Nicht nur eine Geisteshaltung

Wie Zuversicht gegen Angst in der Krise hilft

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Der Frühling ist da! Die Natur erwacht und mit ihr die Farben und die Hoffnung, die Lebensfreude. Doch in diesem Jahr können wir den Frühling nicht so erleben wie sonst – Ausgangssperre, geschlossene Biergärten und Spielplätze, Angst und Existenzsorgen gehen um.

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Gerade jetzt brauchen wir Hoffnung! Die Italiener haben das erkannt: "Andrá tutto bene!" – "Alles wird gut!" Mit diesem Spruch und mit Musik machen sie sich gegenseitig Mut.

Wie Zuversicht aussehen kann

Schon der Reformator Martin Luther, wusste um die Kraft des Glaubens und der Zuversicht: "Und wenn morgen die Welt unterginge, so würde ich heute einen Apfelbaum pflanzen", soll er gesagt haben.

Auch die Pfarrerin Irene Hildenhagen kennt Zuversicht. Sie leitet das evangelische "Haus der Stille" in Rengsdorf, ein Ort, wo Menschen in Krisen innere Einkehr halten können und Unterstützung erfahren. Für sie ist Zuversicht ein Gefühl, das wir in uns tragen.

Pfarrerin Irene Hildenhagen (Foto: SWR)
Irene Hildenhagen glaubt daran, dass jeder Mensch zuversichtlich sein kann.

"Dieses Gefühl der Zuversicht gibt mir die Hoffnung, dass es weitergeht, dass etwas Neues auch aus dieser Irritation, aus dieser großen Verunsicherung, auch aus diesem Chaos, das wir teilweise erleben, dass da was ganz Kreatives, Neues entstehen kann. Und wenn ich mich darauf ausrichte, ist das Andere vielleicht nicht ganz so bedrängend."

Menschen, die sich auch in schwierigen Zeiten nicht unterkriegen lassen, wie der tschechische Dissident und Bürgerrechtler Václav Havel, gehen voran und verändern die Welt. Von ihm, dem Präsident der Wendezeit, stammt das Zitat: "Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht."

Zuversicht hilft in der Krise

Vorbilder können helfen, jetzt nicht den Mut zu verlieren, denn in Deutschland leben wir, selbst in der Krise, unter guten Bedingungen.
So verbrachte beispielsweise der Südafrikaner Nelson Mandela 27 Jahre in den Gefängnissen des Apartheid-Regimes und verlor doch nie die Hoffnung auf eine bessere Zukunft und ein Ende des rassistischen Systems in seinem Heimatland. Seine Zuversicht wurde Wahrheit und er war der erste Präsident eines freien Südafrika. Solche Beispiele sind gute Vorbilder, an denen man sich orientieren kann.

Auch aus eigenen Erfahrungen im Umgang mit Krisensituationen kann jeder lernen und Zuversicht schöpfen für kommende Krisen. Krisen bieten auch immer Chancen, weiß Pfarrerin Irene Hildenhagen: Altes, was einem nicht gutgetan hat, kann beendet und abgelegt werden. In der Krise gilt es auch mal innezuhalten:

  • Was ist wichtig?
  • Wo stehe ich gerade?
  • Worauf hoffe ich?
  • Worauf vertraue ich?
  • Was ist meine Sehnsucht?
  • Worauf will ich mich ausrichten?
  • Welche Veränderung wünsche ich mir?

Daraus kann sowohl etwas Neues und Kreatives entstehen, als auch neue Lebensimpulse und Ziele entwickelt werden. Gerade in Krisenzeiten bietet auch die Natur vielen Menschen Trost und das Gefühl, in einem größeren Zusammenhang aufgehoben zu sein.

Menschen auf Wiese (Foto: SWR)
Ob man es Schöpfung nennt oder Mutter Natur: Wir Menschen sind ein Teil davon und können uns an ihrer Schönheit erfreuen, gerade jetzt in der wiedererwachenden Natur.

Zuversicht ist gesund

Wissenschaftlich erwiesen ist, dass Pessimismus und Zukunftsangst krank machen und sogar die Lebenserwartung senken, da sie Stresshormone freisetzen. Zuversicht ist aber nicht nur eine Geisteshaltung.

"Wenn wir über Zuversicht sprechen, dann denken wir immer, wir müssen Zuversicht denken, also dass es eine Verstandessache ist, aber Zuversicht spiegelt sich auch im Körper wider. Wenn ich aufgerichtet bin, wenn der Atem frei fließen kann, dann empfinde ich eine Lebendigkeit, dann empfinde ich auch vielleicht eine größere Freiheit als wenn ich von der Angst besetzt bin und die Angst macht es oft eng, der Atem fließt nicht, der Atem stockt."

Viele spirituelle Lehrer arbeiten mit der befreienden und beruhigenden Kraft des Atmens, ob im Yoga, im Chi Gong oder anderen spirituellen Praktiken.

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