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Ein Film von Lutz Näkel

Ruppertshofen liegt östlich des Rheins unweit der Stadt Nastätten. "Blaues Ländchen" nennt man die Gegend wegen der früher hier ansässigen Blaufärber. Die Taunusgemeinde wurde 1364 zum ersten mal erwähnt und bekam damals sogar die Stadtrechte verliehen. Mit 334 Einwohnern ist Ruppertshofen aber dennoch immer ein Dorf geblieben.

Die Hauptstraße zieht sich vom Ortseingang durch den alten Kern des Dorfes bis zum Gemeindehaus am anderen Ende von Ruppertshofen. Sie führt auch an der "Kaisereiche" vorbei, die 1905 gepflanzt wurde. Damals war richtig was los in Ruppertshofen, anlässlich eines Militärmanövers in der Region besuchte Kaiser Wilhelm der Zweite den Ort, begleitet von seiner Frau, der Kaiserin Augusta. Die plagte während ihres Aufenthalts hier ein menschliches Bedürfnis, und so bat sie eine Bauersfrau deren Nachttopf benutzen zu dürfen. Die Anekdote wird heute noch gerne in Ruppertshofen erzählt.

Gekrönte Häupter sind seitdem nicht mehr in der Hauptstraße aufgetaucht, und auch sonst ist es hier recht ruhig geworden. Vor allem, seit auch die letzte der beiden Gastwirtschaften zugemacht hat. Doris Kern, die Wirtin, hätte gerne noch weitergemacht, aber die Konzession war ausgelaufen. Auch ihren Gästen war das nicht einerlei: "Am letzten Tag habe ich hier erwachsene Männer an der Theke heulen sehen", erzählt sie. Aber ausgestorben wirkt die Hauptstraße deswegen noch lange nicht. Auf dem Spielplatz am Dorfplatz ist bei schönem Wetter ganz schön was los, denn seit einiger Zeit gibt es erfreulicherweise wieder mehr Nachwuchs in Ruppertshofen.

Karte Ruppertshausen (Foto: SWR, SWR -)
Karte Ruppertshausen SWR -
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