STAND

Menschen in der Drogen- und Schwulenszene, mit häufig wechselnden Partnern oder auch Prostituierte sind besonders gefährdet, sich mit HIV zu infizieren, so die gängige Meinung. Eine Ansteckung kann aber jedem passieren, egal ob Mann oder Frau, egal welche sexuelle Orientierung.

Video herunterladen (11,7 MB | MP4)

Nach aktuellen Schätzungen des Robert-Koch Instituts leben in Rheinland-Pfalz mehr als 2.300 Menschen mit HIV. Darunter auch Menschen, die von ihrer Infektion noch nichts wissen. Von Ihnen geht ein hohes Risiko aus, dass sie das Virus unwissentlich weitertragen.

Umso wichtiger ist es, dass sich Menschen frühzeitig auf HIV testen lassen, wenn es zu einer Risikosituation gekommen sein sollte. Doch vor einem Test haben viele Menschen nach wie vor große Angst.

Was Leben mit HIV bedeutet

Die Medizin ist heutzutage so weit, dass mit täglich einer Tablette das Virus gut in den Griff zu bekommen ist.

Bernd Claus ist HIV-Spezialist am Klinikum in Ludwigshafen.  (Foto: SWR)
Dr. Bernd Claus - der HIV-Spezialist ist Facharzt für Innere Medizin am Klinikum in Ludwigshafen.

Für Dr. Bernd Claus ist ein Leben mit HIV vergleichbar wie eines mit anderen chronischen Erkrankungen wie Rheuma oder Diabetes. Vorausgesetzt das Virus wird früh entdeckt und von Anfang an behandelt.

Bei einigen Menschen wird HIV aber erst viel später aufgespürt, im Zuge der Diagnose von anderen Erkrankungen.

Anzeichen für eine HIV-Infektion können

  • häufige Syphilis-Erkrankungen
  • eine Mund- und Speiseröhrenentzündung mit Pilzerkrankung oder
  • eine Lymphknotenkrebserkrankung sein.

Obwohl man mit dem Virus heutzutage gut leben kann, sollte man HIV nicht auf die leichte Schulter nehmen. Ein Leben lang müssen Medikamente eingenommen werden, die bei manchen auch schwere Nebenwirkungen haben und die Niere schädigen können.

Ohne Behandlung und regelmäßige Kontrolle beim Arzt können lebensbedrohliche Krankheiten auftreten, wie beispielsweise eine schwere Lungenentzündung. Erst dann spricht man von AIDS.

Obwohl bei guter Behandlung HIV als chronische Erkrankung eingeordnet werden kann, werden viele HIV-Betroffene nach wie vor stigmatisiert.

Die Erfahrungen der AIDS-Hilfe in Landau zeigen, dass Betroffene nach ihrem Outing, im Freundes- und Bekanntenkreis oder auf der Arbeit Diskriminierung erleben. Deswegen entscheiden sich viele Betroffene auch heutzutage noch dafür, mit ihrer Erkrankung nicht offen umzugehen.

Wie ein HIV-Test funktioniert

Nach einer möglichen Ansteckung mit dem HI-Virus sollte man mindestens sechs bzw. zwölf Wochen mit einem Test warten; erst dann ist das Ergebnis zuverlässig.

  1. Den frühen Test kann man entweder beim Gesundheitsamt oder Arzt durchführen lassen. Im Falle eines positiven Befundes wird dort direkt mit der Beratung oder Behandlung angefangen.
  2. Eine andere Testmethode sind die sogenannten Selbsttests, die es inzwischen in Apotheken zu kaufen gibt, funktionieren erst nach zwölf Wochen nach einer möglichen Ansteckung. Eine Alternative für jemanden, der sich nicht traut, zum Arzt zu gehen.

Jeder führt den Test dort selbständig durch, er bekommt aber vor allem mentale Unterstützung von den Mitarbeitern der AIDS-Hilfe. Es geht darum, die Angst zu nehmen.

Ulrike Bischoff, Leiterin der Aidshilfe Landau (Foto: SWR)
Ulrike Bischoff, Leiterin der Aidshilfe Landau, hofft mit dem Angebot Menschen zu erreichen, die sich alleine nicht trauen würden, den Test zu machen.

Sollte der Bluttest positiv reagieren, ist ein zweiter Test beim Arzt sinnvoll. Erst wenn sich dort das Ergebnis bestätigt, ist von einer HIV-Infektion auszugehen. Die AIDS-Hilfe unterstützt bei der Suche nach einem geeigneten Arzt oder auch bei Fragen, wie man im Alltag mit der Erkrankung umgeht und wem man wann davon erzählt.

Was eine HIV-Prophylaxe leistet

Die sogenannte Präexpositionsprophylaxe, kurz PrEP, wird immer stärker nachgefragt. Seit letzten Herbst übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten dafür. Sie schützt vor einer Ansteckung mit HIV.

Sie wird beispielsweise in HIV-Schwerpunktpraxen von Ärzten verschrieben. Im Prinzip kann sie jeder bekommen, sie sind aber besonders bei Hochrisikogruppen nachgefragt. Bei Männern, die mit Männern Sex haben oder unter Prostituierten, als doppelten Schutz neben dem Kondom.

Der Einsatz des Mittels wird kontrovers betrachtet. Schließlich handele es sich um ein Medikament, zu dem auch Nebenwirkungen gehören. Außerdem ist die PrEP mit Risiken verbunden: Sie schützt lediglich vor HIV, nicht vor Geschlechtskrankheiten.

Im Gegensatz zu HIV sind Syphilis, Tripper und Chlamydien zwar heilbar, auf lange Sicht gesehen könnten sich aber Anitbiotikaresistenzen entwickeln, befürchtet HIV-Spezialist Bernd Claus.

Die PrEP sei als vorbeugende Behandlung zwar ein großer Fortschritt, allerdings sei bereits jetzt zu beobachten, dass Menschen, die PrEP benutzen, häufiger ungeschützten Geschlechtsverkehr haben.

Fazit

STAND
AUTOR/IN