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Fast 10.000 Menschen erkranken jedes Jahr in Deutschland an Leberkrebs. In einem Pilotprojekt in Rheinland-Pfalz und dem Saarland wird untersucht, ob eine Früherkennung im Rahmen des Vorsorge-Check-ups flächendeckend eingeführt werden soll, um diese Zahl zu verringern.

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Mögliche Vorstufen des Leberkrebs, wie etwa die Fettleber und Leberzirrhose, entwickeln sich oft über Jahre oder Jahrzehnte, weil sie keine Schmerzen verursachen. So bemerkt man unter Umständen erst viel zu spät, dass etwas mit der Leber nicht stimmt.

Dazu ist die Leber da

Das größte innere Organ des Menschen ist das wichtigste Stoffwechselorgan. Es ist zuständig für die Entgiftung von Medikamenten, Umweltgiften und Alkohol. Sie werden hier umgewandelt in

  • Harnstoff, der ausgeschieden wird,
  • und Fett, das sich in den Fettzellen anlagert.

Die Leber speichert auch Energie in Form von Glukose, Fetten und Vitaminen, um sie bei Bedarf an den Körper abzugeben. Sie ist zudem Produzentin von Gallensäure, um die Verdauung anzuregen.

Wie Fettleber und Leberzirrhosen entstehen

Diese Faktoren könne zu einer Erkrankung der Leber führen:

  1. erhöhter Alkoholkonsum - gut drei Viertel aller Lebererkrankungen sind darauf zurückzuführen,
  2. zu fette, zu süße und auch zu salzige Ernährung, kombiniert mit wenig Bewegung,
  3. ungesunde Nahrungsmittel im Allgemeinen,
  4. sowie chronische Stoffwechselerkrankungen und Hepatitisviren.
Kaffeetisch mit einer großen Portion Sahne und einem Stück Schoko-Torte (Foto: SWR)
Zucker und Fett - kleine Sünden - erhöhte Leberwerte: So kann eine Fettleber entstehen.

Fettlebern neigen zu Entzündungen und Entzündungen verursachen Narben. Bis zu diesem Stadium sind viele Lebererkrankungen behandelbar, sogar heilbar. Aber oft wird dieses Stadium nicht rechtzeitig erkannt und es kann sich eine Leberfibrose entwickeln. Wenn jedoch viele Narben die Leber verhärten lassen, wird aus einer Leberfibrose eine Leberzirrhose. Diese ist irreversibel, also nicht mehr heilbar.

Früherkennung kann helfen

Wenn frühzeitig vor dem Stadium der Zirrhose eine Lebererkrankung erkannt wird, ist sie heutzutage in den allermeisten Fällen heilbar.

Ultraschallbild und Arzt, der das Bild begutachtet (Foto: SWR)
Mit bildgebenden Verfahren, wie dem Ultraschall, kann man Veränderungen der Leber feststellen

Die Untersuchung findet im Labor statt, wo die vorhandene Blutprobe neben den üblichen Analysen auch auf Leberwerte überprüft wird. Zeigt die Untersuchung auffällige Werte, wird der Patient oder die Patientin an einen Facharzt überwiesen, der mit weiteren Untersuchungen wie Ultraschall, eine Erkrankung entdecken und behandeln kann.

Lebertest zunächst noch im Pilotprojekt SEAL

SEAL steht für Strukturierte Früherkennung von unauffälligen Leberkrankheiten. Damit diese durch einen Innovationsfond mit knapp drei Millionen Euro geförderte Maßnahme in die Regelvorsorge überführt werden kann, braucht es den wissenschaftlichen Nachweis, dass diese Untersuchung ihren Zweck erfüllt, sie sinnvoll ist und dem Patienten wirklich hilft. Bisher fehlen dazu objektive Daten.

Mit dem Pilotprojekt, das bis Mitte 2020 in Rheinland-Pfalz und im Saarland durchgeführt wird, sollen diese Zahlen geliefert werden. Beteiligt sind unter anderem:

  • die Universitätsmedizin Mainz
  • das Universitätsklinikum des Saarlandes
  • die Hausärzte-Verbände beider Bundesländer
  • der Gastroenterologen-Verband
  • die AOK Rheinland-Pfalz/Saarland

Für eine objektive Datenlage müssen 16.000 Patienten auf ihre Leberwerte hin analysiert werden. Bisher sind 8.000 Patienten erfasst worden.

Neben dem Leid, das Patienten erspart werden kann, geht es auch darum zu verhindern, dass die Kosten für Lebererkrankungen weiter steigen. Zurzeit verursachen rund 290.000 Patienten mit Leberzirrhose Kosten in Höhe von 2,5 Milliarden Euro.

So kann man am Pilotprojekt Lebertest teilnehmen

Wer an dem SEAL-Programm teilnehmen möchten, muss bei der AOK versichert sein. Fragen Sie ihren Hausarzt, ob er als SEAL-Teilnehmer registriert ist. Falls er oder sie noch kein SEAL-Teilnehmer ist, kann das problemlos initialisiert werden. Informationen dazu gibt es beim SEAL-Programmbüro.

Fazit

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