wohnt. Diese Straße hat einen Geist. Man kennt sich, feiert spontan, lebt und lässt leben. Sie hat kreatives Potential; bildende Kunst, Handwerk, Design und nicht zuletzt Musik. Und deren Spektrum reicht von einem singenden Gärtner, ehemals Operntenor, über einen Jazzpianisten bis zum Sänger einer Punkband, der allerdings auch das Chanson-Genre beherrscht.

Womit wir beim Wohnzimmer der Hafenstraße wären, das zugleich ihr Anfang ist. In der Kultur- und Fußballkneipe "Hafeneck" kommen sie alle zusammen. Und diese andere Assoziation, die sich bei dem Ausdruck "Hafenstraße" aufdrängt, dieses Hamburgische, latent Chaotische? Ein Kiez ist die Hafenstraße schon, aber einer der entspannten Art, ein Biotop sowohl für Ur-Mainzer als auch für zugezogene Bohème.

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