Lithium-Ionen-Akkubrände sind Kettenreaktionen

Darum können Akkus in Brand geraten

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Ende September 2021 entzündete sich der Akku eines E-Rollers in der Wohnung eines Mehrfamilienhauses im Donnersbergkreis. Drei Menschen wurden dabei verletzt. Das Risiko eines Akkubrandes geht laut Feuerwehr vor allem von der falschen Handhabung des Akkus aus.

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Was passiert bei einem Akku-Brand?

Akku-Bränden folgen alle einem gleichen Muster, so die Erfahrung von Andreas Schwarzhof, Brandermittler beim Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz: Ein Akku erhitzt sich immer weiter. In fast allen Fällen ist dies durch externe Gründe verursacht, wie Beschädigungen, extreme Hitze oder Kälte. Dabei bilden sich im Akku Gase, blähen ihn auf und entzünden sich gegebenenfalls beim Entweichen.

Ein üblicher Lithium-Ionen-Akku ist aus mehreren Batteriezellen aufgebaut. Jede einzelne besteht aus mehreren, eng gewickelten Schichten von Pluspolen und Minuspolen, nur getrennt durch eine hauchdünne Folie, den so genannten Separator. Wird diese Schicht beschädigt, zum Beispiel durch einen Stoß oder durch zu extreme Temperaturen, kann es zu einem Kurzschluss kommen. Dann entstehen die schon erwähnten Gase, die sich entzünden, und der Akku geht in Flammen auf.

Die häufigsten Defekte entstehen am Gehäuse, die dazu führen, dass die Separatoren im Innern nicht mehr geschützt sind und ebenfalls beschädigt werden. Bei zu großer Hitze können die Isolationsschichten ebenfalls kaputt gehen, ebenso wie bei zu großer Kälte. Welche Temperatur-Bereiche Akkus vertragen, ist in den Herstellerangaben zu finden. Meist liegt der Wohlfühl-Bereich eines Akkus zwischen null und 40 Grad. Im Sommer kann das also durchaus schon zum Problem werden, wenn ein Handy oder ein E-Bike-Akku im Auto gelagert werden, das zum Beispiel in der Sonne steht. Und im Winter können die Temperaturen in der Garage unter null Grad fallen. Wenn dann der E-Bike-Akku nicht geschützt ist, kann er Schaden nehmen, und jedes weitere Laden wird zum Glücksspiel.

Akku laden (Foto: SWR)
Am besten werden nur Original-Ladegeräte passend zum Akku benutzt, die die richtige Spannung haben und vor Akkuschäden schützen können.

Welche Warnhinweise gibt es?

Ein Akkubrand geschieht sehr plötzlich, trotzdem gibt es eindeutige Vorzeichen. Der Akku wird heiß, sehr heiß. Manche Akku-Gehäuse fangen an, sich zu verformen, regelrecht aufzublähen. Die entweichenden Gase kann man dann sogar riechen. Wenn ein Akku anfängt, ungewohnt warm zu werden, bedeutet das also: den Riechtest machen. So kann man feststellen, ob bereits Gase austreten.
Doch bei allen Maßnahmen ist höchste Vorsicht geboten, denn fängt ein Akku tatsächlich Feuer, hilft nur: Finger weg und die Feuerwehr anrufen!

Wie kann ich mich schützen?

Beim Kauf eines E-Bikes sollte man immer auf die Qualität des Akkus achten. Markenprodukte sind in der Regel sicher. Diese haben ein so genanntes Batterie-Management-System, kurz BMS. Das ist eine Elektronik, die Temperatur und Ladezustand überwacht und rechtzeitig Ladevorgänge abbricht oder gar nicht erst zulässt.

In der Regel sind sie so konstruiert, dass sie nur mit einem bestimmten Motorsystem des Herstellers betrieben werden können. Es kann nicht jeder beliebige Akku in jedes beliebige Fahrrad verbaut werden. Wer ein Superschnäppchen angeboten bekommt mit Fahrrad und Akku, vielleicht sogar noch mit Ersatz-Akku, für unter 1.200 Euro, sollte eher skeptisch sein. Aber auch Marken-Akkus müssen richtig behandelt werden. Bei Transport und Aufbewahrung gilt: Am besten geschützt ist der Akku im Fahrrad.

Vorsicht bei der Überwinterung: Besonders bei längerer Nichtbenutzung sollten Sie darauf achten, dass der Akku nicht zu warm oder zu kalt lagert und sich nicht vollständig entleert. Auch durch das falsche Ladegerät kann ein Akku Schaden nehmen. Wenn eine zu hohe Spannung am Ladegerät anliegt, der Akku also überladen wird, kann sich dieser erhitzen und dann sogar explodieren.

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