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Ein Film von Wolfgang Bartels

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Weisel Ortstotale (Foto: SWR, SWR -)
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Weisel liegt auf den Taunushöhen in der Nähe der Loreley. Das Dorf wird in den Urkunden erstmals 1128 erwähnt und hatte im Mittelalter sogar einmal Stadtrechte. Heute zählt Weisel knapp 1100 Einwohner. Wir besuchen die Neustraße. Bei den Anwohnern hat sie allerdings einen ganz anderen Namen. Sie wird „Entenquack“ genannt. Das hängt mit dem alten Stadtgraben zusammen, in dem die Enten schwammen. Den Stadtgraben gibt es längst nicht mehr, dafür aber eine Firma, die mit Wasser zu tun hat, genauer gesagt mit Flusswasser: der Weiseler Bojenbau. Die Bojen dienen auf den Flüssen der Schifffahrt zur Orientierung. Rund fünfhundert Bojen baut das Unternehmen pro Jahr, übrigens der einzige Bojenbauer in Deutschland.

Neustraße in Weisel (Foto: SWR, SWR -)
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Ernst Knecht, der frühere Chef des Bojenbaus, befasst sich nicht mehr mit Wasser, sondern mit Land. Gegenüber der Firma hat er einen riesigen Naturgarten angelegt. Während der Bundesgartenschau in Koblenz war das Weiseler Naturparadies eine Station der „Welterbe-Gärten“. Ein paar Häuser weiter steht Kunst im Mittelpunkt. Elsbeth Graßmann zertrümmert alte Weinflaschen und gestaltet mit den Scherben Mosaiken. Sie ist eine vielseitige Künstlerin. Sie graviert auch Gläser und malt Aquarelle.

In der alten Schmiede von Wiesel sind Überreste eines abgeschossenen b-17-Bombers zu sehen (Foto: SWR, SWR -)
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Die alten Schmiede des Urgroßvaters dient dem Dorf-Historiker Theo Dillenberger als Schatzkammer. Hier bewahrt er die Überreste eines amerikanischen B-17-Bombers auf. Kurz vor Kriegsende, am 9. März 1945, musste der Bomber bei Weisel notlanden, nachdem er in Frankfurt Flaktreffer erhalten hatte. Noch Jahre lang lag das Wrack des Bombers draußen auf der Wiese. Und für die Weiseler erwies sich das gestrandete Flugzeug als überaus nützlich. Aus den Aluminiumblechen machten sie Mehlschütten. Das Plexiglas der Bugkanzel wurde zum Medaillon umgearbeitet. Aus der Fallschirmseide wurden Kleider genäht. Der Sauerstofftank wurde zur Bienentränke umfunktioniert. Vieles, was nach dem Krieg Mangelware war, lieferte das Flugzeugwrack, kurz gesagt: ein wahres „Geschenk des Himmels“.

Karte Weisel (Foto: SWR, SWR -)
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