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Ein Film von Gudrun Fünter

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Hauptstraße in Waigandshain (Foto: SWR, SWR -)
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Die Hauptstraße von Waigandshain wirkt eher schmal und schlicht, wie eine Dorfstraße, doch sie hat großes zu erzählen und sogar Weltgeschichte erlebt. So machte Joachim Fuhrländer aus der Dorfschmiede seines Vaters ein Unternehmen, dass Windräder in die ganze Welt verkaufte. Zu Hochzeiten beschäftigte Fuhrländer 700 Menschen und bildete mehr aus als jedes andere Unternehmen vergleichbarer Größe. Doch nach Bankenkrise, Managementfehlern und Zahlungsausfällen von Kunden musste die Firma 2012 Konkurs anmelden. Hinter Joachim Fuhrländer liegen schwere Jahre, doch nach wie vor wohnt er in der Hauptstraße, und dort werden auch wieder Windräder gebaut. Die neu gegründete Firma "Friendly Wind Technology" sieht ihr Hauptgeschäft allerdings nicht im Bau, sondern in der Wartung und Optimierung von Windrädern in aller Welt. Sie kann dabei auf Fachpersonal setzten, denn 80 Prozent der Mitarbeiter haben eine Vergangenheit bei Fuhrländer.

Ein Paradies für Hühner (Foto: SWR, SWR -)
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Auch ein Pionier ganz anderer Art arbeitet in der Hauptstraße. Burkhard Klein hatte vor 20 Jahren einen Hühnerhof von seinem Vater übernommen und ihn konsequent zum Bio-Hof umgebaut. In den 90er Jahren war das eine Herausforderung und Burkhard Klein musste viel Lehrgeld zahlen. Heute genießen seine 11.000 Hühner Bauernhofidylle in XXL. Sie haben reichlich Auslauf, dürfen im Freiland scharren und staubbaden, unter dem Biosiegel "Naturland" leben. Die "glücklichen" Hühner danken mit Bio-Eiern, die der Waigandshainer Hühnerhof in den gehobenen Lebensmittelhandel verkauft.

Blick auf Waigandshain (Foto: SWR, SWR -)
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Die alte Schule an der Hauptstraße war für Generationen von Kindern ein gefürchteter Ort. Auch Bürgermeister Ernst-Theo Jung erlebte hier strenge und noch strengere Lehrer. Der alte Klassenraum ist heute Dorfsaal, doch die Zeiten des Rohrstocks sind unvergessen. Die Gemeinde hat die Schule aus dem Jahr 1752 neu renoviert. Heute ist sie Schmuckstück der Straße. Dass die Hauptstraße wie auch das ganze Dorf sauber und ordentlich bleiben, darauf hat der Bürgermeister Ernst-Theo Jung ein waches Auge. Falls einmal eine Hecke nicht ordentlich zurückgeschnitten oder ein Hundehaufen nicht entfernt wurde, dann nutzt Ernst-Theo Jung den Dorfrundfunk, um seinen Waigandshainern wortwörtlich den Marsch zu blasen. Nach Marschmusik hören sie durch Lautsprecher an den Häusern, was an der Hauptstraße und auch sonst in Waigandshain von Belang ist.

Karte von Waigandshain (Foto: SWR, SWR -)
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