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Rund 70.000 Menschen sterben in Deutschland jährlich an einem plötzlichen Herztod, davon 46.000 an den Folgen eines Herzinfarkts.

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In Rheinland-Pfalz sind es laut Thomas Münzel, Professor am Zentrum für Kardiologie am Klinikum Universitätsmedizin Mainz, 4.300 Herzinfarkt-Tote pro Jahr. Den plötzlichen Herztod überleben nur 10 Prozent der Patienten. Sofortiges Handeln kann Leben retten.

Das sind mögliche Anzeichen für einen Herzinfarkt

  • Bei Männern: Schmerzen hinterm Brustbein, die in den linken Arm ausstrahlen, manchmal auch in den Hals.
  • Bei Frauen: Schmerzen im Oberbauch, die auch in den Rücken ziehen können, Übelkeit, Erbrechen.
  • Ältere Menschen haben eher atypische Beschwerden, die den Beschwerden bzw. Anzeichen von Frauen ähneln.

So kann man Leben retten

Thomas Schaberger und seine Lebensretterin Elke Spahn (Foto: SWR)
Dass Thomas Schaberger nächstes Jahr seinen 60. Geburtstag feiern kann, hat er seiner Lebensretterin Elke Spahn zu verdanken.

Mit einer Herzdruckmassage kann das Herz eines Infarkt-Patient bis zu einer Stunde lang von außerhalb am Leben erhalten werden. Der richtige Rhythmus bei einer solchen Herzdruckmassage: 100 bis 120 mal pro Minute drücken. Nach 30 mal drücken 2 mal Beatmen.

"Eine gute Taktvorgabe sind Lieder wie 'Staying alive' von den Bee Gees, 'Highway to hell' von ACDC oder 'Atemlos' von Helene Fischer."

Prof. Thomas Münzel von der Universitätsmedizin Mainz

Auf das Beatmen kann eher verzichtet werden - gerade in Covid-19-Zeiten. Denn: Nicht der Sauerstoff fehlt direkt nach dem Herzstillstand, sondern die Blutzufuhr. Deshalb ist hier vor allem die Herzdruck-Massage unverzichtbar.

Auch noch wichtig

Die Zahl der Herzinfarkt-Patienten, die sich wegen Corona nicht in die Kliniken trauen, um sich helfen zu lassen, ist leider groß, so Thomas Münzel. Im schlimmsten Fall versterben diese Patienten dann zuhause, obwohl man ihnen hätte helfen können. Und: Die Gefahr, an Covid-19 zu erkranken, ist draußen ein Vielfaches höher als in den Krankenhäusern.

In nordischen Ländern (Dänemark, Schweden, Norwegen) ist Wiederbelebung Schulfach. Die Menschen dort haben keine Angst, Erste Hilfe zu leisten. In diesen Ländern wird in 80 Prozent der Notfälle Hilfe geleistet, in Deutschland nur in 40 Prozent.

Prof. Thomas Münzel und viele andere fordern, auch in Deutschland Wiederbelebung als Schulfach einzuführen. Denn 12 bis 13-Jährige können durchaus ein Erwachsenenleben retten, so Thomas Münzel.

Die Mainzer Stiftung "Herz" bietet Schülern der 6. bis 8. Klassen mehrstündige Wiederbelebungs-Trainings an, die auch mit Besuchen in der Uniklinik verbunden sind. Schirmherrin ist die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer. 7.000 Schülerinnen und Schüler haben in den vergangenen zehn Jahren ein solches Training erhalten.

So kann einem Herzinfarkt vorgebeugt werden

  • Vermeiden Sie Stress.
  • Schlafen Sie mindestens sieben Stunden am Tag.
  • Rauchen Sie nicht, auch keine E-Zigaretten.
  • Bewegen Sie sich mindestens drei Mal pro Woche eine halbe Stunde lang.
  • Ernähren Sie sich gesund, ganz nach dem Motto: Der Körper ist, was Du isst!

Denn: Eine gesunde Ernährung ist eine der wichtigsten Grundlagen für ein gesundes Herz. Dazu gehört Essen wie in Asien oder den Mittelmeer-Ländern. Orientieren Sie sich an der "Mediterranen Diät". Das heißt: viel Gemüse, Fisch, gute Öle, Nüsse.

Besonders Herzinfarkt-gefährdete Menschen sollten viel grünes Blattgemüse wie Spinat, Kohl und Salate essen, dazu Beeren und Hülsenfrüchte.

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